Das Wichtigste in Kürze
- Löschwasserzusätze sparen Wasser und machen den ersten Angriff wirksamer. Das vfdb-Merkblatt MB 05-04 (April 2026) geht von mindestens einer Verdopplung der Löschleistung und einer Halbierung des Wasserbedarfs gegenüber reinem Wasser aus.
- Drei Arten: Schaumlöschmittel (auf fast jedem Löschfahrzeug), Netzmittel (senken die Oberflächenspannung) und Retardants (wirken auch nach dem Verdunsten des Wassers).
- Pflicht für die Umwelt: Zusätze müssen vollständig biologisch abbaubar und fluorfrei sein. Keine PFAS, auch nicht durch verunreinigte Tanks.
- Nicht erst im Einsatz diskutieren. Die Entscheidung gehört in die Einsatzvorbereitung: mit Wasser- und Umweltbehörden, Eigentümern und Forst festlegen, wo welche Zusätze ohne Einschränkung, mit Auflagen oder nur nach Abstimmung eingesetzt werden dürfen.
- Zumischung: am einfachsten als Premix im Behälter, sonst Saugzumischer, Druckzumischanlage oder Druckluftschaumanlage.
Warum Zusätze
- Wasser fließt viel ab: Wegen der hohen Oberflächenspannung läuft reines Wasser zum großen Teil ungenutzt ab. Zusätze verbessern Verteilung, Verweildauer und Benetzung und verringern den ablaufenden Anteil.
- Knappes Wasser: Bei Vegetationsbränden sind Zugang und Menge des Löschwassers oft begrenzt, besonders in der Erstphase mit wenig Personal und Fahrzeugen.
- Entlastung der Kräfte: Bei Löschen und Nachlöschen sinken Wasserbedarf und gebundene Kräfte.
- Defensive Taktik: Wo man nicht angreifen kann (zum Beispiel auf munitionsbelasteten Flächen oder in unzugänglichem Gelände), können Zusätze natürliche Schneisen vergrößern und sichern. Das senkt den Wasserbedarf zum Wässern von Geländestreifen oder über Kreisregner und verkürzt die Rüstzeit.
- Wärmebindung: Gerechnet wird nur mit dem Flüssigkeitsanteil im Löschmittel. Das verdampfbare Wasser bestimmt den Energieentzug, bei Schaum ist der Wirkungsgrad deutlich besser.
Die drei Produktgruppen
Schaumlöschmittel
- Verbreitung: nach Normbeladung auf fast jedem Löschfahrzeug.
- Prüfnorm: DIN EN 1568 (Teile 1 bis 4), die Prüfung läuft auf Flüssigkeitsbränden, ist also nur bedingt auf Vegetationsbrände übertragbar. Eine europäische Norm für Klasse A ist in Arbeit, hilfsweise dient ein Löschtest nach DIN EN 3-7 auf Normholzstapel.
- Einsatz: Mit Schwer- oder Mittelschaum lassen sich Glutnester abdecken und Flächen benetzen. Mit Druckluftschaumanlagen (DLS/CAFS) nur Schaummittel, die Schwerschaum bilden. Die Zumischrate gibt der Hersteller vor.
Netzmittel
- Prinzip: Tenside senken die Oberflächenspannung. Das Wasser benetzt besser und dringt in obere Schichten des Brennstoffs ein. Glutnester werden durchfeuchtet, eine Rückzündung wird verzögert oder verhindert.
- Ausgewiesene Netzmittel schäumen wenig oder gar nicht. Grundsätzlich lassen sich alle tensidbasierten Schaummittel als Netzmittel nutzen, dann mit reduzierter Zumischrate (Herstellerangabe). Die Zumischrate bestimmt auch die Umweltbelastung.
- Erkennen: Bei ausreichender Konzentration dampft der Brennstoff (zum Beispiel Holz) unter leichter Schaumbildung.
Retardants
- Was: pulverförmige oder flüssige Zusätze, die sofort löschen und die Entflammbarkeit anhaltend senken, auch nach dem Verdunsten des Wassers.
- Wofür: Schutzstreifen und Brandschneisen vor dem nahenden Feuer, aus der Luft oder vom Boden aus. Im Gegensatz zu Sperrriegeln durch Feuchthaltung (Kreisregner, TLF) wirken sie nach dem Trocknen weiter.
Umwelt und Gesundheit
- Bewertung durch Fachstellen: Zusätze müssen toxikologisch untersucht sein (akkreditiertes Prüflabor). Das Merkblatt gibt keine allgemeinen Grenzwerte vor, weil sie von Gewässern, Trinkwassergebieten, Schutzgebieten und Einsatzbedingungen abhängen.
- Ausbringmenge: Die Fachstelle gibt an, wie viel je Quadratmeter Referenzboden ausgebracht werden kann, ohne Boden-Fauna und Flora nachhaltig zu schädigen. Aus der Referenzkurve ermittelt der Einsatzleiter die maximale Ausbringmenge der tatsächlichen Verdünnung.
- Zwei Faktoren zählen: die ohne messbaren Schaden ausbringbare Menge und das Fehlen von PBT-Stoffen (persistent, bioakkumulierend, toxisch).
- Menschen: Keine CMR-Stoffe (krebserregend, erbgutverändernd, fortpflanzungsgefährdend). Bei anderen Gefahrenmerkmalen wird mit Schutzausrüstung und Einsatzziel abgewogen (Sicherheitsdatenblatt).
- Fluorfrei heißt: ohne beabsichtigten Zusatz fluororganischer Verbindungen und ohne mehr fluororganische Stoffe als die übliche Hintergrundbelastung (zum Beispiel im Trinkwasser). Kreuzkontamination durch verunreinigte Lagertanks ist auszuschließen, im Zweifel mit einer PFAS-Analyse. Siehe auch PFAS in Löschschäumen.
- Abwägung: Auch Rauchgas und Löschwasser tragen Pyrolyseprodukte in Grundwasser ein. Eine unzureichende oder verzögerte Brandbekämpfung kann mehr Schaden machen als ein vorher bewerteter, geeigneter Zusatz.
Einsatz vorbereiten
- Vorher entscheiden: Die Abstimmung ist komplex und kann im Einsatzfall nicht kurzfristig erfolgen.
- Mit wem: Wasser- und Umweltbehörden, zuständige Verwaltungsorgane (Forst) und Eigentümer.
- Was festlegen:
- Einsatzgebiete mit drei Stufen: ohne Einschränkung (der Einsatzleiter darf ohne Rückfrage anordnen), mit besonderen Maßnahmen (zum Beispiel Dokumentation der Mengen, Information anderer Stellen) und nur nach Abstimmung (zum Beispiel in der Nähe von Trinkwasserbrunnen, offenen Gewässern, Schutzgebieten). Ein kategorischer Ausschluss ist nicht immer sinnvoll.
- Produkte: geprüfte Zusätze mit Datenblättern, Umweltgutachten, Angaben zur maximalen Austragsmenge, toxikologischer Bewertung und Prüfnachweisen.
- Ausbildung: eigene Kräfte in Auswahl, Zumischung, Ausbringung, Grenzen und Dokumentation unterweisen, für fremde Kräfte Anwendungshinweise bereithalten.
- Planquadrate: Hilfreich ist ein vorhandener Bedarfs- und Entwicklungsplan, der das Einsatzgebiet in Planquadrate gliedert und nach Risiko bewertet. Diese lassen sich für die Einstufung nutzen, siehe Alarm- und Ausrückeordnung und Gefahrenabwehrbedarfsplan.
- Einsatzmatrix des Merkblatts: Vor dem Einsatz Gebiet, Mittel, Kräfte, Schwellen, Logistik und Kommunikation klären. Im Einsatz die Einstufung vor Ort prüfen, Zonen einrichten, Mengen und Proben dokumentieren. Nach dem Einsatz nachbereiten, Technik spülen, Daten und Erfahrungen auswerten.
Zumischung und Technik
- Premix (Batch Mixing): Der Zusatz kommt in Wasserbehälter, AB-Mulde, Faltbehälter, Güllefass, Pick-up-Tank oder Löschfahrzeugtank. Tankinhalt bekannt, Konzentrat abmessen, bei jeder Füllung wiederholen. Ein Premix ist nicht immer mehrere Tage lagerfähig.
- Saugzumischer (Venturi): Er entzieht dem Löschmittelstrom Energie, es entsteht ein Druckverlust an Zumischer und Rohr. Zumischer und Rohr müssen im Volumenstrom passen (zum Beispiel Z4 und S4, Z8 und S8). Die Förderstrecke ist begrenzt.
- Druckzumischanlage (DZA) nach EN 16327: mit Fremdenergie, kaum Druckverlust, mehrere Strahlrohre möglich, das Gemisch lässt sich weit und hoch fördern (zum Beispiel DZA 1600 = 1.600 l/min).
- Strahlrohrverschäumung: Ein Hohlstrahlrohr nach EN 15182 erreicht etwa Verschäumungszahl 2 bis 3. Es gibt Schaumvorsätze und Schaumstrahlrohre (M und S) nach EN 16712.
- Druckluftschaum (DLS, CAFS): Druckluft kommt in den Löschmittelstrom, es entsteht homogener, feinporiger Schaum. Nennförderstrom nach EN 16327 (zum Beispiel DLS 800).
- Auswahl: Der Nennförderstrom muss zur Zahl der Strahlrohre passen. Bei zähflüssigen Zusätzen auf die Saugseite achten, Pulver klumpenfrei vorlösen.
- Nach dem Einsatz: Anlagen gründlich spülen, aber erst nach vollständigem Einsatzende, nicht bei Unterbrechungen. Aufwendige Reinigung an einem Platz mit Ablauf in die Kläranlage (Feuerwache). Werkstoffe müssen für Zusätze geeignet sein.
Freilandversuche der BAM
- EU-Projekt TREEADS: Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung führte fünf große Freilandversuche durch, in einem Kiefernwald in Sachsen-Anhalt und auf einer Landwirtschaftsfläche in Brandenburg. Beteiligt waren auch die Universität Magdeburg und ein Industriepartner.
- Ergebnisse: Der Brandverlauf hängt stark von Vegetation, Brennstoffangebot und Witterung ab. Im Kiefernwald gab es lang anhaltende Schwelbrände mit starkem Rauch, auf der Landwirtschaftsfläche schnelle, windgetriebene Flammenfronten.
- Getestet: umweltverträgliche Zusätze auf Tensidbasis und verschiedene Löschtechniken, dazu zwei neu entwickelte Düsen, die das Schaummittel effizienter ausbringen. Die Empfehlungen stehen im vfdb-Merkblatt.
Was heißt das für dich?
- Frag, was für dein Gebiet festgelegt ist: Gibt es Einsatzgebiete mit freigegebenen Zusätzen und welche Produkte liegen auf dem Fahrzeug?
- Fluorfrei: Keine PFAS-haltigen Schaummittel im Gelände, auch nicht aus alten Resten im Tank.
- Dokumentieren, wenn es verlangt ist (Mengen, Proben).
- Spülen erst nach dem Einsatz, nicht an der Einsatzstelle.
Siehe auch: Vegetationsbrand: Löschwasser und Unterstützung, Vegetationsbrand: Taktik von AFFEN bis Nachlöschen, Vegetationsbrand: Schutzausrüstung, Geräte und Fahrzeuge, Löschmittel, Schaum.
- Quelle
- vfdb-Merkblatt MB 05-04 „Einsatz von Löschwasserzusätzen bei Vegetationsbränden“ (April 2026)
- Wirkung
- mindestens doppelte Löschleistung, halber Wasserbedarf gegenüber reinem Wasser
- Schaum-Prüfung
- DIN EN 1568 (auf Flüssigkeitsbränden), Eignung Klasse A hilfsweise mit Löschtest nach DIN EN 3-7 auf Normholzstapel
- Anforderungen
- vollständig biologisch abbaubar, fluorfrei, keine persistenten Anteile, keine CMR-Stoffe
- Premix
- Zusatz in Behälter oder Tank, Tankinhalt bekannt, Konzentrat abmessen, bei jeder Füllung wiederholen
- Zumischer
- Saugzumischer (Venturi, Druckverlust), Druckzumischanlage nach EN 16327, Druckluftschaum nach EN 16327
- Verschäumung
- Hohlstrahlrohr nach EN 15182 erreicht etwa Verschäumungszahl 2 bis 3
- Spülen
- nach dem Einsatzende, nicht bei jeder Unterbrechung, möglichst an einem Platz mit Ablauf in die Kläranlage