Das Wichtigste in Kürze
- Merkschemata strukturieren Blick, Fragen und Untersuchung. Einsatzkräfte nutzen sie, damit nichts untergeht: 4S für die Einsatzstelle, SAMPLER und OPQRST für die Befragung, WASB, GCS, POST und GIRL für das Bewusstsein, BE-FAST für den Schlaganfall, STU, DIK, pDMS, NEXUS und S-KIPS für Trauma und Wirbelsäule.
- Das Wichtigste bei der Befragung: Frage zuerst nach dem, was sofort lebensbedrohlich ist (Bewusstsein, normale Atmung, starke Blutung).
- Blutverdünner immer erfragen (zum Beispiel Marcumar, Eliquis, Xarelto, ASS, Heparin), sie machen Blutungen und Stürze gefährlicher.
- Beim Schlaganfall den genauen Symptombeginn erfragen: Davon hängt die Behandlung ab.
Ersteindruck
- 4S: Scene (wie sieht die Einsatzstelle aus?), Safety (sicher? Eigenschutz geht vor), Situation (was ist passiert, wie viele Betroffene, Unfallmechanismus?), Support (welche Unterstützung brauchst du: Notarzt, Rettungsmittel, Feuerwehr, Polizei?).
Anamnese
- SAMPLER(S):
S Symptome und Schmerzen (genauer mit OPQRST), A Allergien, M Medikamente (Dauer- und Bedarfsmedikation, Blutverdünner?), P Patientengeschichte (Vorerkrankungen, Operationen), L Letzte Mahlzeit, Stuhlgang, Wasserlassen, Krankenhausaufenthalt, Regelblutung, E Ereignis (was führte zum Notruf), R Risikofaktoren (Rauchen, Alkohol, Drogen) und Rückrufnummer, S Schwangerschaft möglich?
- OPQRST (Schmerz genauer): Onset (Beginn: plötzlich oder schleichend, was tat die Person gerade?), Provocation/Palliation (was verstärkt, was lindert?), Quality (stechend, brennend, drückend, kolikartig?), Radiation (wo genau, Ausstrahlung?), Severity (wie stark, mit der NRS), Time (zeitlicher Verlauf, dauernd oder in Wellen?).
- NRS (numerische Rating-Skala): „Auf einer Skala von 0 bis 10: Wie stark sind die Schmerzen?“ 0 ist kein Schmerz, 10 der schlimmste vorstellbare. Du wiederholst die Frage, um den Verlauf zu sehen.
Bewusstsein und Neurologie
- WASB (entspricht AVPU): W wach, A reagiert auf Ansprache (schläfrig, verwirrt), S reagiert nur auf Schmerzreiz, B bewusstlos (keine Schutzreflexe, Atemweg gefährdet).
- GCS (Glasgow Coma Scale), 3 bis 15 Punkte: Augen öffnen 1 bis 4 (spontan 4, auf Ansprache 3, auf Schmerzreiz 2, gar nicht 1), verbale Antwort 1 bis 5 (orientiert 5, verwirrt 4, unpassende Wörter 3, unverständliche Laute 2, keine 1), motorische Reaktion 1 bis 6 (befolgt Aufforderung 6, wehrt Schmerz gezielt ab 5, zieht ungezielt zurück 4, Beugen 3, Strecken 2, keine 1).
- Beim Schädel-Hirn-Trauma: 15 bis 13 leicht, 12 bis 9 mittelschwer, 8 bis 3 schwer. GCS 8 oder weniger: Atemweg meist nicht mehr selbst zu schützen.
- POST (orientiert?): Person (Name), Ort (wo sind wir?), Situation (was ist passiert?), Zeit (Tag, Jahr). Alle vier richtig: voll orientiert. Das funktioniert auch am Telefon.
- GIRL (Pupillen): Größe (eng, normal, weit), Isokorie (gleich groß?), Rund, Lichtreaktion. Ungleiche oder lichtstarre Pupillen können auf Hirndruck oder Schlaganfall hinweisen.
- BE-FAST (Schlaganfall): Balance (neue Gleichgewichtsstörung), Eyes (neue Sehstörung), Face (hängender Mundwinkel), Arms (Kraftverlust einer Seite), Speech (Sprachstörung), Time (wann begann es?).
Trauma und Wirbelsäule
- STU (Schnelle Trauma-Untersuchung): strukturiert von Kopf bis Fuß: Kopf, Hals, Brustkorb, Bauch, Becken, Beine, Arme, Rücken, um lebensbedrohliche Verletzungen früh zu erkennen.
- DIK (worauf beim Abtasten achten): Druckschmerz, Instabilität (gibt etwas nach, was fest sein sollte?), Krepitation (Knirschen oder Reiben der Knochenenden).
- pDMS (vor und nach jeder Schienung): peripher an Hand oder Fuß: Durchblutung (Farbe, Temperatur, Puls), Motorik (Finger und Zehen bewegen?), Sensibilität (Berührung spürbar?).
- NEXUS (muss die Halswirbelsäule ruhiggestellt werden?): Ja, wenn mindestens ein Punkt zutrifft: Druckschmerz über der Wirbelsäule (Mittellinie), neurologische Ausfälle, Bewusstseinsstörung, Alkohol, Drogen oder Medikamente, die die Einschätzung verfälschen, eine andere schmerzhafte Verletzung, die vom Nacken ablenkt. Trifft nichts zu, ist keine Immobilisation nötig.
- S-KIPS (Kurzcheck Wirbelsäule): Schock?, Kinematik (Unfallmechanismus, der wichtigste Punkt), Inspektion, Palpation, Schmerzen im Rücken oder Nacken?
- PECH (Prellung, Zerrung, Verstauchung): Pause, Eis (nie direkt auf die Haut), Compression (leichter Druckverband), Hochlagern über Herzhöhe.
- Bauch untersuchen: Inspektion, Auskultation (abhören), Perkussion (abklopfen), Palpation (abtasten). Abgehört wird vor dem Abtasten, weil Druck die Darmgeräusche verändern kann.
Sepsis: qSOFA
- qSOFA ist ein Schnellcheck bei Infektionsverdacht: Atemfrequenz von 22 oder mehr pro Minute, systolischer Blutdruck 100 mmHg oder weniger, veränderte Bewusstseinslage. Zwei oder mehr Punkte sprechen für ein hohes Risiko für einen schweren Verlauf. Am Telefon können Anrufer Atemfrequenz und Bewusstsein oft beschreiben.
Was heißt das für dich?
- 4S vor dem Handeln, SAMPLER und OPQRST beim Fragen.
- WASB, GCS, POST für das Bewusstsein, BE-FAST für den Schlaganfall.
- NEXUS entscheidet über die Halswirbelsäule, pDMS prüfst du vor und nach dem Schienen.
Siehe auch: Beurteilung nach xABCDE, Schockformen, Blutungen und Verletzungen.
- 4S
- Scene, Safety, Situation, Support
- SAMPLER
- Symptome, Allergien, Medikamente, Patientengeschichte, Letzte, Ereignis, Risiko, Schwangerschaft
- OPQRST
- Onset, Provocation, Quality, Radiation, Severity, Time
- GCS
- 3 bis 15, Augen 1 bis 4, Verbal 1 bis 5, Motorik 1 bis 6
- GCS 8 oder weniger
- Atemweg meist nicht mehr selbst zu schützen
- BE-FAST
- Balance, Eyes, Face, Arms, Speech, Time
- NRS
- 0 bis 10, Schmerzstärke
- PECH
- Pause, Eis, Compression, Hochlagern