Atemnot: Stridor, Pneumothorax, Hyperventilation

First Responder

Das Wichtigste in Kürze

  • Atemnot entscheidet sich an A und B: Ist der Atemweg offen und reicht die Atmung? Bei Bewusstlosigkeit entscheidet die Atmung: normal heißt Atemweg offen halten und stabile Seitenlage, nicht normal heißt sofort Wiederbelebung.
  • Bei Atemnot lässt du die Person die Position einnehmen, in der sie am besten Luft bekommt (meist sitzend, aufgestützt), beruhigst sie, öffnest enge Kleidung und sorgst für frische Luft. Notfallspray nur nach dem bekannten Plan anwenden lassen.
  • Ein Stridor ist ein Warnzeichen: Pfeifen beim Einatmen deutet auf eine Enge in den oberen Atemwegen (Krupp, Schwellung, Fremdkörper), beim Ausatmen auf die unteren (Asthma, COPD).
  • Pneumothorax: Luft im Pleuraspalt, die Lunge fällt zusammen. Spannungspneumothorax: Luft unter Druck, Herz und Gefäße werden verdrängt, die Pumpleistung sinkt, Lebensgefahr. Oberkörper hoch, nicht flach legen.
  • Hinter schneller Atmung kann eine organische Ursache stecken (Herzinfarkt, Lungenembolie, Pneumothorax, Diabetes). Am Telefon darfst du sie nie sicher ausschließen.

Wie die Atmung funktioniert

  • Der Weg der Luft: Nase oder Mund, Rachen, Kehlkopf, Luftröhre, Hauptbronchien, Bronchien, Bronchiolen, Lungenbläschen (Alveolen). Nur dort gelangt Sauerstoff ins Blut.
  • Zunge: Beim Bewusstlosen erschlafft die Muskulatur, die Zunge fällt zurück und kann den Atemweg verlegen.
  • Kehlkopf: Er schützt beim Schlucken, der Kehldeckel verschließt dann den Atemweg. Die Luftröhre ist 10 bis 12 cm lang. Der rechte Hauptbronchus ist kürzer und steiler, deshalb landen eingeatmete Fremdkörper häufiger rechts.
  • Lunge: Rechts drei, links zwei Lappen. Zwischen Lungenfell und Rippenfell liegt der Pleuraspalt mit Unterdruck, der die Lunge entfaltet hält.
  • Atemmechanik: Das Zwerchfell ist der wichtigste Einatemmuskel. Einatmen ist aktiv, Ausatmen in Ruhe passiv. Wer sich beim Atmen abstützt, benutzt die Atemhilfsmuskulatur.
  • Totraum: Ein Teil jedes Atemzugs bleibt in Luftröhre und Bronchien. Sehr flache, schnelle Atmung bewegt deshalb viel Luft im Totraum, aber wenig in den Lungenbläschen und ist wenig wirksam.
  • Atemsteuerung: Das Atemzentrum im Hirnstamm reagiert vor allem auf den CO₂-Gehalt im Blut. Hyperventilation senkt CO₂, Hypoventilation erhöht es.
  • Bronchienverengung (Muskelanspannung, Schleimhautschwellung, zäher Schleim) macht das Ausatmen mühsam, zum Beispiel bei Asthma und Allergie.

Maßnahmen bei Atemnot

  • Bewusstsein und normale Atmung klären, beruhigen, jede Belastung beenden.
  • Position einnehmen lassen, in der die Person am besten Luft bekommt, enge Kleidung öffnen, frische Luft.
  • Eigenes Notfallspray nach bekanntem Plan anwenden lassen (zum Beispiel bei Asthma). Hilfe parallel organisieren und den Zustand fortlaufend neu beurteilen.
  • COPD und Atemnot: aufrecht hinsetzen, Arme auf Knie oder Tisch aufstützen, Lippenbremse (durch die Nase ein, durch fast geschlossene Lippen langsam aus), Spray und Sauerstoff nur wie ärztlich verordnet. Nicht hinlegen. Warnzeichen: blaue Lippen, Verwirrtheit, Schläfrigkeit, kaum noch Atembewegung.
  • Bei Bewusstlosigkeit: normale Atmung → Atemweg offen halten (Kopf überstrecken, Kinn anheben beziehungsweise Unterkiefer vorschieben), stabile Seitenlage, überwachen. Keine normale Atmung → Wiederbelebung.

Fremdkörper im Atemweg

  • Wirksamer Husten (kräftig, mit Luftstrom): weiter husten lassen, nicht auf den Rücken schlagen. Wird der Husten schwächer, neu entscheiden.
  • Schwere Verlegung (kann nicht mehr husten, sprechen oder atmen), Person bei Bewusstsein: bis zu 5 Schläge zwischen die Schulterblätter, Oberkörper nach vorn gebeugt, dann bis zu 5 Oberbauchkompressionen (Heimlich-Handgriff), im Wechsel wiederholen. Wird die Person bewusstlos: Wiederbelebung.
  • Säugling: bis zu 5 Rückenschläge in Bauchlage, Kopf tiefer als der Körper, dann bis zu 5 Thoraxkompressionen, keine Oberbauchkompressionen.
  • Nicht blind in den Mund greifen, nichts zu trinken geben. Nach Oberbauchstößen immer ärztlich abklären.
  • Telefon: Fragen: Kann die Person husten, sprechen, atmen? Bei kräftigem Husten abwarten. Ohne wirksamen Husten und blauer Verfärbung: vorbeugen lassen, 5 kräftige Schläge, dann 5 Oberbauchstöße (von hinten umfassen, Faust über dem Nabel, ruckartig nach innen und oben).

Atemnotbilder

  • Stridor entsteht, wenn Luft durch eine Engstelle strömt, wie durch einen verengten Strohhalm. Inspiratorisch (Pseudokrupp, Epiglottitis, Kehlkopfschwellung bei Allergie, Fremdkörper) oder exspiratorisch, oft als Giemen (Asthma, COPD). Kinder mit Stridor, Atemnot oder blauer Haut sind besonders gefährdet.
  • Pneumothorax: Luft gelangt in den Pleuraspalt, der Unterdruck geht verloren, die Lunge kollabiert. Ursachen: Verletzung (Rippenbruch, Stich), spontan (zum Beispiel bei großen schlanken jungen Menschen), Lungenerkrankung. Zeichen: plötzlicher stechender atemabhängiger Schmerz, Atemnot, einseitig abgeschwächte Atmung.
  • Spannungspneumothorax: Es dringt immer mehr Luft ein (Ventilmechanismus), das Mediastinum (Herz und große Gefäße) wird verlagert, das Herz kann sich nicht mehr füllen. Zeichen: schwere Atemnot, blaue Haut, gestaute Halsvenen, Schockzeichen. Es ist ein obstruktiver Schock. Der Rettungsdienst entlastet (Entlastungspunktion oder Drainage). Du lagerst den Oberkörper hoch, hältst die Person ruhig, legst sie nicht flach hin und beobachtest die Atmung.
  • Hyperventilation: Zu viel und zu schnell atmen (Angst, Panik, Schmerzen) atmet zu viel CO₂ ab. Das Blut wird alkalisch, das freie Calcium sinkt, es kommt zu Tetanie: Kribbeln um Mund und in den Händen, Muskelverkrampfung („Pfötchenstellung“), Angst, Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen.
  • Maßnahmen bei Hyperventilation: beruhigen, langsames Atmen vorgeben (zum Beispiel 4 Sekunden ein, 6 Sekunden aus), Lippenbremse, frische Luft, enge Kleidung öffnen, bei der Person bleiben. Keine Tüte fest an Mund und Nase drücken, nur davorhalten. Warnzeichen: Brustschmerz, Atemnot ohne Besserung, Bewusstseinsstörung, bekannte Herz- oder Lungenerkrankung, erste Episode.

Sauerstoff

  • Gezielt geben, nur wenn du geschult bist (ERC 2025). Pulsoximeter zum Anpassen verwenden. Ziel 94 bis 98 Prozent, 88 bis 92 Prozent bei Hyperkapnie-Risiko (zum Beispiel COPD). Bei lebensbedrohlicher Hypoxämie (unter 88 Prozent) bekommt jeder Sauerstoff mit hohem Fluss.
  • Der Rettungsdienst sichert den Atemweg stufenweise: Guedel-Tubus (nur ohne Würgereflex) oder Wendl-Tubus, Maskenbeatmung mit Beutel, supraglottische Atemwege oder Intubation durch den Notarzt, geprüft mit Kapnografie.

Was heißt das für dich?

  • A vor B, B vor C.
  • Atemnot: aufrecht, ruhig, frische Luft.
  • Spannungspneumothorax: Oberkörper hoch und Rettungsdienst, nicht flach hinlegen.

Siehe auch: Beurteilung nach xABCDE, Wiederbelebung, Kindernotfälle, Atemgifte.

Atemfrequenz Erwachsene
12 bis 20 pro Minute
Rechter Hauptbronchus
Kürzer und steiler, Fremdkörper landen dort häufiger
Fremdkörper Erwachsene
Bis zu 5 Rückenschläge, bis zu 5 Bauchstöße im Wechsel
Fremdkörper Säugling
5 Rückenschläge, 5 Thoraxkompressionen, keine Bauchstöße
Stridor einatmen
Obere Atemwege
Stridor ausatmen
Untere Atemwege, Asthma, COPD
Sauerstoff Ziel
94 bis 98 Prozent, COPD 88 bis 92 Prozent
Lippenbremse
Durch die Nase ein, durch fast geschlossene Lippen langsam aus

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