Das Wichtigste in Kürze
- Die FwDV 10 beschreibt tragbare Leitern: Arten, Vornahme, Kommandos, Einsatzgrundsätze, Steigen.
- Tragbare Leitern sind Rettungsgeräte und dienen als Rettungsweg, Angriffsweg und Hilfsgerät.
- Genormt nach DIN EN 1147: Steckleiter, dreiteilige Schiebleiter, Hakenleiter, Klappleiter, Multifunktionsleiter.
- Anstellwinkel 65° bis 75°. Anlegeleitern ragen mindestens 1 m (drei Sprossen) über die Austrittsstelle hinaus.
- Die Kommandos gibt der Truppführer, der den Befehl zur Vornahme erhalten hat.
- Titel
- Die tragbaren Leitern
- Stand
- November 2019 (vom AFKzV im Juli 2020 genehmigt)
- Aufbau
- 12 Kapitel: Begriff, Anwendung, Arten, Rettungs- und Arbeitshöhen, Kommandos, Einsatzgrundsätze, die fünf Leiterarten, Steigen und Einsteigen
- Geschosshöhe
- Die Vorschrift nimmt 3 m an
- Weitere Regelwerke
- DGUV Vorschrift 49 „Feuerwehren“, DGUV Regel 105-049, DIN VDE 0132, Herstellerangaben
Grundlagen
Begriff, Anwendung, Arten
Tragbare Leitern werden auf oder in Feuerwehrfahrzeugen mitgeführt, an der Einsatzstelle von der Mannschaft entnommen und zum Einsatzort getragen. Eingesetzt werden sie als Rettungsweg, Angriffsweg und Hilfsgerät. Es gibt fünf genormte Arten: Steckleiter, dreiteilige Schiebleiter, Hakenleiter, Klappleiter, Multifunktionsleiter.
Kommandos
Die Kommandos bei Vor- und Rücknahme gibt der Truppführer. Vornahme: „Leiter – Marsch!“, „Halt!“, „Ab!“, „Steckt ein!“, „Richtet auf!“, „Zieht aus!“, „Legt an!“. Rücknahme: „Leiter – Legt ab!“, „Marsch!“, „Halt!“, „Ab!“, „Auf!“. Der Truppführer bestimmt auch, wie viele Steckleiterteile benötigt werden.
Allgemeine Einsatzgrundsätze
Standsicherheit und Auflage
- Bei Leitern an Verkehrswegen ausreichend absichern.
- Leiterfüße nicht auf Kisten, Steinstapel, Tische oder auf weichen oder glatten Untergrund setzen. Gegen Wegrutschen oder Einsinken sichern.
- Anlegeleitern mindestens 1 m (drei Sprossen) über die Austrittsstelle. Nicht über den Auflagepunkt hinaus besteigen.
- An sichere Auflagepunkte anlegen, beim Steigen sichern. Anstellwinkel 65° bis 75°.
- Unbesetzte Leitern vor Umfallen und Wegrutschen sichern. Eine am Gebäude stehende, unbesetzte Leiter nicht ohne Weiteres entfernen, besonders bei Anleiterbereitschaft.
Löschen von der Leiter
- Ein Strahlrohr (höchstens C-Strahlrohr) darf nur eingesetzt werden, wenn die Leiter am Leiterkopf befestigt ist und der Strahlrohrführer sich zum Beispiel mit dem Haltegurt sichert.
- Das Strahlrohr nur bis 15° zu den Seiten einsetzen, ruckartiges Öffnen und Schließen vermeiden.
- Strahlrohrabstände nach DIN VDE 0132 beachten.
- Schlauchleitungen nicht auf der Leiter verlegen oder daran befestigen. Ausnahme ist der Strahlrohreinsatz direkt von der Leiter, danach wird der Weg sofort freigemacht.
Elektrizität, Belastung, Prüfung
- Freileitungen nicht berühren, Sicherheitsabstand nach DIN VDE 0105-100 halten.
- Maximale Belastung nach Herstellerangaben nicht überschreiten. Nach unzulässig hoher Belastung die Leiter aus dem Dienst nehmen, auch ohne sichtbare Schäden.
- Schadhafte Leitern sofort aus dem Verkehr ziehen.
- Nach jeder Benutzung Sichtprüfung durch den Benutzer.
Die fünf Leiterarten
Steckleiter
Wird von drei Feuerwehrangehörigen (ein Trupp plus eine weitere Person), von zwei Trupps oder durch Einstecken am Leiterfuß beziehungsweise Aufstecken vorgenommen. Es gibt auch das Aufstellen ohne Festpunkt und den Einsatz als Hilfsgerät. Grundsätzlich werden alle Teile zur Anleiterstelle getragen. Nicht mehr als vier Teile miteinander verbinden. Ist das unterste Teil ein B-Teil, soll es mit einem Einsteckteil ausgerüstet sein.
Dreiteilige Schiebleiter
Wird von zwei Trupps vorgenommen. Der Abstand des Leiterfußes zum Objekt richtet sich nach der Einstiegshöhe, Faustwerte: 1. OG etwa 1,5 m, 2. OG etwa 3,0 m, 3. OG etwa 4,5 m. Der vordere Trupp sichert den Fuß an den Stützstangen, der hintere richtet auf. Beim Steigen sichert der steigende Trupp die Leiter im Allgemeinen selbst, die Schiebleiter ist die Ausnahme.
Hakenleiter und Klappleiter
Hakenleiter: nicht als Anstellleiter benutzen. Der Haken zeigt beim Ausklappen immer vom Körper weg. Klappleiter: kann von einer Person vorgenommen werden. Sie wird durch leichtes Stoßen auf den Boden auseinandergeklappt. Beim Zusammenklappen besteht Quetschgefahr.
Multifunktionsleiter
Besteht aus zwei Leiterteilen mit Scharnier und einem Aufsteckteil. Sie kann mit einer oder mit zwei Leitern aufgebaut werden. Als Stehleiter mit Aufsteckteil dürfen die obersten vier Sprossen nicht betreten werden. Am Scharnier besteht Quetschgefahr.
Steigen und Einsteigen
Sichern beim Steigen
Der Truppführer steigt in der Regel zuerst, der Truppmann sichert die Leiter. Sobald der Truppführer ein- oder übergestiegen ist, sichert er die Leiter am Leiterkopf, der Truppmann steigt nach. Bei Gefahr herabfallender Gegenstände darf die Leiter von der dem Gebäude abgewandten Seite gesichert werden.
Technik
Den Körperschwerpunkt nah an der Leiter halten, Sprossen im Klammergriff greifen (Finger von oben, Daumen darunter), gleichmäßig und schwingungsfrei steigen. Beim Ein- oder Aussteigen an einer Fensteröffnung setzt sich die Einsatzkraft zuerst auf die Brüstung („Reitersitz“).