Das Wichtigste in Kürze
- Tragbare Leitern werden auf dem Fahrzeug mitgeführt und gehören zu den Rettungsgeräten. Sie dienen als Rettungsweg, Angriffsweg und Hilfsgerät.
- Fünf genormte Arten (DIN EN 1147): Steckleiter, dreiteilige Schiebleiter, Hakenleiter, Klappleiter, Multifunktionsleiter.
- Anstellwinkel 65° bis 75°. Anlegeleitern ragen mindestens 1 m (drei Sprossen) über die Austrittsstelle. Leiterfuß nur auf tragfähigen, rutschfesten Untergrund.
- Kommandos gibt der Truppführer. Steigen: Truppführer zuerst, Truppmann sichert den Fuß, dann sichert der Truppführer am Kopf und der Truppmann steigt nach. Klammergriff, Schwerpunkt nah an der Leiter.
- Nie: Leitung auf der Leiter verlegen, Motorkettensäge von der Leiter, über den Auflagepunkt hinaus steigen, Freileitungen berühren, beschädigte Leitern benutzen.
- Arten (DIN EN 1147)
- Steckleiter, dreiteilige Schiebleiter, Hakenleiter, Klappleiter, Multifunktionsleiter
- Anstellwinkel
- 65° bis 75°
- Überstand
- mindestens 1 m über die Austrittsstelle (mindestens drei Sprossen)
- Geschosshöhe (Annahme der FwDV 10)
- 3 m
- Strahlrohr von der Leiter
- höchstens C-Strahlrohr, höchstens 15° zur Seite, Leiter am Kopf befestigt, Haltegurt
- Hinweis
- Die Abläufe stammen aus der bundeseinheitlichen FwDV 10. Handgriffe, Kommandos und Stand übst du praktisch in der Wache, am besten mit den Leitern deines Fahrzeugs (Typ, Gewicht und Teile unterscheiden sich). Herstellerangaben zur Belastung gehen vor.
Grundlagen
Arten und Anwendung
- Rettungsweg: Menschen verlassen das Gebäude über die Leiter oder werden gerettet (zum Beispiel zweiter Rettungsweg).
- Angriffsweg: Der Trupp gelangt über die Leiter ins Gebäude (Außenfassade, Fenster, Dach).
- Hilfsgerät: zum Beispiel Schlauchstütze über Zäune, Lastverteilung bei der Eisrettung, Leiterbock. Dabei die zulässige Belastung beachten (siehe FwDV 1).
Auswahl: Steckleiter (flexibel, bis 4 Teile), Schiebleiter (große Höhe, vier Kräfte), Hakenleiter (Stockwerk zu Stockwerk), Klappleiter (schnell, klein), Multifunktionsleiter (vielseitig). Die Auswahl trifft der Einheitsführer, ebenso welche Trupps die Leiter in Stellung bringen.
Kommandos
Der Truppführer gibt sie, nachdem er vom Einheitsführer den Befehl zur Vornahme erhalten hat. Sie unterstützen vor allem die Ausbildung. Bei der Steckleiter bestimmt er außerdem die Anzahl der Leiterteile.
- Vornahme: „Leiter – Marsch!“ (los tragen), „Leiter – Halt!“, „Leiter – Ab!“ (ablegen), „Leiter – Steckt ein!“, „Leiter – Richtet auf!“, „Leiter – Zieht aus!“ (Schiebleiter), „Leiter – Legt an!“.
- Rücknahme: „Leiter – Legt ab!“, „Leiter – Marsch!“, „Leiter – Halt!“, „Leiter – Ab!“, „Leiter – Auf!“.
Prüfen, Pflege, Belastung
- Nach jeder Benutzung Sichtprüfung durch den Benutzer auf Verschleiß und Beschädigung (Holme, Sprossen, Verbindungen, Schnappschlösser, Fußplatten).
- Schadhafte Leitern sofort der Benutzung entziehen.
- Nach unzulässig hoher Belastung die Leiter außer Betrieb nehmen, auch ohne sichtbaren Schaden (Gerätewart prüft).
- Maximale Belastung nach Herstellerangabe nicht überschreiten (zum Beispiel eine Person je Steckleiterteil).
- Regelmäßige Prüfung durch den Gerätewart nach den Prüfgrundsätzen der Unfallversicherung (DGUV Grundsatz 305-002).
- Holzleitern trocken lagern, Aluminiumleitern vor Verbiegen schützen, Verschmutzung (Öl, Schlamm) entfernen, Sprossen griffig halten.
Einsatzgrundsätze
Aufstellen und Standsicherheit
- Verkehrswege: Werden Leitern an oder auf Straßen aufgestellt, ausreichend absichern (siehe Seite „Einsatzstelle gegen Verkehr sichern“).
- Untergrund: Leiterfüße nicht auf Kisten, Steinstapel, Tische oder weichen oder glatten Boden. Erforderlichenfalls gegen Wegrutschen und Einsinken sichern.
- Auflage: an sichere Auflagepunkte anlegen und beim Steigen sichern. Leitern nicht über den Auflagepunkt hinaus besteigen.
- Überstand: Anlegeleitern mindestens 1 m über die Austrittsstelle (mindestens drei Sprossen). Gleichwertiger Halt (Geländerholme, Fensterlaibung) genügt, dann reicht die Leiter bis zur Höhe des Überstiegs.
- Anstellwinkel 65° bis 75° prüfen.
- Unbesetzte Leiter: Eine am Gebäude angestellte unbesetzte Leiter nicht ohne Weiteres entfernen (besonders bei Anleiterbereitschaft). Sie muss gegen Umfallen und Wegrutschen gesichert sein.
- Strom: Beim Aufrichten keine Freileitungen berühren, Sicherheitsabstand nach DIN VDE 0105-100 zu Spannung führenden Teilen (siehe Seite „Elektrizität“).
Arbeiten von der Leiter aus
- Strahlrohr von der Leiter: nur wenn die Leiter am Kopf befestigt ist und der Strahlrohrführer sich sichert (zum Beispiel mit dem Feuerwehr-Haltegurt). Höchstens C-Strahlrohr, nur bis 15° zur Seite, kein ruckartiges Öffnen und Schließen. Strahlrohrabstände nach DIN VDE 0132 beachten.
- Schlauchleitungen nicht auf der Leiter verlegen oder befestigen. Ausnahme: Strahlrohreinsatz direkt von der Leiter, danach sofort frei machen (Angriffs- und Rettungsweg).
- Keine Motorkettensäge von tragbaren Leitern (FwDV 1), nur vom Drehleiterkorb mit Einschränkungen.
- Im absturzgefährdeten Bereich (Aufstecken, Dach): Sicherung nach FwDV 1, siehe Seite „Haltegurt und Absturzsicherung“.
Steigen und Einsteigen
- Wer sichert? Den Leiterfuß sichert im Allgemeinen der steigende Trupp selbst (Ausnahme: dreiteilige Schiebleiter). Der Truppführer steigt in der Regel zuerst, der Truppmann sichert (bei Gefahr herabfallender Gegenstände auch von der vom Gebäude abgewandten Seite). Ist der Truppführer ein- oder übergestiegen, sichert er die Leiter am Kopf, dann steigt der Truppmann nach.
- Körperhaltung: Schwerpunkt so nah wie möglich an der Leiter, Klammergriff (Finger von oben, Daumen unter der Sprosse), gleichmäßig und schwingungsfrei steigen.
- Fenster: zuerst auf die Brüstung setzen („Reitersitz“). Hinter dem Fenster können Hindernisse liegen oder kein tragfähiger Boden, deshalb mit dem Fuß abtasten, bevor man eintritt. Beim Ein-, Aus- und Übersteigen an den Sprossen festhalten.
- Schmales Fenster ohne Überstand: Die Leiter seitlich am Fenster anlegen oder so, dass sie mindestens bis zur Unterkante reicht, dann über den Leiterkopf steigen. Zwei Kräfte sichern gegen Verrutschen.
Retten von Personen über die Leiter
- Retten über Leitern der Feuerwehr: Die zu rettende Person wird beim Absteigen mit einer Feuerwehrleine gesichert (Brustbund), soweit Lage es erfordert und zulässt.
- Retten über die Drehleiter: Die Person wird, soweit nötig, durch einen vorabsteigenden Feuerwehrangehörigen gesichert.
- Die Methode mit Leine ist verboten, wenn die Gefahr eines Absturzes besteht (dann Auffangen, siehe Seite „Haltegurt und Absturzsicherung“).
- Bei jedem Rettungsversuch läuft die Erstversorgung weiter, die Person wird nie allein gelassen (siehe Seite „So läuft ein Hilfeleistungseinsatz ab“).
Feuerwehrfremde Leitern im Gerätehaus
Im Feuerwehrhaus stehen viele Leitern, die nicht zu den Leitern nach FwDV 10 gehören: Trittleitern, Stehleitern, Anlegeleitern für Lager und Boden. Auch geringe Höhen sind gefährlich, aber hier fehlt oft das Bewusstsein dafür.
- Verantwortung: Die Gemeinde legt Art und Sicherheitsanforderungen fest und hört die Feuerwehr an. Es kommt auf Raumhöhe, Treppenhaus, Enge und die Arbeitsaufgabe an: Aufstieg zum Dachboden oder Lagern von Material? Zum Einlagern sind fahrbare Podeste oder Gerüste oft besser geeignet.
- Zubehör wie Holmverlängerungen oder Werkzeughalter muss zur Aufgabe passen.
- Regeln (Unfallverhütungsvorschrift „Leitern und Tritte“ gilt auch für andere Leitern):
- Eignung für den Zweck und Beschaffenheit vor der Benutzung prüfen, regelmäßig prüfen lassen und nur geprüfte Leitern benutzen.
- Keine schadhaften Leitern benutzen. Ausgemusterte Leitern der Benutzung entziehen, kennzeichnen und nicht im Feuerwehrhaus zwischenlagern.
- Tragfähigkeit und Betriebsanleitung beachten, nicht improvisieren.
- Auf festem Untergrund aufstellen und möglichst gegen Umstürzen und Abrutschen sichern (Halten durch Helfer, Leine am Leiterkopf).
- Tragbare Leitern sind nicht für Arbeiten mit der Motorsäge geeignet, denn dafür braucht man einen sicheren Stand. Besser Drehleiter mit Korb, Hubarbeitsbühne oder eine Handsäge.
Typische Fehler
- Leiter zu steil oder zu flach angelegt.
- Weicher oder schiefer Untergrund, Fuß nicht gesichert.
- Zu kurze Leiter, zu wenig Überstand.
- Schlauch an der Leiter befestigt.
- Leiter ohne Sicherung am Fuß, während jemand steigt.
- Überlastet (zu viele Personen, Last mit Leiter hoch).
- Beschädigte Leiter weiterbenutzt.