Das Wichtigste in Kürze
- Ein Atemschutzeinsatz ist Hochleistungssport für das Herz-Kreislauf-System: In der DGUV-Studie lag die Herzfrequenz auf der Atemschutzübungsstrecke über 80 Prozent der maximalen Herzfrequenz (Spitzen über 90 Prozent), bei Simulationsbrandübungen über 90 Prozent (Spitzen um 100 Prozent). Beides dauerte etwa 20 bis 25 Minuten.
- Zusatzlast: Schutzkleidung und Ausrüstung bringen 25 bis 30 Kilogramm auf die Waage, die moderne Schutzkleidung ist stark wärmeisoliert. Die Ausrüstung kann die maximale Leistungsfähigkeit deutlich senken (im Vortrag genannt: minus 19 und minus 30 Prozent).
- Heimtückisch: Verengte Herzkranzgefäße (koronare Herzkrankheit) fallen im Alltag oft nicht auf, bei starker Belastung zum Beispiel im Atemschutzeinsatz treten Mangelerscheinungen auf.
- Pflicht zur Eignung: Wer unter Atemschutz arbeitet, muss vorher und regelmäßig arbeitsmedizinisch untersucht werden (Grundsatz G 26, Gruppe 3: Lungenfunktion, Sehen, Hören, Blut, Ergometrie bei Indikation).
- Die Ergometrie prüft, ob gesundheitliche Bedenken gegen umluftunabhängigen Atemschutz bestehen. Wer sich am Einsatztag nicht gesund und einsatzfähig fühlt, meldet das (FwDV 7: gesund und einsatzfähig zum Zeitpunkt von Übung und Einsatz).
- Wichtig: Konkrete Trainingspläne stehen in den Quellen nicht. Die Seite zeigt, wie hoch die Belastung ist und was die Eignung prüft. Besprich dein Training mit deinem Arzt.
Wie hoch ist die Belastung?
Das IPA hat in der Studie Feuerwehrleute unter vier Belastungen verglichen: Fahrradergometer (wie bei der Eignungsuntersuchung), Atemschutzübungsstrecke, Simulationsbrandübung und realer Einsatz (über 24 Stunden mit Pulsgurt). Die Ergebnisse stammen aus einer Zwischenauswertung mit 50 männlichen Feuerwehrleuten (geplant waren 100, Berufs- und Freiwillige Feuerwehr, 20 bis 60 Jahre). Einzelne Werte beziehen sich auf kleinere Gruppen.
- Ergometrie (Eignungsuntersuchung): Die Probanden erreichten etwa 181 Schläge pro Minute und etwa 260 Watt, also 10 bis 20 Prozent mehr als der Sollwert nach G 26.3.
- Atemschutzübungsstrecke: etwa 20 Minuten Gesamtbelastung, Herzfrequenz über 80 Prozent der maximalen, Spitzen über 90 Prozent, Sauerstoffaufnahme über 35 ml/min/kg (etwa 81 Prozent der maximalen). Die Anlagen sind sehr unterschiedlich aufgebaut, das erschwert Vergleiche.
- Simulationsbrandübung: etwa 25 Minuten, Herzfrequenz über 90 Prozent der maximalen, Spitzen um 100 Prozent. Die Belastung liegt über der der Übungsstrecke.
- Realer Einsatz: Die Messung über 24 Stunden zeigte starke Pulsanstiege im Einsatz. Die Autoren sehen die Belastung in Übungsanlagen in Ansätzen vergleichbar mit simulierten oder realen Szenarien.
- Einfluss der Schutzausrüstung: Die Folien zeigen, dass die Feuerwehrausrüstung die maximale Leistung deutlich verringert (genannt: minus 19 Prozent bei Ausrüstung, minus 30 Prozent in einer weiteren gezeigten Untersuchung). Als Ursache werden verstärkte Hautdurchblutung und damit weniger Blutfluss im Muskel sowie eingeschränktes Atemvolumen beim Atmen aus der Pressluftflasche genannt.
- Stress: Mit steigender Belastung nimmt das problemorientierte Denken und Handeln im Einsatz ab (aus dem Vortrag).
- Je fitter, desto geringer das Verletzungsrisiko: Der Vortrag nennt als Beispiel, dass eine Steigerung der relativen VO2max um 3,5 ml/min/kg das Verletzungsrisiko um 14 Prozent senkt.
Das Belastungsprofil
Das IPA beschreibt den Atemschutzgeräteträger so: „Kaltstart“ in der Nacht, hohe körperliche Beanspruchung, Zusatzgewicht, extreme Hitze, hohe psychische Belastung. Das bedeutet ein Risiko für das Herz-Kreislauf-System.
Freiwillige und Berufsfeuerwehr
- Die Anforderungen im Einsatz sind für beide gleich. Hauptamtliche können im Dienstsport trainieren und haben mehr Einsätze. Freiwillige kommen zum Einsatz oft nach einem Arbeitstag.
- Das Level im Ehrenamt zu halten, ist laut dem Leiter einer Berufsfeuerwehr schwerer, weil der Aufwand höher ist. Auf die Freiwilligen sei im Einsatz Verlass.
- Frauen und Männer müssen im Einsatz dieselbe Leistung bringen. Das Tragen der Ausrüstung kann Frauen wegen der Konstitution vor größere Herausforderungen stellen. Die Studie sollte dazu Daten liefern.
Was die Eignungsuntersuchung prüft (G 26.3)
- Wer: alle, die unter Atemschutz (umluftunabhängig, Gruppe 3) eingesetzt werden. Siehe Atemschutz-Eignung.
- Was: Lungenfunktion, Sehen, Hören, Blut und Ergometrie bei entsprechender Indikation. Die Untersuchung dient dem Arbeitsschutz.
- Ergometrie: erkennt latente Erkrankungen wie koronare Herzkrankheit, Herzrhythmusstörungen oder hohen Blutdruck und prüft die Leistungsfähigkeit. Sie ist nicht das einzige Kriterium.
- Sollwerte: bis 39 Jahre Männer 3,0 Watt je kg, Frauen 2,5 Watt je kg, ab 40 Jahren Männer 2,1 und Frauen 1,8 Watt je kg.
- Kritik: Die Referenztabelle stammt aus den 1970er-Jahren, ursprünglich aus dem Bergbau, und wurde nie für Feuerwehrleute konzipiert. Der Test wird in Sportkleidung gemacht, im Einsatz kommen 25 bis 30 kg Ausrüstung dazu. Das IPA wollte klären, ob die Vorgaben noch den heutigen Belastungen entsprechen.
- Voraussetzungen für Atemschutzgeräteträger (FwDV 7): mindestens 18 Jahre, körperlich geeignet, erneute Untersuchung bei Zweifeln, Ausbildung, regelmäßige Fortbildung und Übungen, und: zum Zeitpunkt von Übung und Einsatz gesund und einsatzfähig.
- Jährliche Belastungsübung: Die FwDV 7 verlangt jährlich eine Belastungsübung in einer Atemschutzübungsanlage mit 60 kJ Gesamtarbeit und eine Einsatzübung unter Atemschutz. Siehe FwDV 7.
Das Herz im Blick
- Koronare Herzkrankheit (KHK): verengte Herzkranzgefäße. Im Normalbetrieb reicht die Durchblutung oft aus, bei starker körperlicher Belastung treten Mangelerscheinungen auf und es kommt zur Schädigung.
- Risikofaktoren, die du beeinflussen kannst (nach einer Zusammenstellung von atemschutzunfaelle.eu, Stand 2007): Rauchen, Bluthochdruck, hoher Cholesterinspiegel, Bewegungsmangel, Übergewicht, Stress und übermäßiger Alkoholkonsum. Nicht beeinflussbar: männliches Geschlecht, höheres Alter, familiäre Veranlagung, Stoffwechselstörungen.
- US-Studien: Feuerwehrleute haben lange ruhige Phasen, die plötzlich von Einsätzen unterbrochen werden. Der plötzliche hohe Energiebedarf kann bei mangelnder Fitness tödlich enden.
- Warnzeichen beim Herzen werden oft zu spät ernst genommen, auch von Feuerwehrangehörigen. Bei Verdacht sofort medizinische Hilfe anfordern. Siehe Herz-Kreislauf-Notfälle.
- Fitness-Angebote: Führungskräfte und Träger können Dienstsport und Kooperationen mit Fitnessstudios oder Schwimmbädern anbieten, einige Unfallkassen haben Fitnessprogramme. Wichtiger als das Programm ist die Haltung: Die Pflicht zur Eignungsuntersuchung dient dem Schutz von Gesundheit und Leben der Betroffenen und ihrer Kameraden, nicht der Schikane.
- Dienstsport sicher gestalten: Dienstsport und Feuerwehrsport.
Was heißt das für dich?
- Eignungsuntersuchung nicht aufschieben: Der Termin ist ein Check fürs Herz. Wer Beschwerden hat, spricht sie dort an.
- Melde Einschränkungen: Brustschmerz, Atemnot, Kreislaufprobleme, Infekt oder Erschöpfung gehören vor dem Atemschutzeinsatz gemeldet (siehe Einsatzfähig? und die Meldepflicht nach DGUV Vorschrift 49).
- Hitze und Belastung begrenzen: Pausen, Trinken, Ablösung. Siehe Gesundheit im Feuerwehrdienst.
- Bleib in Bewegung: Ausdauer und Kraft helfen im Einsatz und schützen vor Verletzungen. Wie du trainierst, klärst du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Bei der Wehr helfen Dienstsport und die Belastungsübung.
- Studie
- IPA (Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der DGUV), Projekt „Messung der Leistungsfähigkeit von Feuerwehrleuten unter verschiedenen Belastungsbedingungen“, Laufzeit 2016 bis 2018
- Zwischenergebnisse
- Vortrag E. Marek, DGUV Fachgespräch, 11. Dezember 2018, 50 von 100 geplanten männlichen Probanden
- Atemschutzübungsstrecke
- etwa 20 Minuten, Herzfrequenz über 80 % der maximalen, Spitzen über 90 %, Sauerstoffaufnahme über 35 ml/min/kg (etwa 81 % von VO2max)
- Simulationsbrandübung
- etwa 25 Minuten, Herzfrequenz über 90 % der maximalen, Spitzen um 100 %
- G 26.3, Mindestleistung bis 39 Jahre
- Männer 3,0 W/kg, Frauen 2,5 W/kg
- G 26.3, Mindestleistung ab 40 Jahren
- Männer 2,1 W/kg, Frauen 1,8 W/kg
- Belastungsübung nach FwDV 7
- jährlich, Gesamtarbeit von 60 kJ in einer Atemschutzübungsanlage
- Zusatzgewicht der Ausrüstung
- 25 bis 30 kg (IPA Journal 3/2016)