Gesundheit im Feuerwehrdienst: Hitze, Ernährung, Infektionen, Heben

Gefahren der Einsatzstelle

Das Wichtigste in Kürze

  • Hitze ist im Einsatz ein echtes Risiko: Beim Innenangriff kann der Körper in 20 bis 25 Minuten bis zu einen Liter Wasser verlieren, die Körperkerntemperatur steigt durch den Wärmestau in der Schutzkleidung um 2 bis 3 Grad.
  • Trinken, bevor der Durst kommt: mindestens 3 Liter am Tag, bei Atemschutz mehr. Gut sind calciumreiches Mineralwasser und stark verdünnte Saftschorle.
  • Erholung einplanen: nach einem Einsatz unter Atemschutz nach Möglichkeit 30 Minuten Pause, nach höchstens zwei Einsätzen von etwa 40 Minuten pro Tag mindestens zwei Stunden Regeneration.
  • Infektionen: Hepatitis A und B, Zecken (Borreliose, FSME). Impfung und Absuchen schützen.
  • Heben und Tragen: schwere Geräte nur mit so vielen Personen, dass jeder Griff besetzt ist. Rücken gerade, Last dicht am Körper.
  • Nach dem Einsatz darf der Körper zur Ruhe kommen. Ruhezeit richtet sich nach Dauer, Tageszeit und Belastung.
Trinkmenge
mindestens 3 Liter am Tag (bei Atemschutz mehr)
Flüssigkeitsverlust im Innenangriff
bis zu 1 Liter in 20 bis 25 Minuten
Kerntemperatur
steigt in Schutzkleidung um etwa 2 bis 3 Grad
Pause nach Atemschutz
nach Möglichkeit 30 Minuten bis zum nächsten Atemschutzeinsatz
Atemschutz pro Einsatztag
höchstens zweimal etwa 40 Minuten, danach mindestens 2 Stunden Ruhe
Chemikalienschutzanzug
höchstens 30 Minuten, danach etwa 2 Stunden Erholung
Zecken
aktiv von Februar/März bis Oktober/November, bis etwa 1,5 m Höhe

Hitze im Einsatz

Im Einsatz verrichtest du körperliche Schwerstarbeit, zum Beispiel beim Innenangriff. Drei Dinge treffen dann zusammen:

  1. Dein Körper erzeugt viel Wärme. Er versucht gegenzusteuern und schwitzt: In 20 bis 25 Minuten kann bis zu ein Liter Wasser verloren gehen.
  2. Die Schutzkleidung hält die Wärme zurück. Der Schweiß kann nicht mehr kühlen, es entsteht ein Wärmestau. Schon nach kurzer Zeit steigt die Körperkerntemperatur um 2 bis 3 Grad.
  3. Die Umgebung ist heiß. In geschlossenen Räumen herrschen hohe Temperaturen und es gibt Strahlungswärme.

Die Folge ist Hitzestress: Das Risiko für Kreislaufprobleme steigt, du denkst und reagierst langsamer, und damit steigt auch die Unfallgefahr. Auch im Hochsommer bei Wald- und Flächenbränden oder bei schwüler Luft sind die Leistungsgrenzen schnell erreicht.

Was dagegen hilft

  • Erholungspausen einhalten. Einsatzkräfte, die unter Pressluftatmer eingesetzt waren, bekommen nach Möglichkeit 30 Minuten Pause, bevor es erneut unter Atemschutz geht. Nach der Empfehlung des DFV-Fachausschusses Sozialwesen gilt: höchstens zweimal pro Einsatztag etwa 40 Minuten als Atemschutzgeräteträger, danach mindestens zwei Stunden Regeneration.
  • Chemikalienschutzanzug (CSA): höchstens 30 Minuten, danach etwa zwei Stunden Erholung. Bei hohen Außentemperaturen und Wärme- oder Chemikalienschutzanzügen sind sogar nur 10 bis 15 Minuten vertretbar.
  • Getränke bereithalten: Mineralwasser und stark verdünnte Saftschorlen, in ausreichender Menge.
  • Hände in kaltes Wasser: In der Pause einige Minuten die Hände kalt baden, das soll die Temperaturregelung unterstützen.
  • PSA ablegen, sobald du sie nicht brauchst, und im Schatten pausieren.
  • Nicht lange in der Sonne antreten lassen.
  • Rechtzeitig Verstärkung und Ablösung nachfordern.

Hitzeerkrankungen erkennen

Man unterscheidet Sonnenstich, Hitzekrampf, Hitzekollaps, Hitzeerschöpfung und Hitzschlag. Sie können sich schnell verschlimmern und das Herz-Kreislauf-System gefährden. Wer verwirrt, schwindelig oder bewusstlos wird, ist ein Notfall: Rettungsdienst alarmieren, Betroffenen aus der Hitze holen, PSA ablegen, kühlen, Hilfe leisten. Dieses Wissen gehört regelmäßig in die Erste-Hilfe-Ausbildung der Wehr.

UV-Schutz

Auch mit Helm und Schutzkleidung brauchst du in der Pause Sonnencreme und eine Kopfbedeckung (Cap, Sonnenhut, am besten mit Nackenschutz). UV-Strahlung kann Sonnenbrand, Hautalterung und Hautkrebs verursachen.

Trinken und Essen im Einsatz

Trinken: Mindestens 3 Liter täglich pro erwachsener Einsatzkraft, bei Atemschutz mehr. Trinke, bevor der Durst einsetzt, dann bleibt die Leistung länger erhalten. Gut geeignet sind calciumreiches Mineralwasser (mehr als 150 mg Calcium je Liter) und stark verdünnte Saftschorlen.

Essen: Die Planung hängt von der Einsatzdauer ab.

  • Kurze Einsätze (ein bis zwei Stunden): Es genügt, den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Essen ist noch nicht zwingend nötig.
  • Mittlere bis lange Einsätze (ab etwa zwei Stunden): zusätzlich leicht verdauliche Kohlenhydrate, damit der Blutzucker stabil bleibt. Sinkt er, lassen körperliche und geistige Leistung nach, und Unfälle und Fehler werden wahrscheinlicher. Gut sind Bananen, Obststücke, Fruchtriegel, Vollkornkekse oder Müsliriegel (Vorsicht bei viel Fett).
  • Viele Stunden: der Klassiker Bockwurst mit Brot oder Kartoffelsalat, außerdem Nudeln mit Tomatensoße, Milchreis mit Früchten oder andere kohlenhydratreiche Gerichte.

Energy-Drinks sind im Feuerwehrdienst kritisch zu sehen: Koffein und Taurin zusammen mit schwerer Arbeit belasten Herz und Kreislauf doppelt, es drohen Herzrasen und Unruhe. Der „Wachmacher“-Effekt lässt schnell nach.

Hygiene bei der Verpflegung: Die Essensausgabe liegt in einem sicheren Bereich, der auch bei Windwechsel nicht gefährdet ist. Hände und Gesicht waschen, nach Möglichkeit mit Geschirr statt mit bloßen Händen essen, nicht mit kontaminierter PSA in Sozialräume.

Hygiene bei der Einsatzstellenverpflegung

Bei langen Einsätzen wird oft verpflegt, häufig mit Hilfe von Anwohnern oder Gastronomen. Erfahrungen zeigen, dass die Hygiene bei Zubereitung und Verzehr gern vergessen wird.

Vorbereitung:

  • Vorräte haltbar und handlich: Müsliriegel, Vollkornkekse, haltbare Milch, Joghurt, Pumpernickel, Würstchen ohne Kühlung, Konserven, eingelegtes Obst und Gemüse. Kühlschrank oder Gefriertruhe, wo nötig.
  • Dazu: leicht zu reinigende Transportbehälter, Geschirr, Einweghandschuhe, Schürzen, Haarhauben, Reinigungs- und Desinfektionsmittel.
  • Vorrat regelmäßig prüfen (Frische, Fremdkörper, Verpackung, Schädlinge). Geöffnete Verpackungen zeitnah ganz verzehren, Öffnungsdatum notieren.

Hände sind das größte Übertragungsvehikel.

  • Das Wasser aus den Fahrzeugtanks hat keine Trinkwasserqualität. Es dient zur Grobreinigung. Danach gründlich trocknen und desinfizieren. Ein Hygieneboard am Fahrzeug oder eine selbstgebaute Hygienebox hilft.
  • Desinfizieren ist auf Dauer hautverträglicher als häufiges Waschen mit Seife (Entfettung). Bei sichtbarem Schmutz zuerst waschen, dann desinfizieren. Bei kleinen Arbeiten genügt Desinfizieren. Richtig ist die Standard-Einreibemethode (EN 1500).

An der Einsatzstelle:

  • Verpflegungsstelle räumlich getrennt von der Einsatzstelle, Ausgabe und Essbereich getrennt, auf die Windrichtung achten.
  • Ordnung und Sauberkeit, ausreichend Arbeitsflächen, Reinigungsmittel getrennt von Lebensmitteln.
  • Bei langen Einsätzen sonnen- und witterungsgeschützte Sitzplätze (Pavillon), im Winter und bei Regen warme Räume.

Ausgabepersonal:

  • Keine ansteckenden Krankheiten, infizierten Wunden oder Hautkrankheiten. Manche Erreger werden auch nach der akuten Krankheit noch länger ausgeschieden.
  • Hände waschen (Wasser und Seife), nach kritischen Lebensmitteln oder Toilette Hände und Unterarme zusätzlich desinfizieren, zwischendurch desinfizieren.
  • Saubere Arbeitskleidung, Einweghandschuhe, Verletzungen mit wasserdichtem Verband abdecken.
  • Schmuck, Uhren und „Festivalbänder“ ablegen, keine langen Fingernägel.
  • Rauchen, Trinken und Kaugummikauen im Arbeitsbereich verboten, keine betriebsfremden Gegenstände in der Küche.

Ruhezeiten nach dem Einsatz

Die Feuerwehr hat gegenüber den Ehrenamtlichen eine Fürsorgepflicht. Nach dem Brandschutzrecht der Länder werden Feuerwehrangehörige für die Zeit des Einsatzes von der Arbeit freigestellt und, soweit nötig, für einen angemessenen Zeitraum danach. Die Freistellung gilt von der Alarmierung bis zu dem Zeitpunkt, an dem du wieder arbeitsfähig bist.

Wie viel Ruhe angemessen ist, hängt ab von Tageszeit, Dauer und Art des Einsatzes und deiner persönlichen Belastung.

  • Nach Einsätzen in der Nacht (22 bis 6 Uhr) sollte sich die Ruhezeit an der geopferten Nachtruhe orientieren. Schichtarbeiter gilt das zu anderen Tageszeiten genauso.
  • Für Einsätze mit besonderer Belastung wie Atemschutz gibt es konkrete Zeiten (siehe oben).
  • Der Einsatzleiter kann einzelne Einsatzkräfte vorzeitig aus dem Einsatz nehmen, wenn genug Reserve da ist und jemand vor Arbeitsbeginn eine Mindestruhezeit braucht, zum Beispiel ein Berufskraftfahrer.

Infektionen und Zecken

Hepatitis A und B

  • Hepatitis A ist eine Leberentzündung, die durch Schmierinfektion oder über verunreinigtes Wasser und Lebensmittel übertragen wird. Gefährdet bist du bei Hochwassereinsätzen und beim Auspumpen fäkalienbelasteter Abwässer, zum Beispiel aus Kellern. Die Krankheit verläuft meist mild, kann aber wochenlang schwer beeinträchtigen.
  • Hepatitis B wird über Blut und Körperflüssigkeiten übertragen, schon kleinste Mengen genügen. Bei Verkehrsunfällen und Rettungseinsätzen kommen Einsatzkräfte mit Blut in Berührung. Die Krankheit kann in ein Dauerstadium übergehen und zu Leberzirrhose oder Leberkrebs führen.
  • Eine Impfung schützt. Frag Wehrführung und Arzt, wie sie organisiert wird. Die Feuerwehr-Unfallkasse beantwortet die Fragen zur Kostenübernahme.
  • Im Einsatz: Handschuhe tragen, Wunden abdecken, danach gründlich waschen.

Zecken

Zecken lauern von Februar/März bis Oktober/November in hohem Gras, im Unterholz und auf Pflanzen bis etwa 1,5 Meter Höhe, besonders an Grabenböschungen und feuchten, schattigen Stellen. Das passt zu Wald- und Flächenbränden, Übungen im Freien und Zeltlagern.

  • Borreliose (bakterielle Infektion, im ganzen Bundesgebiet): oft eine sich ausbreitende Wanderröte, grippeähnliche Beschwerden. Das Fehlen der Wanderröte schließt eine Borreliose nicht aus. Behandlung mit Antibiotika, keine Impfung möglich.
  • FSME (Virus, vor allem in Süddeutschland, es gibt aber Risikogebiete auch anderswo): Fieber, später Hirnhautentzündung. Impfung möglich. Ob dein Landkreis Risikogebiet ist, steht beim Robert Koch-Institut.
  • Vorbeugen: hohes Gras meiden, geschlossene helle Kleidung (lange Ärmel, lange Hose, hohe Strümpfe), Mittel gegen Zecken auf der Haut, nach dem Einsatz Kleidung und Körper absuchen, auch Kniekehlen, Achseln, Leisten.
  • Meldung: Stich oder Erkrankung im Dienst im Verbandbuch dokumentieren.

Eichen- und Kiefernprozessionsspinner

Vor allem im Sommer kommen Einsatzkräfte bei Einsätzen im Freien mit den Raupen von Eichen- und Kiefernprozessionsspinnern in Kontakt, zum Beispiel bei Wald- und Flächenbränden oder Einsätzen unter Bäumen.

  • Gefahr: Ab dem dritten Larvenstadium haben die Raupen nesselnde Haare, bei jeder Häutung mehr und länger (insgesamt etwa 630.000 Gifthaare). Die Haare brechen leicht und werden bei günstiger Witterung über weite Strecken durch die Luft getragen. Sie enthalten das Nesselgift Thaumetopoein, dessen Wirkung bis zu 12 Jahre anhält. Auch die leere Hülle nach der Verpuppung bleibt gefährlich.
  • Beschwerden: Hautausschlag (Raupendermatitis), Reizung von Mund und Nasenschleimhaut, Bronchitis, Asthma, Schwindel, Fieber, Müdigkeit, Bindehautentzündung, bei Überempfindlichen allergischer Schock.
  • Vorkommen: Beide Arten sind wärmeliebend. Der Kiefernprozessionsspinner lebt in trockenen, sandigen Kiefernwäldern, der Eichenprozessionsspinner in lichten Eichenwäldern und auch an Einzelbäumen (Straßenränder, Stadt). Der Klimawandel begünstigt die Ausbreitung.
  • Vorbeugung durch den Träger: Unterweisung und Schulung, Informationen von Forstbetrieben, Jagdgenossenschaften, Waldbesitzern, Betriebsärzten und Veterinärämtern, geeignete PSA, geplante Beseitigung nur durch Fachfirmen.
  • Im Einsatz: Gespinstnester sind schwer zu erkennen, deshalb gelten Mindeststandards. Raupen und Gespinste nicht berühren. Bei Kontakt sofort duschen, Haare gründlich waschen, Kleidung wechseln. Bei starken oder anhaltenden Beschwerden zum Arzt, bei Atemnot oder Schock Rettungsdienst rufen.
  • Im Brandeinsatz: Die Haare werden durch Verwirbelung und Thermik verteilt, der Gefahrenbereich wird ausgedehnt (200 bis 500 m). Schutz: FFP2 (wenn nicht ohnehin umluftunabhängig), körperbedeckende PSA (auch bei Hitze), Schwarz-Weiß-Trennung, Reinigung der PSA mit Heißwasser (abgekochte Brennhaare verlieren ihr Gefahrenpotenzial).

Heben und Tragen

Viele Feuerwehrgeräte sind schwer, zum Beispiel:

  • Pressluftatmer etwa 15 kg
  • Schlauchtragekorb B etwa 20 kg
  • Hydraulisches Schneidgerät etwa 20 kg
  • Stromerzeuger oder Aggregat des Rettungsgerätes etwa 25 kg pro tragender Person
  • Tragkraftspritze etwa 45 kg pro tragender Person

Regel: Schwere Geräte werden von so vielen Feuerwehrangehörigen getragen, dass niemand dadurch gefährdet wird (DGUV Vorschrift 49, § 15). An jeden Tragegriff gehört eine Person. Eine Tragkraftspritze zu dritt zu tragen, ist ein Verstoß.

Technik: Bei Lasten über etwa 5 kg auf die Haltung achten: sicherer Stand, in die Knie gehen, Rücken gerade, die Last dicht am Körper halten, aus den Beinen heben, nicht verdrehen, gemeinsam absetzen. Bei Wirbelsäulen- oder Kniebeschwerden, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Bluthochdruck gehören keine schweren Lasten auf deine Schultern. Im Zweifel mit dem Arzt sprechen.

Eignung und besondere Lebenslagen

Für den Feuerwehrdienst werden nur körperlich und fachlich geeignete Angehörige eingesetzt (DGUV Vorschrift 49). Das gilt auch beim Atemschutz.

  • Schwangerschaft: Sag deiner Wehrführung sofort Bescheid, damit Schutzmaßnahmen greifen. Entsprechend dem Mutterschutz gehören schwere körperliche Arbeit, Gefahrstoffe, Hitze, Nässe, Lärm, erhöhte Unfallgefahr und der Einsatz als Atemschutzgeräteträgerin nicht in den Einsatzdienst. Die Aufgaben im Einzelfall legt ihr gemeinsam mit der Wehrführung fest. Du wirst gebraucht, zum Beispiel für Funk, Dienste in der Wache oder die Ausbildung.
  • Diabetes: Das Risiko ist die Unterzuckerung bei langer Anstrengung, ausgelassenen Mahlzeiten oder falscher Dosierung. Atemschutz mit Geräten der Gerätegruppen 2 und 3 ist nach der Eignungsuntersuchung G 26 ausgeschlossen. Gut eingestellte Diabetiker können Aufgaben wie Funk oder Nachschub übernehmen. Im Zweifel entscheidet der Feuerwehrarzt.

Wo gibt es mehr?

Die Feuerwehr-Unfallkasse Brandenburg (fukbb.de) hat Merkblätter „Stichpunkt Sicherheit“ zu Gesundheit, Hitze, Hygiene und mehr. Die Seite Einsatzstellenhygiene auf dieser Plattform erklärt, wie du dich an der Einsatzstelle vor Schadstoffen schützt. Zur psychischen Seite des Dienstes: die Seite Psychische Belastung und Einsatznachsorge.

Siehe auch