Leinen und Seile: Feuerwehrleine, Arbeitsleine, Kernmantelseil

Knoten und Stiche

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Feuerwehrdienst gibt es drei Arten von Leinen und Seilen: Feuerwehrleine, Mehrzweckleine und Kernmantel-Dynamikseil.
  • Knoten und Stiche dienen als Befestigungs-, Verbindungs- und Bremsknoten. Zum Binden dürfen die Schutzhandschuhe ausgezogen werden.
  • Jeder tragende Knoten wird hintersichert (Spierenstich, in Lehrunterlagen auch Kreuzschlag genannt).
  • Zur Sicherung in absturzgefährdeten Bereichen kommen nur Dynamikseile zum Einsatz.
  • Merke: Befestigen (Mastwurf, Zimmermannsschlag, Ankerstich, Halbschlag), Verbinden (Schotenstich, Achterknoten), Bremsen (Halbmastwurf), Sichern (Spierenstich).
Befestigungsknoten
Mastwurf, Zimmermannsschlag, Doppelter Ankerstich, Halbschlag
Verbindungsknoten
Achterknoten, Schotenstich
Bremsknoten
Halbmastwurf
Sicherungsknoten
Spierenstich (Kreuzschlag)
Sicherungsbund
Brustbund mit Pfahlstich

Leinen und Seile

Die drei Arten

Feuerwehrleine, Mehrzweckleine und Kernmantel-Dynamikseil nebeneinander
Von oben links: Feuerwehrleine, Mehrzweckleine, Kernmantel-Dynamikseil (FwDV 1, Seite 106) Abbildung: FwDV 1 „Grundtätigkeiten – Lösch- und Hilfeleistungseinsatz“, Hrsg. Ausschuss für Feuerwehrangelegenheiten, Katastrophenschutz und zivile Verteidigung (AFKzV), Stand September 2006, Seite 106, Kapitel 16. Amtliches Werk (§ 5 UrhG). Bildausschnitt der Originalseite, in Größe und Dateiformat angepasst, Inhalt nicht verändert.
  • Feuerwehrleine: Rettungs-, Sicherungs- und Signalleine sowie für andere Zwecke, die unmittelbar mit dem Einsatz zusammenhängen. Sie wird im Leinenbeutel mitgeführt.
  • Mehrzweckleine: rot eingefärbt. Zum Beispiel als Ventilleine (Saugkorb), Absperrleine oder Bindeleine. Nicht zur Sicherung von Personen.
  • Kernmantel-Dynamikseil: nur für Sicherung in absturzgefährdeten Bereichen (Auffangen). Es dehnt sich beim Sturz und mildert den Fangstoß. Im Seilsack verstaut.

Wichtige Begriffe

  • Bucht: die gebogene Stelle einer doppelt genommenen Leine.
  • Auge: eine Schlaufe, die sich kreuzt (Strang geht über sich selbst).
  • Stehendes Ende (stehender Part): der Teil der Leine, an dem die Last hängt, sie bleibt „stehen“.
  • Laufendes Ende: das freie Ende, mit dem du den Knoten bindest.
  • Törn / Windung: eine Umschlingung um einen Gegenstand.
  • Legen oder stechen (binden): Legen = Knoten vorbereiten und über einen Gegenstand schieben. Stechen = Knoten um den Gegenstand binden.
  • Hintersichern: den Knoten mit einem Spierenstich gegen Lockern schützen.

Welcher Knoten wofür?

Übersicht

  • Halbschlag: Geräte beim Hochziehen führen, Personen auf der Krankentrage einbinden.
  • Doppelter Ankerstich: Geräte beim Hochziehen befestigen (kann den Mastwurf ersetzen).
  • Zimmermannsschlag: Sicherungsleine des Atemschutztrupps anbringen, Gegenstände hochziehen.
  • Mastwurf: anschlagen, selbstretten, halten, auffangen, Halteleine am Anschlagpunkt, Auszugseil der Schiebleiter, Seilsack.
  • Achterknoten: Einbinden im Auffanggurt, Befestigungspunkt am Leinenende, Schlaufe im Seil.
  • Schotenstich: zwei Leinen verbinden (nie für Personen).
  • Halbmastwurf: Bremsknoten beim Selbstretten und Halten, als HMS am Karabiner.
  • Brustbund mit Pfahlstich: gefährdete Person halten und sichern.
  • Spierenstich: Hintersicherung für andere Knoten.

Entscheidungshilfe

  • Etwas festmachen, das nachgeben darf? Halbschlag, Zimmermannsschlag.
  • Etwas anschlagen, das halten muss? Mastwurf (mit Spierenstich).
  • Zwei Leinen verbinden? Schotenstich. Soll eine Last getragen werden? Achterknoten.
  • Person sichern? Brustbund mit Pfahlstich (Leine) oder Achterknoten am Auffanggurt (Dynamikseil).
  • Seil bremsen? Halbmastwurf.

Pflege und Regeln

Regeln für die Absturzsicherung

  • Jeder tragende Knoten wird mit dem Spierenstich (Kreuzschlag) hintersichert, direkt am Knoten.
  • Am Auffang- und Sitzgurt wird das Dynamikseil mit einem gestochenen Achterknoten (oder Sackstich) in der Befestigungsöse eingebunden. Direktes Einhängen des Karabiners ist verboten.
  • Sackstich: weiterer Verbindungs- und Befestigungsknoten der Absturzsicherung, lässt sich nach Belastung (Sturz) nur schwer öffnen, der Achterknoten dagegen relativ leicht.
  • Knoten sauber legen, keine Überkreuzungen.
  • Feuerwehrleine und Dynamikseil immer straff führen. Freies Hängen in der Leine ist nicht zulässig (Ausnahme: Selbstretten).
  • Nicht über scharfe Kanten ziehen (Kantenschutz: Decke, Schlauch).

Prüfen und pflegen

  • Sichtprüfung beim Einlegen in Beutel oder Seilsack: Handschuhe aus, Leine durch die Hand laufen lassen, so spürst du Beschädigungen (Scheuerstellen, harte oder weiche Stellen).
  • Beschädigte Leinen aussondern und dem Gerätewart melden.
  • Nasse oder verschmutzte Leinen nach Herstellerangabe reinigen und trocknen, nie in der Sonne bleichen oder mit Chemie behandeln.
  • Gegenseitige Kontrolle (Partnercheck) vor jedem Einsatz mit Sicherung: Stränge parallel, Knoten fest, Spierenstich nah am Knoten, Karabiner zu.

Typische Fehler

  • Hintersicherung vergessen.
  • Knoten nicht festgezogen oder Stränge überkreuzt.
  • Mehrzweckleine für Personen genommen.
  • Leine beschädigt benutzt.
  • Zu kurzes freies Ende.

Hinweis zum Üben

Das Lesen ersetzt keine Übung. Knoten lernst du mit den Händen: mit Feuerwehrleine und einem Pfosten oder Karabiner, zuerst langsam, dann blind und mit Handschuhen. Knoten, die Menschen sichern, übst du unter Aufsicht deines Ausbilders und lässt sie vor dem Einsatz kontrollieren.

Siehe auch