Das Wichtigste in Kürze
- H:Einsturz: Laut Katalog Zug mit 2 LF und 1 RW, THL-Satz, ELW 1, THW als sonstige Stelle, Drehleiter, Eigensicherung.
- Eigensicherung zuerst: Einsturzgefahr, Trümmerschatten, Staub, Gas, Strom. Aus dem Trümmerschatten fernhalten, Trümmer nicht betreten, nie allein an oder in die Schadenstelle.
- Fünf Phasen: Erkunden, Durchsuchen (ohne Trümmer verändern), Orten und technische Rettung, gezieltes Vordringen, Abschluss.
- Ortung: Horch-, Ruf-, Klopfmethode, Rettungshunde, technische Ortung. „Ruhe für die Ortung!“ und „Achtung Rückzug!“ als Standardkommandos.
- Statiker und THW einbinden. Versorgungsleitungen (Gas, Strom, Wasser) abstellen.
- Stichwort
- H:Einsturz (Nr. 19 im Katalog)
- Beispiele laut Katalog
- (kein Beispiel im Katalog)
- Taktische Einheit
- Zug
- Fahrzeuge
- 2 LF, RW
- Besondere Einsatzmittel
- THL-Satz
- Führungskomponente
- ELW 1
- Eigensicherung
- im Katalog mit „ja“ gekennzeichnet
- Rettungsdienst-Stichwort
- ja
- Rettungsmittel
- ohne Personen in Gefahr: RTW; mit Personen in Gefahr: RTW + NA
- Sonstige Stellen
- THW
- Drehleiter
- ja
- Hinweis
- Welche Kräfte für das Stichwort ausrücken, steht in der Alarm- und Ausrückeordnung deiner Wehr, die Katalogwerte sind nur Hinweise. Vor Ort entscheidet der Einheitsführer. Die Handgriffe übst du praktisch in der Wache.
Hinweis zur Tabelle: Stand der Katalogdaten: Juli 2015. Die Angaben sind Hinweise für mögliche Einsatzmittelketten. Maßgeblich ist die örtliche Alarm- und Ausrückeordnung.
Lage und Gefahren
Typische Lage
- Teil- oder Kompletteinsturz eines mehrgeschossigen Wohngebäudes (Massivbau) mit unbekannter Personenzahl. Die Grundsätze gelten für kleine und große Lagen.
- Weitere Fälle: Tiefbauunfall (Graben, Baugrube), Dacheinsturz unter Schneelast, Explosionsschaden.
Gefahren
- Nacheinsturz und herabfallende Teile (statische Veränderungen laufend!).
- Staub (Atemgifte), Absturz, Explosionsgefahr durch gebrochene Gasleitungen, freiliegende Stromleitungen, Wasser.
- Verschüttete: Crush-Syndrom, Unterkühlung, Ersticken durch feines Trümmergut.
- Psychische Belastung der Einsatzkräfte und Angstreaktionen der Betroffenen.
- Eigenschutz: Mund- und Augenschutz für alle an und in der Schadenstelle, Trümmer nicht betreten.
Vorgehen: Fünf Phasen
Phasen im Überblick
Phase 1 – Erkundung: Brandschutz sicherstellen, Gefahrenbereich absperren, Gas/Wasser/Strom regeln, Ex-/Ox-Messung, Personen befragen (Bewohner zählen), keine neuen Zugänge schaffen. Aufstellung mit Abstand, Beobachter für Wandrisse, Setzungen.
Phase 2 – Durchsuchen: Leicht zugängliche Räume durchsuchen, Zugänge ohne Trümmerveränderung (auch Leitern), Führungsorganisation und Einsatzabschnitte, Verletztenablage.
Phase 3 – Ortung und technische Rettung: Horch-, Ruf-, Klopfmethode, Rettungshunde (biologische Ortung), technische Ortung (Horchgeräte, Kamera), Zugänge mit Trümmerveränderung schaffen.
Phase 4 – Gezieltes Vordringen: Trümmer abtragen, wo Personen vermutet werden.
Phase 5 – Abschluss: regelmäßige Ortungschecks, vorsichtiges Räumen (zum Beispiel mit Autokränen), bei Überlebenden zurück zu Phase 3.
Ortung und Hundeeinsatz
- Horch-, Ruf-, Klopfmethode: Auf Kommando „Ruhe für die Ortung!“ stellen alle Geräte und Geräusche ein, es wird gerufen, geklopft und gehorcht.
- Rettungshunde: Während des Hundeeinsatzes dürfen sich keine Personen auf dem Trümmer oder in unmittelbarer Nähe aufhalten (Einsatzkräfte stören den Hund).
- Kommando „Achtung Rückzug!“ bei Gefahr (Nachbruch): Gefahrenbereich sofort verlassen, Vollzähligkeit prüfen.
Abstützen und Zusammenarbeit
- Abstützen und Aussteifen durch THW und Fachkräfte (siehe Seite „Heben und Abstützen von Lasten“).
- Spezialkräfte nachfordern: THW, Statiker, Rettungshundestaffel, Polizei, Rettungsdienst. Abstimmung der Fachgruppen, damit sie sich nicht behindern.
- Externe Dienstleister (Kran, Bagger) nur unter Kontrolle von Fachpersonal.
- Beweissichernde Maßnahmen mit der Polizei abstimmen.
- Einheiten nicht trennen, nie allein in der Schadenstelle bewegen.
Tiefbauunfall (Graben, Baugrube)
- Erkunden: Boden, Witterung, Versorgungsleitungen (Strom, Gas, Wasser, Dampf, Heizöl).
- Gefahren: Einsturz, Nachrutschen (besonders bei Wassereinsatz), Verschüttung, Verkehr.
- Absuchen: in Trümmer- und Rutschbereichen von außen nach innen, höchstens 4 m Abstand zwischen zwei Helfern. Durchsuchen systematisch von unten nach oben, Winkel und Ecken.
- Abstützen/Verbau gegen Nachrutschen, Fahrzeuge Abstand halten (Last).
- Frischluft für Eingeschlossene, Ruhe für die Rettung.
- Nachalarmieren: Abstützmaterial, Kran, Baufirma, THW, Versorgungsbetriebe.
Typische Fehler
- Alleine an oder in die Schadenstelle.
- Trümmer betreten oder verändert, ohne Statik.
- Hunde- und Ortungseinsatz gestört.
- Versorgungsleitungen nicht abgestellt.
- Kein Beobachter für Nachbrüche.
- Fachgruppen nicht abgestimmt.
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