Hebekissen: Aufbau und Einsatz

Geräte

Das Wichtigste in Kürze

  • Hebekissensysteme sind pneumatisch (Druckluft). Systeme bis 1 bar und über 1 bar (gebräuchlich 8 bar).
  • Bestandteile: Druckkissen mit Füllschlauch, Druckluftflasche mit Druckminderer, Luftschlauch, Steuerteil. Ein Steuerteil bedient ein oder zwei Kissen.
  • Mindestens 75 % der Kissenfläche unter die Last, nie an Spitzen, scharfen Kanten, heißen Teilen.
  • Immer unterbauen (Last Stück für Stück sichern) und Last gegen Wegrutschen sichern. Nie unter ungesicherte Last treten.
  • Zwei Kissen übereinander (nur über 1 bar): kleineres oben, unteres zuerst füllen, nicht mehr als zwei.
Systeme
bis 1 bar und über 1 bar (gebräuchlich 8 bar)
Bestandteile
Druckkissen mit Füllschlauch, Druckluftflasche mit Druckminderer, Luftschlauch, Steuerteil
Auflage
mindestens 75 % der Kissenfläche unter der Last
Stapeln
höchstens zwei Kissen übereinander, kleineres oben, unteres zuerst füllen
Hinweis
Die Grundsätze stammen aus der bundeseinheitlichen FwDV 1 und aus Ausbildungsunterlagen. Typ, Bedienung und Zubehör deiner Geräte (Hersteller, Akku oder Schlauch, Druckwerte) lernst du praktisch in der Wache an den vorhandenen Geräten. Die Bedienungsanleitung des Herstellers geht vor.
Hebekissen unter einem Fahrzeug bei einer Übung
Hebekissen unter einem verunfallten Pkw bei einer Übung Foto: Karl Gruber, CC BY-SA 4.0, über Wikimedia Commons, verkleinert

Grundlagen

Aufbau und Systeme

  • Druckkissen aus verstärktem Gummi mit Füllschlauch. Kissen bis 1 bar haben mindestens zwei Vorrichtungen (zum Beispiel Ösen), an denen sie mit Mehrzweckleinen oder Bindesträngen in Stellung gebracht werden. Diese Ösen dienen nur zum In-Stellung-Bringen und Befestigen, nicht zum Halten von Lasten.
  • Druckluftflasche mit Druckminderer liefert die Luft, der Luftschlauch verbindet Druckminderer und Steuerteil. Am Steuerteil wird die Füllung der Kissen reguliert.
  • Bis 1 bar: breite Kissen, große Hubhöhe, geringere Hubkraft. Zwei Kissen nebeneinander vergrößern Auflagefläche und Standsicherheit.
  • Über 1 bar (8 bar): hohe Hubkraft, geringe Hubhöhe. Mit zunehmender Hubhöhe sinkt die Hubkraft, weil sich die Oberfläche wölbt und der Druck nicht mehr auf der ganzen Fläche wirkt.

Wann Hebekissen, wann andere Geräte?

  • Hebekissen: Lasten auf einer Fläche (Fahrzeug, Gerät, Betonteil) anheben, wenn kaum Platz zum Ansetzen ist (flaches Kissen passt unter die Last).
  • Weitere Geräte (siehe Seite „Heben und Abstützen von Lasten“): Hebebaum, hydraulische Winde, hydraulischer Hebesatz (große Hubkräfte), Spreizer als Hebegerät.
  • Immer Hubziel klären: Wie hoch muss die Last, wie lange, wer arbeitet darunter?

Einsatz Schritt für Schritt

Vorbereiten und Einsetzen

  1. Lage erkunden: Gewicht und Schwerpunkt der Last abschätzen, Untergrund (fest, eben?), was sich bewegen kann, wo Personen eingeklemmt sind. Einheitsführer entscheidet über Gerät und Reihenfolge.
  2. Last gegen Wegrutschen sichern (zum Beispiel Keile, Holz) und erste Unterbauten bereitlegen (Kanthölzer, Holzplatten, Kunststoffkeile).
  3. Gesichtsschutz aufsetzen, Schutzhandschuhe.
  4. Druckkissen in Stellung bringen, möglichst ganz unter die Last schieben, mindestens 75 % der Fläche unter der Last. Punktförmige Belastung vermeiden.
  5. Kissen vor scharfen Kanten und Spitzen schützen, zum Beispiel mit Brettern oder Bohlen. Nicht an heißen Teilen ansetzen.
  6. Füllschläuche am Steuerteil, Luftschlauch an Steuerteil und Druckminderer ankuppeln. Flasche öffnen.
  7. Alle Personen aus dem Gefahrenbereich, niemand steht vor dem eingeschobenen Kissen (es kann herausschnellen).

Heben und Sichern

  1. Mit dem Steuerteil langsam füllen. Dabei gleichmäßig arbeiten und die Last beobachten.
  2. Schon beim ersten Anheben die Last Stück für Stück unterbauen: Kantholz, Kunststoffkeil, Platte. Aus Hubhöhe wird Abstützhöhe.
  3. Niemals unter angehobene, noch nicht gesicherte Last treten. Arbeitet jemand darunter (Rettung), muss die Last sicher unterbaut sein, nicht nur auf dem Kissen ruhen.
  4. Heben unterbrechen, wenn die Last kippt, rutscht oder knackt, Kissen ablassen und neu planen.
  5. Zwei Kissen übereinander (nur über 1 bar): kleineres oben, unteres Kissen zuerst füllen, nicht mehr als zwei. Die Lage wird instabil, besonders auf geneigtem Untergrund.
  6. Absenken: erst wenn Rettung abgeschlossen und niemand mehr im Gefahrenbereich ist, kontrolliert über das Steuerteil ablassen, Unterbauten entfernen.

Regeln und Fehler

Sicherheit und Pflege

  • Gesichtsschutz tragen.
  • Fallen von Lasten auf gefüllte Kissen vermeiden (sie können platzen).
  • Last gegen Wegrutschen sichern.
  • Kissen nicht an Spitzen, scharfen Kanten oder heißen Teilen ansetzen.
  • Kissen schützen vor Schweiß- und Brennarbeiten und aggressiven Stoffen.
  • Hinweise des Herstellers beachten (Hubkraft, Druck, Prüfung der Kissen).
  • Pflege: nach Gebrauch reinigen, trocknen, Sichtprüfung der Kissen und Schläuche, Druckluftflasche nachfüllen lassen.

Typische Fehler

  • Zu wenig Fläche unter der Last (unter 75 %).
  • Kissen nicht gegen scharfe Kanten geschützt.
  • Nicht unterbaut, Last ruht nur auf Luft.
  • Zu schnell gefüllt, Last verrutscht.
  • Jemand vor dem Kissen oder unter der Last.
  • Mehr als zwei Kissen übereinander.
  • Kissen auf losem Schotter oder glattem Boden ohne Unterlage.

Siehe auch