H:VU ohne P – Verkehrsunfall ohne Verletzte

Technische Hilfeleistung

Das Wichtigste in Kürze

  • H:VU ohne P: Unfall mit Blechschaden und auslaufenden Betriebsstoffen, keine Person verletzt. Laut Katalog Gruppe mit 1 LF.
  • Erst prüfen, ob wirklich niemand verletzt ist: Alle Insassen ansprechen, auch wenn sie unverletzt wirken. Sonst Rettungsdienst nachfordern.
  • Reihenfolge: Absichern, Brandschutz, Fahrzeug sichern (Zündung aus, Feststellbremse), Betriebsstoffe auffangen oder abbinden, Gullys abdecken.
  • Alternative Antriebe (Elektro, Hybrid, Erdgas, Autogas) erkennen: orange Hochvolt-Leitungen, Tankdeckel, Beschriftung (AUTO-Regel).
  • Übergabe an Polizei, Abschleppdienst oder Straßenbaulastträger. Die Feuerwehr gibt die Straße nicht frei.
Stichwort
H:VU ohne P (Nr. 5 im Katalog)
Beispiele laut Katalog
Unfall mit Blechschaden, auslaufende Flüssigkeiten
Taktische Einheit
Gruppe
Fahrzeuge
1 LF
Hinweis
Welche Kräfte für das Stichwort ausrücken, steht in der Alarm- und Ausrückeordnung deiner Wehr, die Katalogwerte sind nur Hinweise. Vor Ort entscheidet der Einheitsführer. Die Handgriffe übst du praktisch in der Wache.

Hinweis zur Tabelle: Stand der Katalogdaten: Juli 2015. Die Angaben sind Hinweise für mögliche Einsatzmittelketten. Maßgeblich ist die örtliche Alarm- und Ausrückeordnung.

Lage und Grundsätze

Was ist „ohne P“?

  • Unfall mit Sachschaden: Blechschaden, Betriebsstoffaustritt (Öl, Diesel, Benzin, Kühlflüssigkeit), liegen gebliebene Fahrzeuge.
  • Aber: „Ohne P“ ist die Erstmeldung. Vor Ort muss die Feuerwehr selbst feststellen, ob wirklich niemand verletzt ist (Insassen, Fußgänger, Radfahrer, geflüchtete Personen).
  • Einsatzmittel: Gruppe mit 1 LF. Bei Verletzten wird auf H:VU mit P (Seite „H:VU mit P“) erhöht.
  • Kosten: Nach § 45 Abs. 1 Nr. 2 BbgBKG können Gebühren nach Satzung von dem erhoben werden, der ein Fahrzeug hält, wenn die Gefahr beim Betrieb von Kraft-, Schienen-, Luft- oder Wasserfahrzeugen ausgegangen ist.

Fahrzeug erkennen: AUTO-Regel

Wer ein Fahrzeug beurteilt, achtet auf vier Dinge (AUTO-Regel):

  • Austretende Betriebsstoffe: Was läuft aus (Flüssigkeit, Gas, Geruch)?
  • Unterboden: Gastank, orange Hochvoltleitungen.
  • Tankdeckel: Ladesystem, Kennzeichnung, QR-Code (Rettungsdatenblatt).
  • Oberfläche: Beschriftungen, Überdruckventile, fehlender Auspuff (Elektroantrieb).

Mehr dazu auf der Seite „Verkehrsunfall Pkw: Fahrzeugtechnik, Airbags und Rettungsdatenblatt“.

Vorgehen Schritt für Schritt

Ablauf

  1. Aufstellen und Absichern: Fahrzeug als Schutz stellen, Warnblinklicht, blaues Blinklicht, Warndreiecke, Leitkegel (siehe Seite „Einsatzstelle gegen Verkehr sichern“). Warnweste.
  2. Personen prüfen: Alle Insassen und Umstehende ansprechen, auch Unverletzte. Rettungsdienst nachfordern, wenn Verletzungen vorliegen oder unklar sind.
  3. Brandschutz: Feuerlöscher bereithalten, bei Austritt von Betriebsstoffen mehr Löschmittel vorbereiten.
  4. Fahrzeug sichern: Zündung aus, Feststellbremse, bei Elektrofahrzeugen auf Hochvolt-Warnzeichen achten, Hochvoltsystem nicht berühren.
  5. Betriebsstoffe: auslaufende Flüssigkeiten abbinden oder auffangen. Gullys abdecken, Kanalisation und Gewässer schützen (siehe Seite „H:Öl Land und H:Öl auf Wasser“).
  6. Ölbindemittel richtig einsetzen: dünn und gleichmäßig aufbringen, mechanisch einarbeiten, dann zusammenkehren und aufnehmen. Für Verkehrsflächen nur Bindemittel mit der Kennzeichnung „R“ (rutschfest, rau).
  7. Behörden: bei Boden- oder Gewässerverunreinigung Untere Wasserbehörde einbinden, bei Straßenverunreinigung Straßenbaulastträger.
  8. Übergabe an Polizei, Abschleppdienst, Straßenbaulastträger. Einsatzstelle ordnungsgemäß übergeben, Doku.

Typische Fehler

  • „Ohne P“ geglaubt, ohne selbst nachzusehen.
  • Hochvoltleitungen berührt oder Fahrzeug nicht gesichert.
  • Kanalisation nicht geschützt.
  • Falsches Bindemittel auf der Fahrbahn (Rutschgefahr).
  • Einsatzstelle zu früh freigegeben oder ohne Übergabe verlassen.

Lizenz und Quellenhinweis

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Siehe auch