Das Wichtigste in Kürze
- Belüftung lenkt Rauch aus dem Gebäude, hält noch rauchfreie Bereiche frei und verbessert Sicht, Suche und Rettung, senkt die Atemgifte und das Durchzündungsrisiko (Abmagern des Gemisches).
- Grundregel: Ohne Abluftöffnung ist keine Belüftung möglich. Zuerst die Abluftöffnung schaffen (Fenster, Tür), dann erst den Lüfter in Richtung Zuluftöffnung drehen.
- Bauarten: Propellerlüfter, Injektor-/Turbolüfter, Hochleistungslüfter, Be- und Entlüftungsgerät (Ex-geschützt). Antrieb: Benzin, Elektro oder Wasser.
- Abstand zur Zuluftöffnung (Faustformel): Propeller 2 Schritte, Turbo 3 Schritte, Hochleistung 4 Schritte, Gerät zuerst 90° verdreht in Bereitstellung, Drehen auf Befehl des Einheitsführers.
- Immer abstimmen: Alle Trupps im Innenangriff müssen wissen, wann belüftet wird: Der Brand kann angefacht werden. Niemand im Abluftstrom zwischen Feuer und Abluftöffnung.
- Zweck
- Entrauchung, Rauchfreihaltung, Lenkung von Rauch, Gasen und Dämpfen
- Antriebsarten
- Benzin, Elektro (Akku), Wasser
- Faustformel Abstand
- Propeller 2 Schritte, Turbo 3 Schritte, Hochleistung 4 Schritte (wenn der Hersteller nichts anderes vorgibt)
- Personal
- zwei Feuerwehrangehörige (Gerät mindestens zu zweit tragen)
- Leitungslänge elektrisch
- höchstens 100 m
- Hinweis
- Die Grundsätze stammen aus der bundeseinheitlichen FwDV 1 und aus Ausbildungsunterlagen der Landesfeuerwehrschulen. Handgriffe und Bedienung der Geräte deiner Wache übst du praktisch dort. Herstellerangaben gehen vor.
Grundlagen
Wozu belüften?
Eine Belüftung (natürliche Luftströmung oder maschinell unterstützt) und damit in der Regel eine Entrauchung:
- verbessert die Sicht der vorgehenden Trupps,
- beschleunigt Suche und Rettung,
- verringert die Menge an Atemgiften für eventuell vermisste Personen,
- senkt das Durchzündungsrisiko des Brandrauchs durch Abmagerung des zündfähigen Gemisches,
- verringert thermische Belastung und Schäden an Bauteilen.
Einsatzzwecke: Entrauchung, Rauchfreihaltung (noch nicht verrauchte Bereiche, zum Beispiel Treppenraum, Rettungsweg) und Lenkung von Rauch, Gasen oder Dämpfen.
Bauarten und Antriebe
- Propellerlüfter: noch am gebräuchlichsten, kegelförmiger Luftstrom.
- Injektor- oder Turbolüfter: vor allem ältere Modelle, kompakt, viele Rotorblätter, schmaler, teils spitz zulaufender Luftkegel. Arbeiten nach dem Injektorprinzip: Der Luftstrom reißt angrenzende Luft mit und erhöht so die Luftmenge.
- Hochleistungslüfter: moderne Geräte, sehr hohe Förderleistung, wieder breiterer Kegel. Der Injektoreffekt tritt noch auf, wirkt aber weniger stark.
- Be- und Entlüftungsgerät: kann Luft einbringen oder absaugen (Zweiwege-System), mit Sauglutten auch schwer zugängliche Bereiche (zum Beispiel Keller über Lichtschächte). Serienmäßig Ex-geschützt (spezieller Stecker am Leitungsroller). Im Schubbetrieb eher geringe Leistung.
- Antriebe: Benzinmotor (Abgasschlauch nötig), Elektro (Stromerzeuger, Leitungsroller oder Akku), Wasser (Wasserturbine, Schlauchleitung von der Feuerlöschkreiselpumpe, dient auch zur Entrauchung von Räumen und Behältern).
- Aufbau: Tragerahmen (Standfüße oder Räder mit Feststellung), Flügelrad in Schutzgehäuse, Antrieb. Manche haben zusätzlich Düsen für Wassernebel.
Grundvoraussetzungen: Zuluft und Abluft
- Zuluftöffnung (in der Regel die Zugangstür) und Abluftöffnung (zum Beispiel Fenster, auch mehrere).
- Zu große Abluftöffnung ist unkritischer als zu kleine. Zu kleine Abluftöffnung: Der erzeugte Luftstrom kann nicht abströmen, der Brandrauch verteilt sich unkontrolliert im Gebäude (Schadenausbreitung).
- Abluftöffnungen frei von Personen halten. Der Aufenthalt von Trupps zwischen Feuer und Abluftöffnung ist auszuschließen.
- Natürliche Strömung: Bei starkem Wind durch die Abluftöffnung die Belüftungsrichtung mit dem Wind ändern. Ein Lüfter kommt im Regelfall nicht gegen einen natürlichen Luftstrom an.
- Beginn der Belüftung erst, wenn der Brandherd bekannt und eine Abluftöffnung geschaffen ist. Darüber entscheidet der Einheitsführer.
Einsatz Schritt für Schritt
Vorbereitung und Bereitstellung
- Befehl des Einheitsführers abwarten (wann, wo, welche Zuluftöffnung).
- Gerät mindestens zu zweit aus dem Fahrzeug nehmen, bei Benzinbetrieb Abgasschlauch mitnehmen, zum Einsatzort bringen.
- Vor der Zuluftöffnung aufstellen. Abstand nach der Faustformel: Propellerlüfter 2 Schritte, Turbolüfter 3 Schritte, Hochleistungslüfter 4 Schritte. Der Hersteller kann anderes vorgeben.
- Gerät 90° zur Zuluftöffnung drehen (der Rotor zeigt seitlich von der Öffnung weg), in Bereitstellung bei Leerlauf.
- Räder blockieren (bei Geräten mit Rädern), Standsicherheit prüfen.
Inbetriebnahme je nach Antrieb
Benzin:
- Abgasschlauch anschließen und in Verlängerung des Auspuffstutzens verlegen.
- Benzinhahn öffnen, Zündung ein, Choke auf Kaltstart, Starter (Hand oder Elektro) betätigen.
- Motoranlauf abwarten, langsam Choke auf Warmstart. Stabilen Lauf abwarten.
- Drehzahl langsam hochregeln, Wechselgas prüfen: zwei- bis dreimal kurz bis Vollgas und wieder zurück. Der Motor darf nicht absterben. Danach Standgas.
Elektro:
- Leitungsroller zwischen Gerät und Stromquelle (Stromerzeuger), höchstens 100 m (Ausnahme: Akkubetrieb).
- Personenschutzschalter nur bei Anschluss an die Hausinstallation.
- Einschalten, einmal bis Maximum hochregeln, wieder runterregeln und auf niedrigster Drehzahl weiterlaufen lassen (ohne Regler: Gerät abschalten).
Wasser:
- Schlauchleitungen von der Feuerlöschkreiselpumpe verlegen, ankuppeln.
- Niederschraubventile am Gerät schließen, Leitungen bewässern. Der Maschinist stellt die Pumpe falls nötig auf Lüfterbetrieb.
- Ventile öffnen, einmal bis Maximum hochregeln, wieder auf niedrige Drehzahl.
Vornahme und Betrieb
- Auf Befehl des Einheitsführers das Gerät um 90° in Richtung Zuluftöffnung drehen (der Rotor zeigt direkt auf die Öffnung).
- Drehzahl hochregeln. Sofern nichts anderes befohlen, maximale Drehzahl.
- Permanent kontrollieren: Wo strömen Luft und gegebenenfalls Rauch hin? Die Stärke und Richtung des Luftstroms lässt sich zum Beispiel an einem mobilen Rauchverschluss abschätzen.
- Bei Rauchaustritt aus der Zuluftöffnung: Drehzahl senken oder das Gerät weiter weg stellen. Ursache ist meist eine zu kleine Abluftöffnung.
- Lage laufend melden, damit alle wissen, was belüftet wird.
Außerbetriebnahme und Wiederherstellen
- Benzin: auf Standgas, Motor abschalten (bei Zweitakt Vergaser durch Schließen des Benzinhahns leerlaufen lassen), Benzinhahn schließen, Choke zurück. Abgasschlauch erst nach dem Abkühlen entfernen, nachtanken erst nach dem Abkühlen des Motorblocks.
- Elektro: auf niedrige Drehzahl, abschalten, Stromerzeuger abstellen und wieder einsatzbereit machen, Leitungsroller zurückbauen, Lutten zurücknehmen, Akku laden.
- Wasser: auf niedrigste Drehzahl, Pumpe außer Betrieb, Niederschraubventile schließen, Leitungen und Gerät vollständig entwässern (Frostgefahr), Ventile ca. eine Umdrehung zurückdrehen (Entlastung der Dichtteller).
- Sichtprüfung: Rotor und Rotorgehäuse auf Schäden, bei Elektro Kabelverbindungen, bei Wasser Schläuche und Dichtungen. Mängel melden, Gerät gegebenenfalls außer Dienst nehmen. Verlasten.
Taktik und Fehler
Wann offensiv belüften? Entscheidungshilfe
Wer in der Frühphase vor oder parallel zur Brandbekämpfung belüftet, belüftet offensiv. Das beschleunigt den Abzug heißer, giftiger Rauchgase und verbessert Sicht und Temperatur für die Trupps. Man nimmt dafür bewusst in Kauf, dass der Brand angefacht wird. Jede Belüftung beeinflusst den Brand, auch das Öffnen einer Tür oder das Bersten einer Scheibe.
Offensive Belüftung ist nur in zwei Fällen gerechtfertigt, sofern keine Anzeichen einer Rauchgasdurchzündung vorliegen:
- Menschenrettung (Vermisste), wenn bereits eine Abluftöffnung vorhanden ist.
- Unterstützung der Trupps bei Bränden in Untergeschossen, wenn das Vorankommen sonst kaum möglich ist.
Voraussetzungen:
- Der Einsatzleiter hat Nutzen und Risiko abgewogen.
- Die Lage des Brandherds ist bekannt.
- Eine Abluftöffnung nahe am Brandherd ist vorhanden.
- Der Weg des Luftstroms ist erkennbar oder lässt sich festlegen.
- Wind, Gebäude und Abluftöffnung sind berücksichtigt.
Nicht offensiv belüften, wenn
- sich Personen im Abluftstrom oder am Fenster befinden. Bei Rettung über Leitern aus verrauchten Bereichen läuft keine maschinelle Belüftung, weil der Rauch auf die Personen gedrückt würde.
- Anzeichen für Rauchgasdurchzündung bestehen (schnelle Veränderung hin zu dunklem, dichtem, schnellem, turbulentem, pulsierendem Rauch mit Lokomotiv- und Dralleffekt, Flammenzungen in der Rauchschicht). Dann steht das Kühlen der Rauchgase im Vordergrund. Die Türöffnungsprozedur bleibt wichtig und ist durch Belüften nicht zu ersetzen.
- der Brand in Dachstöcken, Altbauten oder Fachwerkhäusern ist. Dort gibt es brennbare Bauteile, verwinkelte Räume und viele Undichtigkeiten, der Luftweg ist nicht definierbar. Erst belüften, wenn ein Trupp den Brand mit Wasser am Rohr unter Kontrolle hat.
- der Luftweg nicht festgelegt werden kann. Es droht Rauchverschleppung über Hohlräume wie Lüftungskanäle, Installationsschächte und abgehängte Decken.
Beim Vorgehen (Abluftöffnung schon vorhanden):
- Der vorgehende Trupp sichert den Luftweg: Türen und Fenster im Treppenraum schließen, Tür zum Brandraum öffnen und unterkeilen.
- Lüfter erst nach Rücksprache mit dem Trupp starten.
- Alle Trupps greifen mit dem Luftstrom an, nie dagegen. Ein Angriff über ein Fenster ist mit offensiver Belüftung nicht vereinbar.
- Ein mobiler Rauchverschluss an der Rauchgrenze oder vor dem Brandraum verringert Verwirbelungen und erhält eine rauchärmere Schicht am Boden.
Fehlt die Abluftöffnung, belüftet man in der Frühphase nicht offensiv. Eine Öffnung von Hand zu schaffen ist nicht empfohlen: Oberhalb des ersten Geschosses braucht man Leitern, bei dreifachverglasten Fenstern ist es kaum möglich. Außerdem kann ein Brand in dichten Räumen mangels Sauerstoff erloschen sein, während noch brennbare Gase im Raum stehen. Frischluft kann diese schlagartig zünden. Ausnahme: Untergeschossbrände, wo sonst kein Vorankommen ist.
Wenn der Treppenraum belüftet wird und dabei Rauch aus dem Brandraum angesaugt wird und kein Rauchverschluss da ist, bricht man die maschinelle Belüftung ab. Dann lüftet man natürlich (alle Treppenraumfenster auf), schafft im Brandraum großzügige Abluftöffnungen und zieht die Brandraumtür weitgehend zu und unterkeilt sie.
Einflussfaktoren und Tipps zur Wirkung
- Abluftöffnung: So nah wie möglich am Brandherd. In verrauchten Treppenräumen am besten das oberste Fenster. Nie ein Gebäude über die Abluftöffnung betreten, die Umgebung vorher kontrollieren (Heißgase, Flammen, Nachbarn), nötigenfalls mit einem Trupp am Strahlrohr sichern.
- Größe: Zu- und Abluftfläche etwa 1:1, bis zum 1,5-Fachen noch vertretbar. Beispiel: Haustür (rund 2 m²) als Zuluft, dazu zwei Einzelfenster als Abluft. Zu große Abluft bringt zu wenig Überdruck, zu kleine staut die Heißgase und drückt sie in andere Bereiche.
- Wind: Schon etwa 25 km/h auf die Abluftöffnung können die Belüftung wirkungslos machen. Besonders bei freistehenden Häusern und oberen Geschossen zählt das. Möglichst mit dem Wind belüften. Am Gebäude kann der Wind anders wehen als im Umfeld. Eine kleinere Abluftöffnung erhöht den Überdruck.
- Undichtigkeiten: Etwa 40 bis 50 % des eingeblasenen Luftstroms gehen auf dem Weg verloren. Darum Türen und Fenster auf dem Weg schließen, nur die Verbindung von Zu- zu Abluft bleibt offen und wird unterkeilt.
- Abstand des Lüfters: Optimal ist ein Abstand etwa gleich der Höhe der Zuluftöffnung (bei 2 m Tür also 2 m). Zu nah: Luft strömt oben zurück. Zu weit: Luft prallt an die Fassade. Bei sehr breiten Öffnungen braucht man mehrere Lüfter.
- Mehr Wirkung mit mobilem Rauchverschluss: Im oberen Drittel der Zuluft eingesetzt steigt die Druckdifferenz um etwa 50 % (Öffnung 1,5 m, Lüfterabstand 1,5 m). Zwei Verschlüsse in der oberen Hälfte bringen etwa 100 % (Öffnung 1,0 m, Abstand 1,0 m).
- Zwei Lüfter: V-förmig auf die Zuluft gerichtet wirkt besser als hintereinander.
Nach dem Löschen entrauchen
- Der Brand muss sicher aus sein. Bis dahin bleibt ein Trupp mit Wasser am Rohr vor Ort. Auch beim Nachlöschen nicht am Feuer vorbei.
- Die Abluftöffnung entsteht nahe dem Brandherd, der Luftweg wird festgelegt, Türen zu anderen Bereichen und andere Fenster werden geschlossen. Türen und Abluftöffnung im Luftweg unterkeilen.
- Der Rauchverschluss wird erst hochgehängt, wenn keine Rückströmung mehr droht, und entfernt, wenn der Bereich abgekühlt ist.
- Mehrere Räume nacheinander entrauchen, durch gezieltes Öffnen und Schließen von Türen. Mehrere Geschosse von unten nach oben, und die Belüftung beginnt im nicht betroffenen Bereich.
- Hohlräume überwachen. Wird Rauch in andere Bereiche verschleppt, die Belüftung stoppen.
- Auch nach dem Löschen noch eine Weile belüften, weil Bauteile ausgasen und Schadstoffe in der Luft sind.
Belüftung im Brandeinsatz (Taktik)
- Abstimmung: Überdruckbelüftung nur in Absprache mit dem Einheitsführer. Alle Trupps im Innenangriff müssen informiert sein, damit sie sich auf einen beschleunigten Brand einstellen können.
- Ampelmodell (Rauch beurteilen): bei Grün und Gelb möglichst früh entrauchen. In der roten Phase (massiver, dynamischer Rauchaustritt, Lokomotiveffekt) zunächst mehrere Abluftöffnungen von außen schaffen, erst danach eine Überdruckbelüftung einsetzen, um heiße Brandgase abzuführen und eine extreme Brandausbreitung zu verhindern.
- Kleiner Brand (zum Beispiel Elektrogerät): Brandgut entfernen und auf kurzem Weg ins Freie bringen (Terrassentür, Fenster).
- Hydraulische Ventilation: Mit dem Hohlstrahlrohr (Injektorprinzip) mindestens 60 cm vor dem Fenster, Sprühstrahl so einstellen, dass er den Fensterrahmen nicht berührt.
- Natürliche Entrauchung kann parallel oder vorher erfolgen. Rauch- und Wärmeabzugsanlagen (RWA) nur in Absprache auslösen.
- Weiter: Das Vorgehen des Trupps steht auf der Seite „Innenangriff“.
Sicherheit und typische Fehler
- Benzinbetrieb: Abgasschlauch verwenden, Abgase ins Freie. Nicht in geschlossenen Räumen. Gehörschutz. Nur bei abgestelltem Motor betanken.
- Elektro: Ex-geschützte Geräte (Be- und Entlüftungsgerät) in explosionsgefährdeten Bereichen, nur mit speziellem Stecker. Kabel und Stecker prüfen.
- Typische Fehler: Lüfter ohne Abluftöffnung gestartet, Abluftöffnung zu klein, Trupp im Abluftstrom, Innenangriffstrupps nicht informiert, gegen den Wind belüftet, Lüfter zu nah an der Tür, Wassergerät nicht entwässert (Frost).
- Übung: Mit Nebelmaschine in einem Raum mit Zu- und Abluftöffnung ausprobieren: Erst ohne, dann mit Abluftöffnung belüften. Man sieht den Unterschied sofort.