Solaranlagen: Solarthermie und Photovoltaik im Einsatz

Gefahren der Einsatzstelle

Das Wichtigste in Kürze

  • Solarthermie erzeugt Wärme (Wasser-Propylenglykol-Gemisch, bis etwa 80 °C, Verbrühungsgefahr), Photovoltaik erzeugt Gleichstrom (bis 1.000 V). Beides unterscheiden zu können, ist die Grundlage.
  • Photovoltaik steht schon bei wenig Licht unter Spannung. Auch hinter dem DC-Freischalter liegt bis zum Schalter weiter Spannung an. Mindestens 1 m Schutzabstand, mit CM-Strahlrohr Sprühstrahl 1 m, Vollstrahl 5 m.
  • Feuerwehrnotschalter (wenn vorhanden) sofort betätigen, DC-Freischalter nutzen, Energieversorger verständigen.
  • Trümmerschatten ist wegen des Schanzeneffekts auf Dachschrägen oft größer als die Faustregel (zwei Drittel der Gebäudehöhe). Module können abstürzen, wenn die Halterung im Feuer ihre Festigkeit verliert.
  • Nie auf Kollektorflächen treten. Auf dem Dach nur mit Absturzsicherung, möglichst Hubrettungsgerät einsetzen.
Wärmeträger (Solarthermie)
Wasser-Propylenglykol-Gemisch, ungiftig, schwach wassergefährdend (Wassergefährdungsklasse 1), bis etwa 80 °C
Spannung (PV)
Gleichspannung bis 1.000 V, einzelne Zelle etwa 0,6 V, in Reihe zu Strings geschaltet
Masse
Solarthermie etwa 20 kg/m², Photovoltaik etwa 25 kg/m²
Schutzabstände (PV)
1 m zu Körperteilen und Geräten, CM-Strahlrohr Sprühstrahl 1 m, Vollstrahl 5 m
Hinweis
Die Broschüre der LSTE „Gefahrenabwehr an Anlagen zur Gewinnung erneuerbarer Energien“ ist die 1. Auflage von 2012. Technik, Anlagengrößen und Vorgaben haben sich seitdem weiterentwickelt. Herstellerangaben, Feuerwehrplan und Weisungen deines Trägers gehen vor. Zum Feuerwehrnotschalter bestand zum Zeitpunkt der Broschüre keine Einbaupflicht, prüfe den aktuellen Stand.

Grundwissen

Solarthermie oder Photovoltaik?

  • Solarthermie: Eine frostsichere Flüssigkeit wird im Kollektor erhitzt, pumpt durch einen geschlossenen Kreis und gibt die Wärme an Trinkwasser oder Heizung ab. Sichtbar sind Kollektoren mit Rohranschlüssen.
  • Photovoltaik (PV): Solarmodule erzeugen Gleichstrom. Ein Wechselrichter macht daraus 230 V, 50 Hz. Sichtbar sind Module mit Kabeln, oft ein Wechselrichter im Haus.
  • Solarhybrid: Kollektoren liefern Strom und Wärme. Es gelten die Gefahren beider Systeme zusammen, eine eigene Betrachtung ist nicht nötig.
  • Kollektorbauarten (Thermie): Flachkollektor (am häufigsten, etwa 80 °C), Vakuumröhrenkollektor, Parabolrinnenkollektor.
  • Montage: Aufdach (Trägerkonstruktion auf dem Dach), Indach (ersetzt die Dacheindeckung), Freiaufstellung (Flachdach oder Solarpark), Fassade.

Die Besonderheit der Photovoltaik

  • Eine Solarzelle liefert nur etwa 0,6 V. Viele Zellen werden zu Strings in Reihe geschaltet, mehrere Strings parallel. So entstehen bis 1.000 V Gleichspannung.
  • Schon bei geringer Lichtintensität liegt Spannung an.
  • Freischalten hilft nur teilweise: Wird die Anlage mit einem DC-Freischalter vom Netz getrennt, liegt bis zum Freischalter weiterhin Spannung an.
  • Feuerwehrnotschalter: Ein fernbetätigter Schalter an den Modulen kann die Gleichspannung in Modulnähe abschalten. Er ist selten vorhanden und war zum Zeitpunkt der Broschüre nicht vorgeschrieben.

Einsatzszenarien

Dachstuhlbrand mit Solaranlage

Erkunden:

  • Sicher klären, ob Solarthermie oder Photovoltaik vorliegt: Eigentümer, Nutzer, Anwohner fragen, Bauart, Rohranschlüsse, Kennzeichnungen und Schilder, gegebenenfalls Drehleiter oder tragbare Leiter zur Erkundung.
  • Feuerwehrnotschalter vorhanden?
  • Eigenschutz: herabfallende Teile, bei Solarthermie heiße Flüssigkeit, bei PV mindestens 1 m Abstand.

Gefahren:

  • Atemgifte: Materialien von Kollektoren und Leitungen setzen im Brand Gifte frei.
  • Verdeckte Ausbreitung: Das Feuer unter der Kollektorfläche ist nicht sofort sichtbar.
  • Absturz von Teilen: Die Trägerkonstruktion verliert in der Hitze ihre Festigkeit, Kollektoren stürzen ab, nach außen (häufiger) oder bei Indachmontage auch ins Gebäude.
  • Trümmerschatten: wegen des Schanzeneffekts (die Teile fliegen über die Dachschräge hinaus) oft größer als zwei Drittel der Gebäudehöhe.
  • Strom (PV): Stromschlag bei Annäherung.
  • Verbrühung (Thermie): etwa 80 °C Wärmeträgerflüssigkeit.

Maßnahmen:

  • PV: Feuerwehrnotschalter betätigen, DC-Freischalter nutzen, Energieversorger benachrichtigen.
  • Trümmerschatten beachten, Gefahrenbereich großräumig sichern, tragende Teile kühlen.
  • Wenn möglich Hubrettungsgerät einsetzen (bei PV Schutzabstand halten!).
  • Einsatzkräfte warnen: Herabfallen von Teilen, Verbrühung (Thermie), Stromschlag (PV).
  • Innenangriff: Einsturzgefahr beachten, gefährdete Bereiche nicht betreten, möglichst im Bereich der Wände vorgehen.
  • Austretende Wärmeträgerflüssigkeit auffangen und entsorgen, sonst mit reichlich Wasser verdünnen.

Sturmschaden an Solaranlagen

  • Gefahr: Die große Fläche bietet dem Wind Angriff. Gelockerte oder beschädigte Teile können sich plötzlich lösen und umherfliegen. Der Trümmerschatten ist wegen des Schanzeneffekts oft größer.
  • Maßnahmen: Gefahrenbereich großräumig sichern, Kollektoren stets beobachten, wenn möglich Hubrettungsgerät. PV: Feuerwehrnotschalter und DC-Freischalter, Energieversorger, mindestens 1 m Abstand. Thermie: Hinweis auf Verbrühung, Flüssigkeit auffangen.
  • Einsatzkräfte auf Herabfallen und bei PV auf Elektrizität hinweisen. Siehe auch Seite „Sturm“.

Menschenrettung auf dem Dach

  • Typische Fälle: Monteure in Notlage, Personen mit Suizidandrohung.
  • Gefahren: Angstreaktionen (Stress, Höhenangst) mit irrationalem Verhalten, Abrutschen, Schnitt und Verbrühung beim Betreten der Kollektoren, Stromschlag (PV), Module können abstürzen, wenn die Befestigung überlastet wird.
  • Maßnahmen: Hubrettungsgerät bevorzugen. Betreten des Daches nur mit Absturzsicherung (siehe Seite „Haltegurt und Absturzsicherung“). Kollektorflächen nicht betreten. Bei PV Notschalter und DC-Freischalter, mindestens 1 m Abstand.

Typische Fehler

Was bei Solaranlagen schiefgeht

  • Solarthermie und Photovoltaik verwechselt.
  • PV für spannungsfrei gehalten, weil „abgeschaltet“.
  • Zu wenig Abstand zu den Modulen, Vollstrahl aus zu kurzer Distanz.
  • Trümmerschatten unterschätzt (Schanzeneffekt).
  • Auf den Kollektoren gestanden oder gelaufen.
  • Energieversorger nicht verständigt.

Weiterführend

Die Landesschule stellt die vollständige Broschüre mit Abbildungen bereit: Fachinformation „Erneuerbare Energien“ der Landesschule (LSTE) in Eisenhüttenstadt.
Weitere Hinweise zu Photovoltaik und Speichern stehen auch auf der Seite „Elektrizität“.

Siehe auch