Erkrankung und Verletzung

Gefahren der Einsatzstelle

Das Wichtigste in Kürze

  • Gemeint sind lebensbedrohliche Zwangslagen von Menschen und Tieren sowie die Ansteckung oder mechanische Verletzung von Einsatzkräften.
  • Typisch: Stolpern, Eisglätte, schlagendes Strahlrohr, Schnitt, Verbrennung, Erfrierung, Schock.
  • Infektionsschutz: Handschuhe bei Kontakt mit Verletzten, Einsatzstellenhygiene, Impfungen.
  • Der Truppführer sorgt dafür, dass die befohlene Schutzausrüstung auch getragen wird.
  • Vitalfunktionen prüfen: Atmung und Kreislauf, Erstversorgung hat oberste Priorität.

Wo und wie?

  • Ansteckung: besonders bei Verletzten und infektiösen Stoffen, zum Beispiel ohne Handschuhe oder ohne Hygiene. Wirkung oft erst nach Latenzzeit.
  • Mechanische Verletzung: fast überall möglich, zum Beispiel Stolpern, Eisglätte, schlagendes Strahlrohr. Folgen: Brüche, Schnitte, Bewusstlosigkeit.
  • Verbrennung und Erfrierung: Flammen, Dampf, tiefkalte Flüssigkeiten.
  • Schock: nach Verletzung, Schreck oder Angst. Anzeichen: fahle Blässe, Frieren, kalter Schweiß, schneller schwacher Puls.
  • Störung der Vitalfunktionen: Verschüttung, Ertrinken, Einklemmung, unbehandelter Schock.

Erkennen und Verhalten

  • Erkennen: Einsatzstelle beobachten, Vitalfunktionen prüfen, Betroffene befragen.
  • Eigenschutz zuerst: vollständige PSA, ggf. Sonderausrüstung (Schnittschutz, Gesichtsschutz, Atemschutz, Chemikalienschutzanzug).
  • Infektionsschutzhandschuhe, Hautkontakt mit infektiösen Stoffen vermeiden, verschmutzte Schutzkleidung ablegen und reinigen oder entsorgen.
  • Hygiene beachten, zum Beispiel nicht essen oder trinken mit ungereinigten Händen.
  • Impfungen (zum Beispiel Hepatitis B) wahrnehmen.
  • Gentechnik-Bereiche: Behälter nicht öffnen oder beschädigen, Berührung mit Stoffen und Tieren vermeiden, Tiere nur auf Weisung retten.
  • Verletzte betreuen: lebensrettende Sofortmaßnahmen beherrschen, Betroffene nie allein lassen.

Infektionsgefahr bei Erster Hilfe und Nadelstichen

Viele Helfer haben Angst vor einer Ansteckung und lassen deshalb notwendige Erste Hilfe aus. Der Bundesfeuerwehrarzt hat dazu klargestellt, wie groß die Gefahr wirklich ist und wie man sich schützt.

Wie groß ist das Risiko?

  • HIV: Das Virus steckt im Blut und in anderen Körperflüssigkeiten. Eine Ansteckung braucht den raschen Kontakt einer ausreichend großen Virusmenge mit Haut- oder Schleimhautverletzungen. Über Speichel ist sie im Alltag nicht möglich. Schweiß, Tränen und Urin enthalten viel weniger Viren.
  • Hepatitis B: Weltweit die häufigste Virusinfektion und deutlich ansteckender als HIV. Das Virus ist im Blut in hoher Menge, deshalb reichen kleinste Blutmengen. In geringerer Menge steckt es auch in Speichel und Urin. Impfung schützt.
  • Atemspende: Das Risiko ist extrem gering, aber nicht null. Die meisten Wiederbelebungen erfolgen bei Angehörigen. Bei Mund-zu-Nase-Beatmung sinkt das Risiko weiter.

Schutzmaßnahmen:

  1. Bei blutenden Verletzten Einmalhandschuhe tragen, besonders wenn man selbst Hautverletzungen an den Händen hat. Ohne Handschuhe hilft notfalls eine Plastiktüte oder Folie.
  2. Bei der Atemspende die Mund-zu-Nase-Beatmung bevorzugen. Ein Beatmungstuch oder eine Beatmungsmaske nutzt man, wenn sie sofort greifbar ist.
  3. Starke Blutungen im Gesicht und Wiederbelebung nötig: Man darf auf die Beatmung verzichten und bis zum Rettungsdienst nur die Herzdruckmassage machen. Dann sofort den Rettungsdienst alarmieren.
  4. Hat man sich verletzt oder Blut oder infektiöse Flüssigkeit abbekommen: unverzüglich zum Hausarzt oder zum ärztlichen Notdienst.

Nadelstichverletzungen im Rettungsdienst:

  • Die Technische Regel für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA 250) verlangt seit 2006, spitze und scharfe medizinische Instrumente durch sichere Instrumente zu ersetzen, wenn sie Körperflüssigkeiten übertragen können. Das ist eine Muss-Regel, für den Rettungsdienst gibt es keine Ausnahme.
  • Wer das nicht umsetzt, riskiert bei einem Unfall einen Regress durch den Unfallversicherungsträger.
  • Altes Material darf zum Üben an Phantomen weiter benutzt werden.

Siehe auch