Löschmittel Wasser

Brennen und Löschen

Das Wichtigste in Kürze

  • Wasser ist das wichtigste Löschmittel: kühlt stark, überall verfügbar, billig. Aus 1 Liter werden beim Verdampfen etwa 1.700 Liter Dampf: das verdrängt Sauerstoff, kann aber verbrühen und Kamine sprengen.
  • Vollstrahl: gebündelt, große Reichweite. Sprühstrahl: fein verteilt, große Kühlfläche, besserer Eigenschutz, mehr Dampf. Netzmittel (0,1 bis 0,5 %) lassen das Wasser besser eindringen.
  • Nicht geeignet: Fett (F), Metalle (D), Gase ohne Absperren, elektrische Anlagen innerhalb der Sicherheitsabstände.
  • Wasser sparen: Wasserschaden (und Vereisung im Winter) vermeiden, dosiert und gezielt arbeiten.
  • Eigenschutz: Wasserdampf, Stromleitung, Rückstoß, Glatteis.
Dampfexpansion
aus 1 Liter Wasser etwa 1.700 Liter Wasserdampf bei 100 °C
Netzmittel
Zumischrate etwa 0,1 bis 0,5 %, senkt die Oberflächenspannung, besseres Eindringen (zum Beispiel bei Stroh und Glutnestern), umweltverträglich und abbaubar
Durchfluss (Strahlrohre)
Richtwerte bei 6 bar: C-Hohlstrahlrohr bis 235 l/min, B-Hohlstrahlrohr unter 400 l/min; D-Strahlrohr im Vegetationsbrand etwa 100 l/min
Hinweis
Theorie zum Nachlesen. Praktisch geübt wird in der Wache (Strahlrohrführung, Feuerlöscher, Schaumerzeugung). Bei Abweichungen gelten die Weisungen deines Trägers und die Herstellerangaben.

Wirkung und Strahlformen

Wie Wasser löscht

  • Kühlen: Flüssiges Wasser wird höchstens 100 °C heiß, das liegt unter der Zündtemperatur der meisten Stoffe. Es nimmt viel Wärme auf.
  • Verdampfen: Die hohe Verdampfungswärme entzieht dem Brandgut sehr viel Energie. Aus 1 Liter etwa 1.700 Liter Dampf: Der Dampf verdrängt Luft und Sauerstoff und löscht so auch erstickend.
  • Verdünnen und Abdrängen: Sprühstrahl bindet Gase, Dämpfe und Rauch.
  • Benetzen: Netzmittel senken die Oberflächenspannung, das Wasser dringt besser ein (Strohballen, tiefe Glutnester, Vegetation) und wird sparsamer.

Vollstrahl und Sprühstrahl

  • Vollstrahl: gebündelt. Große Reichweite und Wurfweite. Für Entfernung (Dachstuhl, Hitze) und tiefe Glutnester. Nachteil: viel Wasser, Rückstoß, spritzt, leitet Strom gut weiter.
  • Sprühstrahl: fein verteilt, große Kühlfläche, besserer Eigenschutz (Wasservorhang vor Strahlung), verdampft besser. Nachteil: viel Dampf in engen Räumen, geringere Reichweite. Bei Strom kleiner Abstand als Vollstrahl.
  • Strahlrohre: Bei CM- und BM-Strahlrohren Hebel vorn = Vollstrahl, hinten = Sprühstrahl. Beim Hohlstrahlrohr wird der Sprühwinkel (Strahlbild) eingestellt, es regelt zugleich die Durchflussmenge.
  • Sprühstoß-Technik: kurze, gezielte Stöße in die Rauchschicht kühlen die Gase und beugen Durchzündungen vor. Keine automatischen Sprühstöße an jeder Tür (siehe Ampelregel, Seite „Innenangriff“).

Grenzen und Gefahren

Wann Wasser gefährlich wird

  • Wasserdampf: verbrüht und verdrängt Sauerstoff, in Innenräumen mit starker Dampfbildung kann die Sicht auf null fallen und die Hitze unerträglich werden. Kamineffekt: Dampfexpansion kann einen Schornstein sprengen.
  • Fett (F): Siedeverzug, Fettexplosion. Kein Wasser.
  • Metalle (D): Wasser zerfällt, Wasserstoff facht an und kann explodieren. Kein Wasser.
  • Gase (C): Wasser löscht ein ausströmendes Gas nicht. Zuerst absperren.
  • Strom: Wasser leitet. Abstände nach DIN VDE 0132 (Niederspannung Sprühstrahl 1 m, Vollstrahl 5 m, Hochspannung 5 m und 10 m, siehe Seite „Elektrizität“).
  • Bauteile: Wasseraufnahme erhöht das Gewicht (Decken, Dachstühle), Einsturzgefahr.
  • Wasserschaden: Folgen sind oft schlimmer als der Brand (zum Beispiel Putz, Dämmung, Archive). Wasser sparsam und gezielt. Im Winter Vereisung und Glatteis, siehe Seite „Feuerwehr im Winter“.
  • Umwelt: Kontaminiertes Löschwasser (Gefahrstoffe, Schaum) auffangen, nicht in Gewässer oder Kanalisation.

Wasser einteilen und Wasserbedarf

  • Löschwasserbedarf richtet sich nach Brandgut, Brandlast, Ausdehnung; große Lagen brauchen Pendelverkehr und lange Schlauchstrecken (siehe Seite „Wasserförderung über lange Schlauchstrecken“).
  • Wasserarm arbeiten: D-Rohre, Löschrucksack, Netzmittel, Sprühstrahl, Hochdruck, Handwerkzeug. Besonders bei Vegetationsbränden wichtig.
  • Besonders viel Wasser brauchen Lithium-Ionen-Akkus (Fahrzeuge): zehntausende Liter sind möglich.

Siehe auch