Feuerwehr im Winter: Haus, Fahrzeug, Wasser, Pumpe und Einsatz

Gefahren der Einsatzstelle

Das Wichtigste in Kürze

  • Grundregel im Winter: Wasser, das steht, friert. Pumpe, Schläuche, Hydranten und Armaturen müssen in Bewegung oder leer sein.
  • Vorbereitet wird im Herbst, bevor der erste Frost kommt: Feuerwehrhaus, Fahrzeuge, Wasserstellen und Kleidung.
  • Fahrzeug: Kühlsystem bis −30 °C, Batterie voll, Ketten und Winterausrüstung an Bord, alle 14 Tage mindestens 30 km fahren. Mit Ketten höchstens 50 km/h.
  • Einsatz: Ankommen geht vor Tempo, Wasser sparsam einsetzen, Strahlrohr nie ganz schließen, Wasser sicher ableiten, danach sofort entleeren.
  • Menschen: Kälte schwächt. Warme Kleidung, trockene Ersatzkleidung, warme Getränke und Pausen gehören zur Einsatzplanung.
Wichtige Zahlen
Halle mit Wassertank mindestens +7 °C, Kühlsystem bis −30 °C, Schaummittel meist bis −15 °C frostbeständig, Ketten höchstens 50 km/h, Hydraulikgeräte unter −20 °C störanfällig
Zuständigkeiten
Hydranten, Winterdienst und Löschwasserstellen gehören je nach Ort der Gemeinde, dem Wasserversorger oder dem Betreiber. Das klärst du mit deiner Wehrführung.
Hinweis
Die Technik gilt bundesweit. Herstellerangaben, Tankstellenangebote und Weisungen deines Trägers gehen vor.

Das Prinzip

Warum der Winter anders ist

  • Wasser dehnt sich beim Gefrieren aus. Das sprengt Gehäuse, Ventile und Leitungen und blockiert Hähne und Kupplungen.
  • Alles dauert länger: Anfahrt, Aufbau, Arbeiten mit Hydraulik. Die Hilfsfrist verlängert sich, und das gehört in die Planung.
  • Menschen kühlen aus, Treppen und Leitern sind glatt, die Unfallgefahr steigt.

Drei Regeln für alles Weitere

  1. Wasser in Bewegung halten: Solange Wasser fließt, friert es kaum ein.
  2. Nicht Gebrauchtes leer machen: Pumpe, Schläuche und Armaturen entwässern, sobald sie nicht laufen.
  3. Sicherheit vor Tempo: Wer nicht ankommt, kann nicht helfen.

Vor dem Winter

Feuerwehrhaus

  • Gebäude abdichten: Dach, Fenster, Türen und Tore prüfen, Lüftungsöffnungen der Schlauchtrocknung beachten.
  • Heizung in Betrieb nehmen und einstellen. In Hallen mit wassergefüllten Fahrzeugen darf es nicht unter +7 °C fallen.
  • Räum- und Streumaterial bereitstellen, Räumdienst regeln (am besten mit der Gemeinde), Ausfahrt und Parkplätze der Einsatzkräfte frei halten. Streusalz nur sparsam.
  • Ungeheizte Häuser: Wasserleitungen abstellen und entleeren, auch Toilette.

Fahrzeuge

Ausrüstung, die an Bord sein sollte:

  • Fahren: Schneeketten (bei Zwillingsreifen Zwillingsketten, bei Allrad gegebenenfalls auf allen Antriebsrädern), Starthilfekabel, Unterlegkeile, Abschleppseil oder -stange.
  • Sicht: Eiskratzer, Enteiser, Frostschutz in der Scheibenwaschanlage.
  • Streuen und Schaufeln: Streugut, Schaufel oder Spaten.

Fahrzeugtechnik

  • Kühlsystem mit Frostschutz bis −30 °C füllen (der Zusatz darf ganzjährig drin bleiben), Dichtheit und Stand prüfen, Einfülldatum am Fahrzeug vermerken.
  • Kraftstoff: Winterdiesel tanken. Die Sorten wechseln an der Tankstelle jahreszeitlich, im tiefen Winter ist die Ware für etwa −22 °C ausgelegt, im Frühjahr und Herbst für etwa −13 °C. Frag an deiner Tankstelle nach.
  • Batterie immer voll geladen halten, am besten mit Ladeerhaltung. Eine leere Batterie kann schon bei etwa −10 °C einfrieren.
  • Druckluftanlage auf Winterbetrieb umstellen und warten, Bremsgestänge schmieren, Unterboden nach Salzfahrten gründlich reinigen.
  • Standheizung prüfen. Bei Geräten, die älter als 10 Jahre sind, den Wärmetauscher jährlich prüfen oder tauschen lassen.
  • Probefahrt: auch im Frost alle 14 Tage mindestens 30 km, damit der Motor richtig warm wird.
  • Fahrweise: Im Winter erst recht nicht „wie die Feuerwehr“. Mit Ketten höchstens 50 km/h.

Wasserstellen

Netzabhängig (Hydranten):

  • Vor dem Frost Hydranten prüfen (lassen), vor allem die selbsttätige Entleerung. Deckelfalz der Unterflurhydranten fetten, Hinweisschilder und Pläne kontrollieren.
  • Bei Schnee und Eis freihalten (Anlieger einbinden). Ist der Schacht eisfrei, gilt der Hydrant als einsatzfähig: kein Probeöffnen bei Frost.
  • Schmelzwasser im Schacht: gegebenenfalls Klauendeckel abnehmen, damit es über die Entleerungsbohrung abfließt.

Netzunabhängig (Gewässer, Behälter, Zisternen):

  • Zufahrt freihalten, kleine Behälter abdecken, Deckel wie Hydrantendeckel eisfrei halten (bei Doppeldeckeln eine Dämmschicht dazwischen).
  • Saugstellen mit Schildern kennzeichnen, die auch bei Schnee sichtbar sind (etwa 1,5 m über dem Boden).

Mannschaft

  • Unterricht „Feuerwehr im Winter“ im Herbst, Einsatzkleidung prüfen, pflegen und vervollständigen.
  • Ausrücken nur mit geeigneter Unterkleidung: warme Wäsche, Socken, Schal, dünne Handschuhe unter den Einsatzhandschuhen, Mütze unter dem Helm.
  • Atemschutzgeräteträger: Unterkleidung bewusst wählen. Funktionswäsche wirkt nur zusammen mit der atmungsaktiven Schutzkleidung.

Wasserführende Technik bei Frost

Pumpe

  • Nach jedem Einsatz und vor der Frostperiode entwässern: Ablasshähne öffnen (gegebenenfalls mit Draht durchstoßen), ansteigende Rohranschlüsse nicht vergessen.
  • Frostsicher machen: Ablasshähne schließen, 1 bis 2 Liter Frostschutzgemisch einfüllen, Pumpe bei erhöhter Drehzahl laufen lassen, damit sich das Gemisch verteilt, danach das Gemisch auffangen (Umweltschutz) und Trockensaugprobe machen.
  • Kurze Pausen im Einsatz: Pumpe im Leerlauf laufen lassen, auf Erwärmung achten und Absperrungen in Abständen bewegen. Beim Tankfahrzeug einen Tankkreislauf schalten.
  • Längere Pause oder Ende: sofort entwässern und frostsicher machen.

Das genaue Vorgehen steht auf der Seite „Pumpe bedienen: Inbetriebnahme, Betrieb, Winter und Wartung“.

Schläuche, Verteiler und Armaturen

  • Das Wasser muss fließen. Das Strahlrohr bleibt leicht geöffnet, auch wenn gerade nichts gelöscht wird. Freie Abgänge am Verteiler öffnen und mit einem kurzen Schlauchstück sicher ableiten. Sonst frieren Leitungen fest und es entsteht Glatteis.
  • Abbau: Wenn möglich an jeder Kupplung eine Kraft, auf Zeichen gleichzeitig entkuppeln, jeder entleert seinen Abschnitt sofort. Gefrorene Leitungen nicht knicken, sie sind steif wie eine Stange.
  • Wenig Personal: Die Leitung ohne Abstellen der Wasserzufuhr von vorn nach hinten abbauen, schlauchweise, und den Verteiler erst zuletzt schließen.
  • Festgefrorenes lösen: mit heißem Wasser oder Abgasschlauch, nie mit offener Flamme. Steife Schläuche vorsichtig in Buchten zurücknehmen, in einem geheizten Raum auftauen und trocknen. Armaturen ausschleudern und Kugelhähne halb offen lassen.
  • Eingefrorene Druckausgänge und Messleitungen vorsichtig mit Abgasschlauch erwärmen.

Hydranten im Einsatz

  • Auftauen: Unterflur-Kappe mit heißem Wasser oder Abgasschlauch, im Notfall die Kappe zerstören. Überflurhydranten mit Abgasschlauch oder Auftaugerät, keine Lötlampe (Wärmerisse).
  • Nach Gebrauch kontrollieren, ob der Hydrant selbstständig entleert. Wenn nicht, Entleerungspumpe einsetzen und den Betreiber (Wasserwart) informieren.

Hydraulische Rettungsgeräte und Sirenen

  • Unter −20 °C können Spreizer, Schneidgerät und Rettungszylinder ausfallen. Springt die Elektropumpe nicht an, hilft mehrfaches kurzes Einschalten.
  • Arbeiten dauern bei Kälte bis zu 20 % länger, das Öl wird zäh. Geräte nicht bis zur Endstellung öffnen oder schließen, das schont sie.
  • Sirenen können durch Reif und Eis zwischen Laufrad und Gehäuse blockieren. Regelmäßige Probealarme zeigen das früh.

Löschmittel

  • Fahrzeuge mit Löschwassertank brauchen Raum- oder Tankheizung.
  • Kübelspritze in ungeheizten Hallen mit Frostschutz füllen.
  • Schaummittel sind meist bis −15 °C frostbeständig.

Im Einsatz

Anfahrt und Einsatzstelle

  • Sicherheit vor Schnelligkeit. Eis, Schnee und Dunkelheit verlängern den Bremsweg. Plane mehr Zeit ein.
  • Treppen, Leitern und Gehflächen sind glatt: Abstreuen und Rutschgefahr ansagen.
  • Wasser sparsam einsetzen und so lenken, dass unnötige Vereisung und Wasserschaden vermieden werden. Im Winter sind Folgeschäden meist schlimmer.
  • Nach dem Einsatz Gehwege und Fahrbahnen abstreuen (lassen) und das Wasser nicht frei über Verkehrswege laufen lassen.

Schutz der Einsatzkräfte

  • Auf dem Weg zum Haus aufpassen, viele Unfälle passieren schon vor der Alarmfahrt.
  • Trockene Ersatzkleidung (Unterwäsche, Pullover, Jacke) einplanen, gegebenenfalls Ersatz-Schutzkleidung bereithalten.
  • Lange Einsätze: heiße, alkoholfreie Getränke, warme Verpflegung und Aufwärmmöglichkeit sicherstellen.
  • Pausen einplanen und Kräfte rechtzeitig wechseln, Auskühlung bleibt oft unbemerkt.

Typische Fehler

Was im Winter schiefgeht

  • Pumpe nach dem Einsatz nicht entwässert: Frostschaden bis zum nächsten Einsatz.
  • Strahlrohr komplett geschlossen: Leitung friert fest, Glatteis.
  • Hydrant probeweise geöffnet: Schacht friert zu.
  • Offene Flamme zum Auftauen: Brandgefahr und Materialschäden.
  • Batterie nicht geladen: Fahrzeug springt nicht an.
  • Probefahrten ausgelassen: Fahrzeug kommt nicht auf Betriebstemperatur.
  • Zu schnell gefahren: besonders mit aufgezogenen Ketten.

Siehe auch