Unterflur- und Überflurhydrant

Wasserversorgung

Das Wichtigste in Kürze

  • Unterflurhydrant: Straßenkappe öffnen, Standrohr einsetzen und mit dem Griff rechtsdrehend festziehen, Hydrant mit dem Schlüssel öffnen (bis zum Anschlag, dann eine halbe Umdrehung zurück) und spülen.
  • Überflurhydrant mit Fallmantel: Sperre mit dem Überflurhydrantenschlüssel (links) lösen, Haubendeckel linksdrehend öffnen (Anschlag, dann halbe Drehung zurück), vorher einen Abgang öffnen und spülen.
  • Vor dem Aufsetzen des Standrohrs wird gespült, damit Schmutz nicht in die Pumpe gelangt.
  • Nach dem Schließen des Unterflurhydranten einen freien Druckabgang öffnen, damit der Hydrant belüftet und entwässert wird.
Unterflurhydrant mit aufgesetztem Standrohr und angeschlossenem Schlauch
Unterflurhydrant mit Standrohr Foto: Radian, CC BY-SA 3.0, über Wikimedia Commons, verkleinert
Überflurhydrant mit Fallmantel
Überflurhydrant mit Fallmantel Foto: High Contrast, CC BY 3.0 de, über Wikimedia Commons, verkleinert
Unterflurhydrant
Standrohr einsetzen, Griff rechts festziehen; Schlüssel: bis Anschlag, dann ½ Umdrehung zurück
Überflurhydrant
Fallmantel: Dreikant links lösen; Haubendeckel links bis Anschlag, dann ½ Drehung zurück
Spülen
immer vor dem Anschluss, bei Schachthydranten gründlich
Nach dem Schließen
Druckabgang öffnen (Belüftung, Entwässerung)

Unterflurhydrant (Schritt für Schritt)

  1. Standrohr und Unterflurhydrantenschlüssel tragen. Die Klauenmutter muss bis zum unteren Anschlag heruntergeschraubt sein.
  2. Den Deckel der Straßenkappe abheben. Festsitzende Deckel mit Schlägen des Schlüssels lockern.
  3. Klauendeckel entfernen, Sitz reinigen, Standrohr einsetzen und durch Rechtsdrehen mit dem Griff festziehen. Muss das Standrohroberteil gedreht werden, nur nach rechts.
  4. Einen Abgang am Standrohr öffnen.
  5. Mit dem Schlüssel den Hydranten öffnen (bis zum Anschlag aufdrehen, dann eine halbe Umdrehung zurück) und spülen.
  6. Nach dem Schließen zur Belüftung und Entwässerung einen freien Druckabgang öffnen.
  7. Bei Schachthydranten vor dem Aufsetzen des Standrohrs gründlich spülen.

Überflurhydrant

Mit Fallmantel: Durch Linksdrehen des Dreikants die Sperre des Fallmantels lösen, dann werden die oberen Ventilabgänge frei. Durch Linksdrehen des Haubendeckels (bis zum Anschlag, dann eine halbe Drehung zurück) das Hydrantenventil öffnen und über einen vorher geöffneten freien Abgang spülen.

Mit freiliegenden oberen Abgängen: Mit dem Schlüssel die Deckkapsel entfernen, das Absperrventil durch Linksdrehen der Haubenspitze öffnen, spülen, dann den Druckschlauch anschließen. Bei Überflurhydranten mit Vorschieber sinngemäß verfahren.

Hydrantenarten und Hinweisschild

  • Abhängige Löschwasserversorgung: Wasser kommt aus dem öffentlichen Trinkwassernetz über Hydranten (Unterflurhydrant, Überflurhydrant mit und ohne Fallmantel).
  • Hydrantenhinweisschild: zeigt Standort des Hydranten und Durchmesser der Hydrantenleitung. Aus dem Durchmesser lässt sich die Löschwasserentnahmemenge grob abschätzen.
  • Faustformel: Durchmesser der Hydrantenleitung (in mm) mal 10 = Entnahmemenge in Litern pro Minute. Beispiel: Leitung 100 mm ergibt etwa 1.000 l/min.

Hydrantenbetrieb: Regeln und Druck

  • Vor jedem Gebrauch spülen: Schmutz kann Pumpe und Entlüftungseinrichtung beschädigen.
  • Systemtrenner (wenn vorhanden) am Hydrantenabgang einbauen. Trinkwasser- und Brauchwasserleitung nie an der Pumpe zusammenführen.
  • Nie Saugschläuche am Hydranten: Sie können das Leitungsnetz schädigen oder platzen.
  • Mindesteingangsdruck 1,5 bar an der Pumpe nicht unterschreiten.
  • Ruhedruck = Druck am Hydranten ohne Entnahme (Nullförderung). Fließdruck = Druck während der Entnahme. Je mehr entnommen wird, desto stärker fällt der Druck ab.
  • Beim Öffnen des Hydranten einen Druckausgang leicht öffnen, damit Luft entweichen kann (sonst Gefahr für das Pumpengehäuse).
  • Ausgangsdruck langsam einstellen, in der Regel 5 bis 8 bar. Wasserverbrauch bei Übungen gering halten.

Wie viel Wasser liefert ein Hydrant?

Die Menge am Hydranten hängt vom Rohrnetz ab: Netzdruck, Rohrdurchmesser vor Ort und im vorgelagerten Netz, Druckerhöhungsanlagen, Fehler im Netz (zum Beispiel ein nicht ganz geöffneter Schieber) und der Zustand der Leitungen. Eine sichere Vorhersage ist deshalb schwierig. In Städten ist die Versorgung meist besser als auf dem Land.

  • Faustformel: Unterflurhydrant Nennweite in mm × 10 l/min, Überflurhydrant Nennweite in mm × 15 l/min. Das ist nur ein Richtwert. In vielen Netzen liefern Hydranten deutlich weniger: Ein Beispiel zeigte einen Hydranten, der nach der Formel 1100 l/min bringen müsste und tatsächlich nur etwa 266 l/min lieferte.
  • Obergrenze: Auch bei sehr großen Leitungen sind durch die Armatur etwa 2000 l/min am Unterflurhydranten und etwa 3200 l/min am Überflurhydranten möglich.
  • Prüfen: Ob die Formel bei euch stimmt, zeigen Übungen in verschiedenen Ortsteilen, besonders wenn es früher schon Probleme gab.
  • Manche Wasserversorger kennzeichnen Hydranten, die keine 24 m³/h liefern, mit blauen Schildern. Das sind keine Löschwasserentnahmestellen.
  • Zuständigkeit: Der Trinkwasserversorger legt sein Netz auf Trinkwasser aus. Für das Löschwasser ist in der Regel die Gemeinde zuständig. Das Netz reicht also nicht automatisch für große Brände.

Löschbereich und Arbeitsblatt W 405

Das DVGW-Arbeitsblatt W 405 ist die Planungsgrundlage, wenn Löschwasser aus dem öffentlichen Trinkwassernetz kommt.

  • Grundschutz: Brandschutz in Wohn-, Gewerbe-, Misch- und Industriegebieten ohne erhöhtes Risiko. Objektschutz: zusätzlicher Schutz bei erhöhtem Brand- und Personenrisiko oder für Einzelobjekte im Außenbereich, zum Beispiel Aussiedlerhöfe.
  • Löschbereich: Alle Entnahmemöglichkeiten im Umkreis von 300 m um das Brandobjekt zählen. Das ist ein Radius, kein Fußweg. Hindernisse wie Bahntrassen und Schnellstraßen unterbrechen den Bereich.
  • Mindestmenge: Jede Entnahmestelle sollte mindestens 24 m³/h (400 l/min) über 2 Stunden liefern. Für Grundschutz in normaler Wohnbebauung sind eher 800 l/min und mehr nötig. Das wird nicht überall erfüllt.
  • Netzdruck: Beim Entnehmen darf der Betriebsdruck im bebauten Gebiet an keiner Stelle unter 1,5 bar fallen. Der Restdruck hält das Netz dicht gegen Schmutz von außen. Eine zu starke Entnahme kann die Trinkwasserversorgung der Gemeinde teilweise oder ganz lahmlegen.
  • Grundsatz: Löschwasser möglichst nicht aus dem Trinkwassernetz, sondern aus offenen Gewässern, Brunnen oder Behältern.
  • Faustformel für Führungskräfte: Pro Löschfahrzeug, das Wasser abgibt oder weiterleitet, einen eigenen Hydranten einplanen. Ein einzelner Hydrant deckt den Bedarf eines Brandes oft nicht.
  • Hydrantenabstand: Einen festen Wert gibt es nicht. Das Arbeitsblatt W 400-1 nennt „meist unter 150 m“.

Trinkwasserschutz bei der Entnahme

Entnimmt die Feuerwehr Wasser am Hydranten, wird Trinkwasser zu Löschwasser. Schläuche, Pumpen und Armaturen erfüllen die Trinkwasserverordnung nicht, deshalb gilt der Aufbau als Nichttrinkwasseranlage. Löschwasser der Feuerwehr zählt zur Flüssigkeitskategorie 4 oder 5.

Flüssigkeitskategorien:

  • 1: keine Gefährdung, zum Beispiel erwärmtes Trinkwasser.
  • 2: keine Gefährdung der Gesundheit, aber Geruch, Geschmack, Farbe oder Temperatur verändert, zum Beispiel Kaffee, Tee, Rostwasser.
  • 3: Gefährdung durch wenige giftige Stoffe, zum Beispiel Glykol, Natronlauge, Heizungswasser.
  • 4: Gefährdung durch giftige, sehr giftige, krebserzeugende oder radioaktive Stoffe mit Lebensgefahr, zum Beispiel Chemikalien, Farben, Insektizide.
  • 5: Gefährdung durch Krankheitserreger mit Lebensgefahr, zum Beispiel Hepatitisviren, Salmonellen.

Sicherungseinrichtungen und ihre Schutzwirkung:

  • Freier Auslauf schützt bis Kategorie 5. Beim Befüllen von oben bleibt eine Luftstrecke zwischen Wasserzulauf und Tank. Zwischen Fahrzeug und Hydrant besteht aber weiter die B-Leitung, deshalb braucht man trotzdem einen Systemtrenner.
  • Feuerwehr-Systemtrenner B-FW (DIN 14346) schützt bis Kategorie 4 und ist der Stand der Technik. Er wird zwischen Hydrant oder Standrohr und Löschleitung gesetzt. Der Druck dahinter ist immer niedriger als davor, und bei Druckabfall im Netz öffnet ein Entlastungsventil. Mit Systemtrenner sind keine weiteren Armaturen zur Sicherung nötig, und es ist egal, ob am Fahrzeug ein freier Einlauf besteht. Druckstöße verhindert er nicht.
  • Rückflussverhinderer schützt nur bis Kategorie 2 und ist nur eine einfache Klappe. Ein einzelner genügt nicht, nur übergangsweise sind mindestens zwei hintereinander vorgesehen.

Einfache Regeln:

  • Direkter Anschluss an das Trinkwassernetz nur über Druckschläuche.
  • Schläuche nie in Schächte, Becken oder Abwasseranlagen hängen (Rücksauggefahr).
  • Behälter nur von oben mit offener Fließstrecke füllen.
  • Wasserstrahlpumpen dürfen nicht direkt an das Trinkwassernetz, auch nicht über Druckschläuche.
  • Druckstöße vermeiden: Absperrarmaturen bei hohem Durchfluss langsam schließen, auch Strahlrohre. Schnelles Schließen kann im Netz Rohrbrüche verursachen.

Schwache Löschwasserversorgung: Hinweise für Führungskräfte

  1. Die eigene Löschwasserversorgung kennen (Hydranten, Behälter, Gewässer, Saugstellen).
  2. Löschwasserentnahmestellen sind nicht nur Hydranten. Offene Gewässer, Zisternen, Teiche und Löschwasserbehälter mitdenken.
  3. Rechtzeitig wasserführende Fahrzeuge nachfordern.
  4. Erstmaßnahmen priorisieren: Menschenrettung über den Innenangriff geht vor einer Riegelstellung.
  5. Wasservorräte im Blick behalten: Füllstand von Behältern und Fahrzeugtanks.
  6. Hohlstrahlrohre lageangepasst reduzieren. Für die Brandbekämpfung im Innenangriff genügen oft 100 bis 130 l/min.
  7. Mit Rückzug der Trupps rechnen, wenn das Wasser ausgeht, und sie über den Einheitsführer vorher informieren.
  8. Mit dem Wasserversorger zusammenarbeiten. Bei langen Einsätzen ist eine sachkundige Person des Versorgers ein wichtiges Bindeglied.

Löschwasserbehälter trennen Trink- und Löschwasser sauber. Das Trinkwassernetz muss dann nicht für den Löschfall überdimensioniert werden, und es gibt keine Druckstöße oder Verunreinigungen im Netz. Für die Feuerwehr heißt das: Standort kennen und gegebenenfalls längere Schlauchwege einplanen. Nach dem Einsatz muss der Behälter wieder aufgefüllt werden, die Zuständigkeit klärt man vorab mit Versorger oder Eigentümer.

Störungen im Hydrantenbetrieb

  • Förderstrom wird erhöht (zusätzliche Strahlrohre): Ein- und Ausgangsdruck fallen, Drehzahl erhöhen, bis der befohlene Ausgangsdruck erreicht ist. Eingangsdruck darf nicht unter 1,5 bar fallen.
  • Eingangsdruck fällt weiter (Hydrantennetz überlastet): Drehzahl zurücknehmen, bis 1,5 bar erreicht sind, sofort dem Gruppenführer melden, weitere Anweisungen abwarten.
  • Förderstrom wird vermindert: Drücke steigen, Gashebel zurücknehmen, bis der Ausgangsdruck wieder stimmt.
  • Förderstrom unterbrochen (alle Rohre zu): Drücke steigen stark, Pumpe auf Erwärmung kontrollieren, freies Niederschraubventil leicht öffnen, nur kurzzeitig.
  • Wasserzufluss unterbrochen (zum Beispiel B-Leitung am Hydranten geplatzt): Ein- und Ausgangsdruck fallen ganz ab. Drehzahl zurück, Pumpe auskuppeln, Druckausgänge schließen, Gruppenführer melden.
  • Wasserförderung unterbrechen nur auf Weisung des Gruppenführers.

Tank füllen und Außerbetriebnahme

  • Tank während des Hydrantenbetriebs füllen: Tankfüllleitung öffnen, maximal zulässigen Tankfülldruck nicht überschreiten, Wasserstandsanzeige beobachten, Überlaufen vermeiden (bei Frost Glatteisgefahr).
  • Bei längerem Tankbetrieb den Tank etwa dreiviertel gefüllt halten, Zulauf gegebenenfalls drosseln.
  • Außerbetriebnahme: Gashebel auf Leerlauf, Druckausgänge schließen, Pumpe auskuppeln, Motor aus (nach Dauerbetrieb erst nach etwa 2 Minuten Leerlauf), Hydrant schließen, Leitungen entlasten und abkuppeln, Pumpe entwässern, Trockensaugprobe, Blindkupplungen ankuppeln, Niederschraubventile entlasten.
  • Nach unabhängiger Wasserentnahme den Tank reinigen und das Sieb am Tankfüllstutzen prüfen. Siehe auch Seite „Pumpe bedienen: Inbetriebnahme, Betrieb, Winter und Wartung“.

Die Handgriffe übst du praktisch in der Wache.

Siehe auch