Untergrundbrand: Moor, Torf und Kohlereste

Brandeinsätze

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Untergrundbrand brennt im Boden, nicht darüber. Er schwelt in Torf (Moor), Humus oder Kohleresten, oft ohne sichtbare Flamme. Die Oberfläche kann gelöscht aussehen, während es darunter weiterbrennt.
  • Er ist schwer zu löschen, weil Wasser die heißen Schichten nur eingeschränkt erreicht, sich die Brandherde im porösen Untergrund verlagern und das Gelände oft nicht befahrbar oder nicht betretbar ist.
  • Zeit ist der Hebel. Beim Moorbrand bei Meppen 2018 war die Bilanz 37 Tage, bis zu etwa 1.700 Einsatzkräfte gleichzeitig. Der Bericht des Verteidigungsministeriums nennt unter anderem Ausfall von Löschgerät, späte Anforderung externer Hilfe und Fehleinschätzungen zu Wind und Besonderheiten eines Moorbrands.
  • Nachkontrolle gehört zum Einsatz. Wärmebildkamera oder Drohne, Glutnester freilegen, Brandwache sind in den Berichten die üblichen Schritte.
  • Sicherheit zuerst: Einbruchgefahr, Munition, giftige Rauchgase und Bergbaufolgen können das Betreten verbieten.

Wo Untergrundbrände vorkommen

  • Moore: Trocknen Moore aus, können sie sich entzünden und im Torf weiterschwelen, auch Meter von der Brandstelle entfernt wieder austreten. Hochmoore sind besonders gefährdet, weil sie nur durch Niederschlag gespeist werden. Wiedervernässung ist ein wichtiger Beitrag zur Vorbeugung.
  • Wald und Heide: Untergrundfeuer brennen im Humus und Torf unter der Oberfläche, siehe Vegetationsbrand: Feuerverhalten und Brandarten.
  • Bergbaufolgeflächen: Hier glimmen Kohlereste und Kohlestaub im Boden (zum Beispiel in Kohletrübebecken, die früher zur Aschespülung dienten). Die Flächen gehören oft der LMBV, die nach der ersten Gefahrenabwehr die Verantwortung für die Fläche übernimmt (Beispiel Meuselwitz).
  • Kohlelager und Förderbänder in Kraftwerken: dort kann ein Glimmbrand zuerst unbemerkt entstehen. Nach Medienberichten begann ein Brand im Kohlebunker eines Kraftwerks in Sachsen-Anhalt (November 2025) als Schwelbrand, wurde später offen und band bis zu 170 Einsatzkräfte.

Was Berichte aus Einsätzen zeigen

Die folgenden Punkte stammen aus Einsatzberichten, Pressemitteilungen und dem Bericht des Verteidigungsministeriums. Sie sind Beispiele, keine festen Vorschriften.

  • Meppen 2018 (Moorbrand auf einem Bundeswehrgelände): Schießversuche lösten den Brand am 3. September 2018 aus, am 10. Oktober wurde er als gelöscht gemeldet. In der Spitze waren etwa 1.700 Kräfte vor Ort. Transporthubschrauber halfen beim Löschen. Der Bericht nennt Defizite bei Material, Organisation, Ausbildung für Großschadenslagen, Meldewesen und Zusammenarbeit zivil und militärisch, zudem Ausfall und Beschädigung von Löschgerät und zu wenig Ersatz. Der Brand wurde zunächst unterschätzt. Wegen vermuteter Munitionsreste konnte das Gelände zeitweise nicht betreten werden. Als Folge wurden mehr Löschraupen, zusätzliche Brunnen und Drohnen zur Brandaufklärung beschafft.
  • Moorbrand in einem Moor bei Hannover (2018): lange Schlauchleitung und mehrere Tanklöschfahrzeuge, danach wurde der unterirdische Brand mit großen Wassermengen gelöscht. Die Umgebung wurde anschließend mit Wärmebildkamera kontrolliert.
  • Moor- und Waldbrand bei Rostock: Zahlreiche Kräfte hatten mit unwegsamem Gelände und Löschwasserversorgung zu kämpfen. Nach dem Hauptbrand blieb eine Brandwache, die Glutnester suchte, den Boden auflockerte und wässerte. Einige Teile waren nur mit Kettenfahrzeugen erreichbar. Mehrere Einsatzkräfte erlitten leichte Rauchvergiftungen.
  • Meuselwitz (Thüringen, 2026): Auf einer ehemaligen Tagebaufläche schwelte seit dem 27. Juni ein Untergrundbrand auf etwa 8 Hektar. Die Oberfläche war weitgehend gelöscht, im Boden glimmten Kohlereste weiter. Ein Löschhubschrauber brachte die Rauchentwicklung nur vorübergehend zurück, Drohnen-Wärmebilder zeigten, dass tiefere Zonen nicht gelöscht waren. Danach wurden eine Brandschutzschneise (von 10 auf 30 m verbreitert), eine bis 1,60 m tiefe, mit Wasser und Netzmitteln gefüllte Furche, Sprinkler und Rohrleitungen über etwa 4 km mit bis zu 560 m³ Wasser pro Stunde vorbereitet. Das städtische Netz liefert nur etwa 60 m³ pro Stunde. Die Fläche durfte nicht betreten werden, die Ablagerungen konnten deshalb nicht gezielt geöffnet werden. Die LMBV übernahm die Verantwortung für die Fläche und maß täglich in der Rauchfahne CO₂, CO, Schwefelwasserstoff und Methan. Anwohner wurden über KATWARN informiert: bei starkem Rauch Fenster und Türen schließen und Lüftungsanlagen abschalten.

Was daraus für den Einsatz folgt

  • Früh stark werden: Je früher viele Kräfte, Wasser und geeignete Fahrzeuge bereitstehen, desto kleiner bleibt der Brand. Externe Hilfe früh anfordern (Nachbarwehren, THW, Hubschrauber), siehe Vegetationsbrand: Löschwasser und Unterstützung und Luftfahrzeuge.
  • Lage richtig einschätzen: Wind, Ausbreitungsrichtung und die Besonderheiten eines Moorbrands nicht unterschätzen. Ein Untergrundbrand läuft unter der Oberfläche weiter und kann an anderer Stelle wieder auftreten.
  • Wasserversorgung planen: Lange Schlauchstrecken, Pendelverkehr, Brunnen und Rohrleitungen. Das städtische Netz reicht oft nicht.
  • Erkunden und kontrollieren: Wärmebildkamera, Drohne, Streifengänge. Nach dem Löschen Glutnester freilegen und ablöschen, die Fläche über Tage kontrollieren.
  • Betreten prüfen: Munition, Einbruch, Bergbaufolgen, siehe Vegetationsbrand: Gefahren, LACES und Kontrollschwellen und Bergbaufolgeflächen und Altbergbau.
  • Atemschutz und Messen: Der Rauch von Torf und Kohle enthält Kohlenmonoxid und weitere Gase. Messen und Atemschutz nach Lage, Rauch und Kohlenmonoxid.
  • Bevölkerung warnen: Rauch zieht weit. Warn-Apps und Hinweise zu Fenstern und Lüftungen gehören dazu.
  • Fachleute holen: Bei Mooren Naturschutz und Forst, bei Bergbaufolgeflächen LMBV und Bergbehörde. Sie kennen Gelände, Wasserverfügbarkeit und Wege.

Was heißt das für dich?

  • Nicht nur auf die Flamme achten. Rauch, Wärme und Glutnester im Boden zählen.
  • Nachlöschen ernst nehmen. Ein Untergrundbrand ist erst aus, wenn die Kontrolle es zeigt.
  • Sicherheit vor Tempo. Einbruch, Rauchgase und Munition können tödlich sein.

Siehe auch: Vegetationsbrand: Überblick, Vegetationsbrand: Taktik von AFFEN bis Nachlöschen, Wärmebildkamera, Drohnen.

Meppen 2018
Auslöser 3. September (Schießversuch), gelöscht gemeldet 10. Oktober, bis etwa 1.700 Einsatzkräfte gleichzeitig, etwa 500 davon Bundeswehr
Meuselwitz 2026
Untergrundbrand im ehemaligen Tagebaugebiet, rund 8 Hektar, Brandnester teils etwa 0,5 m tief
Typische Gefahren
Rauchgase (CO, CO₂, H₂S, Methan), Einbruch, Munition, Hitze
Wasserbedarf
mit Löschfahrzeugen allein oft nicht zu decken: lange Schlauchstrecken, Rohrleitungen, Brunnen
Kontrolle
Wärmebildkamera, Drohne, Brandwache über Tage

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