Schwangerschaft, Blutung und Geburt

First Responder

Das Wichtigste in Kürze

  • Geburt: Wärme zuerst. Neugeborenes abtrocknen, in warme Tücher wickeln, auf den Bauch der Mutter legen, Kopf bedecken. Atemwege frei wischen (Nase und Mund). Nicht an Kind oder Nabelschnur ziehen, Nabelschnur nicht selbst durchtrennen.
  • Ist das Köpfchen zu sehen, kann vor Ort entbunden werden. Fühlst oder siehst du etwas anderes (Nabelschnur, Arm, Bein, Weiches), geht es mit Kliniktransport weiter, ebenso bei Beckenendlage.
  • Blutung in der Schwangerschaft ist immer ernst: flach, Beine hoch, Linksseitenlage bei Rückenlage-Problemen, zudecken, Vorlagen pro Stunde zählen, Gewebe aufbewahren.
  • In Rückenlage drückt die Gebärmutter auf die untere Hohlvene (Vena-cava-Kompression): Schwindel, Schwäche, Bewusstlosigkeit. Therapie: Linksseitenlage.
  • Sehr hoher Blutdruck mit Kopfschmerz und Sehstörung bei Schwangeren: Präeklampsie-Verdacht, schneller Notarzt.

Gynäkologische Blutung und Genitaltrauma

  • Eine Blutung nach außen kann nur ein Teil des Blutverlusts sein. Auch eine Blutung in die Bauchhöhle ist möglich: zunehmender Unterbauchschmerz, Abwehrspannung, Übelkeit, Volumenmangelschock.
  • Anleiten (Telefon): flach hinlegen, Beine hochlagern, zudecken. Fragen: Schwangerschaft, Woche, Schmerzen, Gewebe abgegangen, Sturz? Vorlagen oder Tücher bereitlegen, Vorlagen pro Stunde zählen. Abgegangenes Gewebe in sauberem Tuch oder Gefäß aufbewahren. Nichts essen oder trinken, nicht allein lassen. Nicht tun: nichts in die Scheide einführen, nicht aufstehen lassen. Druckverband nur bei äußeren Wunden.
  • Warnzeichen: mehr als eine durchtränkte Vorlage pro Stunde, Schwindel, Blässe, Schwäche, Schwangerschaft, starke Bauchschmerzen.
  • Genitaltrauma (Sturz auf Geländer, Zaun, Fahrradrahmen): Prellung, Hämatom, Schamlippenriss. Auch bei Beckenringbruch. Pfählungsverletzungen können äußere und innere Genitalien verletzen. Der Unfallhergang ist wichtig. Schwer: Schmerz- und Schocktherapie, schonender Transport.
  • Vergewaltigung: seelische Schäden sind oft gravierender als körperliche. Zur Anzeige raten, Polizei hinzuziehen, keine Zweifel äußern, keine Schuldzuweisung, alle Schritte erklären. Hygieneartikel und Wäsche sichern, nicht baden oder waschen lassen.

Notfälle in der Schwangerschaft

  • Vena-cava-Kompression: in Rückenlage Hohlvene abgedrückt, Volumenmangel. Linksseitenlage.
  • Abort (Fehlgeburt): starke Blutung, ausgebliebene Regel, evtl. positiver Test, Unterbauchschmerz, Gewebeabgang. Septischer Abort: Fieber, Blutung, Abwehrspannung, Bewusstseinstrübung, Atemnot, Schockzeichen.
  • Eileiterschwangerschaft: in 99 Prozent Tubargravidität. Tubarabort: überfällige Regel (6 bis 8 Wochen), schwache Blutung, Kollapsneigung, Unterbauchschmerz. Tubarruptur: plötzlicher starker Zerreißungsschmerz, Schulterschmerz, Abwehrspannung, rasche Verschlechterung.
  • Vorzeitige Plazentalösung: brettharter Uterus mit Dauerschmerz, äußere Blutung nicht immer stark, trotzdem Schockzeichen.
  • Eklampsie: Krampfanfall bei Schwangeren.
  • Bei allen Blutungen: Schocktherapie, flach mit hochgelegten Beinen, Beruhigung, sofortige Einweisung.

Normale Schwangerschaft und Mutterpass

  • Der Mutterpass enthält Alter, Anzahl der Kinder, Vorgeschichte, Komplikationen, Schwangerschaftswoche, Entbindungstermin, Anzahl der Kinder, Lage, Infektionen, Plazentalage und Reife, Ultraschallbefunde.
  • Fundusstand (Höhe der Gebärmutterkuppe) ändert sich mit den Schwangerschaftswochen.

Geburt

  • Zeichen der drohenden Geburt: Blasensprung (Flüssigkeit aus der Scheide), Blutung („Zeichnen“), regelmäßige krampfartige Schmerzen (Wehen).
  • Drei Phasen: Eröffnungsphase (Muttermund öffnet sich, regelmäßige Wehen), Austreibungsperiode (vollständig geöffnet, kürzere Abstände), Nachgeburtsperiode (Abnabeln und Abstoßen der Plazenta).
  • Frühgeburt: vor der vollendeten 37. Woche. Früh-Frühgeburt (24. bis 31. Woche): Klinik. Absolute Ruhe, Kliniktransport.
  • Anleiten bei Geburt (Telefon): Fragen: das wievielte Kind, Wehenabstand, Pressdrang, Kopf sichtbar? Frau bequem lagern, Tücher und Decken bereitlegen, Raum warm. Kopf noch nicht sichtbar: nicht mitpressen, tief atmen, hecheln. Kopf sichtbar: mit der flachen Hand sanft halten, nicht ziehen. Kind abtrocknen, einwickeln, auf den Bauch der Mutter legen, Kopf bedecken, warm halten. Atmet das Kind nicht: Rücken und Fußsohlen reiben, sonst Wiederbelebung. Die Nachgeburt kommt später von allein, aufbewahren und dem Rettungsdienst zeigen.
  • Nicht tun: nicht am Kind oder an der Nabelschnur ziehen, Nabelschnur nicht durchtrennen, Mutter nicht aufstehen lassen. Warnzeichen: Nabelschnur oder Hand vor dem Kopf, Füße oder Po zuerst, starke Blutung, Kind atmet nicht, Zwillinge.
  • Nach der Geburt: Atemwege frei, warmhalten, Mutter überwachen. Abnabeln, wenn die Nabelschnur nicht mehr pulsiert (etwa 1 Minute), mit mindestens einer Handbreite Abstand vom Kind (Nabelklemmen).
  • Die Reanimation eines problemlos entbundenen Kindes nach der 32. Woche ist selten (etwa 0,2 Prozent), 90 Prozent davon sprechen auf Maskenbeatmung an.

APGAR-Score

  • Wann: direkt nach der Geburt und nach 5 und 10 Minuten.
  • Je Merkmal 0, 1 oder 2 Punkte: Atmung (keine, unregelmäßig, regelmäßig und kräftig schreiend), Puls (keiner, unter 100, über 100 pro Minute), Grundtonus (schlaff, träge, spontan), Aussehen (blauweiß, Stamm rosig und Extremitäten blau, ganz rosig), Reflexe (keine, Grimassieren, Husten oder Niesen).
  • 10 bis 7: lebensfrisch. 6 bis 4: weitere Stabilisierung. 3 bis 0: reanimationspflichtig.

Neugeborenen-Reanimation

  • Wenn keine ausreichende Spontanatmung und Herzfrequenz unter 100 pro Minute: trocknen und wärmen, dann A, B, C.
  • A: Rückenlage, Kopf in Neutralposition (ein 2 cm hohes Tuch unter den Schultern kann helfen). Bei verlegtem Atemweg absaugen, Sog höchstens 100 mmHg.
  • B: zuerst 5 Beatmungen mit Raumluft, bei den ersten 5 Beatmungen den Druck 2 bis 3 Sekunden halten. Das wichtigste Zeichen guter Belüftung ist der Anstieg der Herzfrequenz. Hebt sich der Brustkorb nicht, ist der Atemweg nicht unter Kontrolle. Vor der Herzdruckmassage muss die Beatmung wirksam sein. Danach 30 Beatmungen pro Minute.
  • C: zwei Daumen auf dem unteren Drittel des Brustbeins, Finger umgreifen den Brustkorb (Zangengriff). Ein Drittel des Brustkorbdurchmessers (etwa 4 cm) eindrücken und vollständig entlasten. Verhältnis 3:1 (etwa 90 Kompressionen und 30 Beatmungen pro Minute). Herzfrequenz alle 30 Sekunden prüfen, aufhören erst bei über 60 pro Minute.

Was heißt das für dich?

  • Köpfchen sichtbar: vor Ort. Etwas anderes: Klinik.
  • Warm, trocken, auf den Bauch der Mutter.
  • Blutung in der Schwangerschaft: flach, Beine hoch, Vorlagen zählen.

Siehe auch: Kindernotfälle, Schockformen, Erste Hilfe: Vorgehen.

Köpfchen sichtbar
Geburt vor Ort möglich
Beckenendlage
Kliniktransport
Abnabeln
Nach etwa 1 Minute, mindestens eine Handbreit vom Kind
Frühgeburt
Vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche
APGAR
Atmung, Puls, Grundtonus, Aussehen, Reflexe, je 0 bis 2
APGAR 10 bis 7
Lebensfrisch
APGAR 6 bis 4
Weitere Stabilisierung nötig
APGAR 3 bis 0
Reanimationspflichtig
Eileiterschwangerschaft
In 99 Prozent der Fälle Tubargravidität

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