Ertrinken, Immersion und Tauchunfälle

First Responder

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei Wasserunfällen gilt zuerst Eigenschutz: Die Rettung aus dem Wasser ist Aufgabe der Wasserrettung (zum Beispiel DLRG, Feuerwehr-Taucher), der Rettungsdienst arbeitet am Ufer. In Seen und Flüssen ertrinken die meisten Menschen, nicht im Schwimmbad.
  • Drei Zonen: rote Zone (Wasserbereich, größte Gefahr), gelbe Zone (mindestens 3 m ab Wasserkante, nur mit erweiterter PSA), grüne Zone (sicher, ohne PSA).
  • Ertrinken ist Ersticken: durch Wasseraufnahme mit Atem- und Kreislaufversagen durch Sauerstoffmangel. Auch wer sich erholt, wird 24 Stunden im Krankenhaus beobachtet (sekundäres Ertrinken, zum Beispiel Lungenödem).
  • Unterkühlte Menschen sind extrem kreislaufgefährdet: schonend und waagerecht retten (Bergungstod), keine Schocklage.
  • Tauchunfall: 100 % Sauerstoff, warm halten, flach oder Seitenlage, nie zurück ins Wasser (keine nasse Rekompression), Tauchcomputer sichern, tauchärztliche Beratung.

Ertrinken

  • Trockenes Ertrinken: Die Stimmritze verschließt sich reflexartig (Laryngospasmus), zunächst gelangt kein Wasser in die Lunge, Bewusstlosigkeit durch Sauerstoffmangel. Nasses Ertrinken: durch Bewusstlosigkeit fehlen die Schutzreflexe, Wasser tritt in die Lunge.
  • Ursachen: Panik, Erschöpfung, Unterkühlung, Suizid, Unterzucker, Vergiftung, Wasserpflanzen, Verletzung durch Wasserfahrzeuge, internistische Ursachen, Wirbelsäulen- und Schädel-Hirn-Trauma.
  • Immersion: Körper eingetaucht, Kopf über Wasser, vor allem Unterkühlung, Vorsicht bei Spritzwasser und Bewusstlosigkeit. Submersion: Körper und Gesicht unter Wasser.
  • Beinahe-Ertrinken: Die Person überlebt mindestens 24 Stunden. Sekundäres Ertrinken: verzögerte Reaktion, zum Beispiel Lungenödem nach Aspiration.
  • Stilles Ertrinken („Tod im Wasser“): Ausgelöst durch Notfälle, die an Land zu Notfällen geführt hätten (Herzinfarkt, Schlaganfall, Krampf, Unterzuckerung, Alkohol) oder durch Reflextod, Kälteschock, Gleichgewichtsstörung. Diese Personen machen sich oft nicht bemerkbar (kein Winken, kein Rufen). Schwer zu sehen bei Strömung, Wellen, überfüllten Badezonen, Tiefe, schlechtem Licht.
  • Schwimmbad-Blackout: Wer vorher bewusst hyperventiliert, atmet viel CO₂ ab. Der Atemreiz entsteht durch hohen CO₂-Gehalt, nicht durch Sauerstoffmangel: Die Blackout-Schwelle für Sauerstoff wird vor der Atemreiz-Schwelle erreicht, der Taucher wird ohne Vorwarnung bewusstlos.

Immersion im kalten Wasser: die vier Phasen

  1. Kälteschockreaktion (0 bis 3 Minuten): Atmung nicht mehr anhaltbar, massive, unkontrollierbare Hyperventilation.
  2. Kälteinduziertes Schwimmversagen (etwa 30 Minuten): Nerven- und Muskelfunktion nehmen ab, Entkräftung und Ertrinken.
  3. Unterkühlungsphase (über 30 Minuten).
  4. Rettungsphase: Afterdrop (Flüssigkeitsverschiebung) und Afterfall (Druck des Wassers fällt weg), jederzeit während und nach der Rettung.
  • Bergungstod: Der unterkühlte Körper ist extrem zentralisiert. Bewegung (zum Beispiel Schocklage) bringt sehr kaltes Schalenblut zum Herzen, es entsteht ein nicht defibrillierbares Kammerflimmern (unter 28 °C Körperkerntemperatur). Deshalb: schonende, achsengerechte, waagerechte Rettung.

Süß- und Salzwasser

  • Süßwasser: wäscht den Surfactant aus, Flüssigkeit verschiebt sich von der Alveole ins Blut, Blutvolumen steigt, Blutverdünnung und Hämolyse, Sauerstoffmangel, Übersäuerung, Schock, Kammerflimmern.
  • Salzwasser: Lungenödem durch Einstrom, Verdünnung und Denaturierung des Surfactant, Flüssigkeit wandert vom Blut in die Alveole, Blutvolumen sinkt, Bluteindickung, Sauerstoffmangel, Schock, Kammerflimmern.

Maßnahmen beim Ertrunkenen

  • Symptome: Atemnot, blaue Haut, Husten, Rasselgeräusche, Bewusstlosigkeit oder Wesensveränderung, Unterkühlung, Kraftlosigkeit. Anamnese erheben.
  • Sofort: aus dem Wasser (Wasserretter), Wiederbelebung nach ERC 2025: zuerst 5 Beatmungen, AED mit abgetrockneter Brust. Siehe Wiederbelebung.
  • Danach: Oberkörper hoch oder flach lagern, Wärmeerhalt (nasse Kleidung ausziehen), Sauerstoff, Beobachtung im Krankenhaus für 24 Stunden.
  • Überlegungen zur Reanimationsdauer: Ertrinkungsdauer über 25 Minuten, bei Wassertemperatur unter 6 °C 90 Minuten, über 6 °C 30 Minuten, Reanimationsdauer über 25 Minuten, fehlende Herztätigkeit, fehlende Pupillenreaktion, hohe Umgebungstemperatur.

Einsatztaktik an Gewässern

  • See: Suchgebiet in vier Abschnitte (Nord, Ost, Süd, West), Tauchereinsatzführer, Signalmann, Sicherheitstaucher, Bootsführer, Bootsgast. Suchmuster: Kreissuche um ein Grundgewicht, Suche in Bahnen mit Signalleine.
  • Fluss: Oberstromsicherung (oberhalb) und Unterstromsicherung (unterhalb). Erwartungsabschnitt = Strömung mal Zeit, Maximalabschnitt = Erwartungsabschnitt plus Sicherheitszuschlag (der doppelte Erwartungsabschnitt).

Tauchunfälle

  • Druck: Luftdruck sinkt mit der Höhe (1,0 bar auf Meereshöhe, 0,90 bar bei 1000 m). Unter Wasser steigt der Druck um 1 bar pro 10 m (10 m: 2 bar, 20 m: 3 bar, 30 m: 4 bar). Umgebungsdruck = Luftdruck plus Wasserdruck.
  • Boyle-Mariotte: Bei gleicher Temperatur steht der Druck im umgekehrten Verhältnis zum Volumen. 1 Liter Luft aus 30 m wird an der Oberfläche zu 4 Litern. Deshalb ist Ausatmen beim Aufstieg lebenswichtig.
  • Phasen: Abstieg (Druckausgleich, Gefahr Barotrauma), Aufenthalt (Gefahr Gasvergiftung), Aufstieg (Gefahr DCS und AGE).
  • Barotrauma: Verletzung lufthaltiger Körperhöhlen durch fehlenden Druckausgleich. Zeichen: Schmerz in der betroffenen Höhle. Beispiele ohne Gerät: Schwimmbrille (Schmerz, Blutung am Auge), Ohrstöpsel (Trommelfellriss, Blutung: austauchen, Wundversorgung, Arzt).
  • Gasvergiftungen: Stickstoff („Tiefenrausch“: schlechteres Denken, Orientierung, Reaktion, wie Alkoholrausch), Sauerstoff (Krampfanfall, besonders bei Nitrox, höchste Lebensgefahr durch Aspiration unter Wasser), Kohlendioxid, Kohlenmonoxid.
  • DCS (Dekompressionskrankheit): zu schnelles Auftauchen (Nullzeit nicht eingehalten), Stickstoffblasen in Gefäßen und Gewebe. Beschwerden kommen langsam, meist innerhalb von 3 Stunden, bis zu mehreren Stunden. Mild: Müdigkeit, Hautjucken („Taucherflöhe“). Schwer: Hautflecken, Schmerzen, Ameisenlaufen, Schwäche, Lähmungen (eher Querschnittbild), Taubheit, Harn- und Stuhlabgang, Atem-, Seh-, Hör- und Sprachstörung, Schwindel, Bewusstlosigkeit.
  • AGE (arterielle Gasembolie): Lungenriss durch Panik- oder Notaufstieg, Luft angehalten, Air Trapping. Unabhängig von Tauchzeit und Tiefe. Zeichen kommen schlagartig beim Erreichen der Oberfläche oder kurz danach: Hustenreiz, Blut im Auswurf, Druck hinter dem Brustbein, Atemnot, Schwellung im Brust-, Hals- und Kopfbereich, Rhythmusstörungen, Halbseitenlähmung, schlaganfall- und infarktähnliche Zeichen.
  • Lungenüberdruckunfall: Lungenberstungsdruck zwischen 80 und 100 mbar. Folgen: Pneumothorax, Haut- und Mediastinalemphysem, koronare Ischämie, Bewusstlosigkeit.
  • DCI umfasst DCS und AGE.
  • Maßnahmen: aus der Gefahrenzone retten, beruhigen, beim Ablegen des Geräts helfen, Gerät sichern, 100 % Sauerstoff, Wärmeerhalt, Flachlagerung oder Seitenlage ohne unnötigen Wechsel, keine nasse Rekompression, Tauchcomputer sichern, leichte Symptome 24 Stunden Beobachtung im Krankenhaus, schwere Symptome Transport mit Hubschrauber organisieren, tauchärztliche telefonische Beratung (zum Beispiel Marine, VDST, DAN).
  • Neurologischer Kurzcheck für Taucher (Bewusstsein, Orientierung, Sprache, Sehen, Mimik, Motorik, Sensibilität, Koordination, Gang) wird bei Verdacht abgefragt.
  • Druckkammern gibt es in Deutschland unter anderem in Berlin, Halle, Hamburg, Soltau, Münster, Gelsenkirchen, Aachen, Wiesbaden, Ludwigshafen, Freiburg, München, Traunstein und Regensburg.

Was heißt das für dich?

  • Nicht ins Wasser, wenn du nicht ausgebildet bist.
  • Unterkühlt: waagerecht und schonend.
  • Tauchunfall: Sauerstoff, Wärme, Gerät und Computer sichern, nie zurück ins Wasser.

Siehe auch: Wasserrettung, Eisrettung, Wiederbelebung, Hitze, Kälte, Verbrennung, Taucher der Feuerwehr.

Ertrunkene Deutschland 2025
393 Personen
Ertrunkene Brandenburg 2025
25 Personen
Meiste Ertrinkungsfälle
Seen und Flüsse, im Sommer, überwiegend Männer
Gelbe Zone
Mindestens 3 m ab Wasserkante, nur mit erweiterter PSA
Wassertiefe Druck
1 bar pro 10 m zusätzlich
Boyle-Mariotte
1 Liter aus 30 m Tiefe wird an der Oberfläche zu 4 Litern
DCS
Langsam, Stunden nach Auftauchen, Stickstoffblasen
AGE
Schlagartig beim Auftauchen, Lungenriss, Halbseitenlähmung
Unterkühlung unter 28 Grad
Nicht defibrillierbares Kammerflimmern möglich

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