Das Wichtigste in Kürze
- Führungseinheiten unterstützen den Einsatzleiter stabsstellenartig, aber nicht stabsmäßig: Führungstrupp (Gesamtstärke 3), Führungsstaffel (6) und Führungsgruppe (9).
- Basis ist die Sachgebietsgliederung S1 bis S6 der FwDV 100: S1 Personal, S2 Lage, S3 Einsatz, S4 Versorgung, S5 Presse, S6 Informations- und Kommunikationswesen. Sachgebiete dürfen kombiniert werden.
- Der Führungsassistent vertritt den Einsatzleiter und braucht dieselbe Führungsqualifikation.
- Fahrzeuge: KdoW nimmt höchstens einen Führungstrupp auf, der ELW 1 einen Führungstrupp plus Einsatzleiter, der ELW 2 eine Führungsstaffel oder Führungsgruppe.
- Aufgaben vorab verteilen: In Hochstressphasen hilft ein vorgeplantes Aufgabenmodell mit bekannten Führungsmitteln.
- Führungstrupp (FüTrp)
- Idealbesetzung 1/1/1/3: Führungsassistent, Lagekartenführer/Melder, Sprechfunker/Dokumentation/Fahrer. Minimal -/1/1/2 oder 1/-/1/2
- Führungsstaffel (FüStff)
- Idealbesetzung 6 Kräfte: Leiter, 2 Führungsassistenten, Lagekartenführer/Melder, 2 Sprechfunker/Dokumentation
- Führungsgruppe (FüGrp)
- Idealbesetzung 9 Kräfte: Leiter, 4 Führungsassistenten, Lagekartenführer/Melder, Einsatztagebuchführer, 2 Sprechfunker
- Einrichtung ab
- FüTrp ab mehreren Zügen, FüStff ab mehreren Verbänden I, FüGrp ab mehreren Verbänden II
- Hinweis
- Die Publikation der LSTE „Einsatzführung mit Führungseinheiten in den Führungsstufen B und C“ (Version 1.0, März 2021) ist eine Empfehlung, ihre Umsetzung ist freiwillig. Maßgeblich bleiben die FwDV 100, die Erlasse des Landes und die Vorgaben deines Trägers. Die Stärkeschreibweisen (Führer/Unterführer/Helfer/Gesamt) sind in der Publikation nicht überall gleich, entscheidend sind Gesamtstärke und Funktionen.
Grundlagen
Wofür Führungseinheiten da sind
- Sie entlasten den Einsatzleiter, wenn die Lage zu groß wird, um allein beurteilt und priorisiert zu werden.
- Sie entscheiden nicht, sie bereiten vor: Erkundungsergebnisse, Lagebild, Vorschläge, Dokumentation.
- Der Einsatzleiter bleibt verantwortlich für Entschluss und Befehl.
Die Sachgebiete S1 bis S6
- S1 Personal / Innerer Dienst: Kräfte erfassen, Ablösung, Schichtplanung.
- S2 Lage: Erkunden, Lagebild (Lagekarte, Lageskizze), Meldungen, Prognosen.
- S3 Einsatz: Aufträge, Einsatzabschnitte, Organisation der Kräfte und des Raumes.
- S4 Versorgung: Verpflegung, Betriebsstoffe, Nachschub.
- S5 Presse- und Medienarbeit: Pressemitteilungen (nach Regelung des Trägers).
- S6 Informations- und Kommunikationswesen: Funk, Kommunikationsplan.
- Kombinieren ist gewollt: Ein Gruppenführer übernimmt bei einem Alltagseinsatz alles selbst. In der Führungseinheit werden Sachgebiete gebündelt (zum Beispiel S1/S4 oder S3/S6).
Allgemeine Unterstützungsaufgaben
- Lage feststellen: Erkundung unterstützen, Meldungen sammeln und Quellen unterscheiden, Vermutungen kennzeichnen, Lagekarte pflegen.
- Kräfte erfassen: Kräfteübersicht (angefordert, eingetroffen, eingesetzt), Führungsorganisation mit Erreichbarkeiten, Verpflegungsbedarf, Auftragskontrolle.
- Beurteilung vorbereiten: Ressourcenmängel erkennen, Prognosen mit Fachberatern, Schwerpunkte ermitteln.
- Entscheidungsvorlagen: Lösungsvorschläge mit Vor- und Nachteilen, Planungshilfen (Wasserversorgung, Löschwasserrückhaltung, Verpflegung, Bevölkerungswarnung).
- Dokumentieren: Informationsstände, Anweisungen, Aufträge chronologisch.
- Veranlassen: Sammel- und Bereitstellungsräume mit Lotsenstellen, Nachschub, Reserven, Einweisung der Abschnittsleiter, Kommunikationswege (zum Beispiel weitere Rufgruppen über die ASBB), Lagebesprechungen und Lagemeldungen (auch Meldungen wichtiger Ereignisse).
Die drei Einheiten
Führungstrupp (FüTrp)
- Zweck: stabsstellenartige Unterstützung von einem Zug bis zu einer Bereitschaft (bis fünf Züge). Zusammen mit Einsatzleiter und Leitstelle bildet er die Einsatzleitung. Er ist auf örtlicher Ebene eine routinierte bis alltägliche Entscheidung.
- Besetzung (1/1/1/3):
- Führungsassistent (Leiter des Führungstrupps, Vertreter des Zug- oder Verbandsführers, gleiche Qualifikation).
- Lagekartenführer/Melder (ideal ein Gruppenführer, auch wegen der Erkundung).
- Sprechfunker/Dokumentation/Fahrer.
- Bei Kräftemangel: -/1/1/2 oder 1/-/1/2, eine Kraft nimmt beide Hilfsfunktionen mit festgelegten Prioritäten wahr.
- Erweiterbar: Je nach Lage kommt ein zweiter Sprechfunker oder ein Erkunder in die Abschnitte dazu, wenn Meldungen ausbleiben.
- Aufgabenbeispiele des Führungsassistenten: Erkunden (vier Phasen), Infos beschaffen und aufbereiten, Führungsorganisation skizzieren, Lagemeldungen vorbereiten, Bereitstellungsräume und Sammelstellen einrichten, Aufträge überwachen, Lagebesprechungen vorbereiten, Prognosen erarbeiten.
Führungsstaffel (FüStff)
- Zweck: Entflechtung der Aufgabenfülle bei mehreren taktischen Verbänden (Bereitschaften). Mehrere Führungsassistenten übernehmen Sachgebiete (bis in den operativ-taktischen Bereich).
- Besetzung (Gesamtstärke 6):
- Leiter der Führungsstaffel (S3 und S6, zugleich stellvertretender Verbandsführer, gleiche Qualifikation wie der Einsatz(abschnitts)leiter).
- 2 Führungsassistenten: S1 und S4, S2 und S5.
- Lagekartenführer/Melder (ideal Gruppenführer).
- 2 Sprechfunker/Dokumentation.
Führungsgruppe (FüGrp)
- Zweck: operativ-taktische Unterstützung bei mehreren Verbänden II (Abteilungen), bis hin zu situativ-strategischen Aufgaben.
- Besetzung (Gesamtstärke 9):
- Leiter (stellvertretender Abteilungsführer, gleiche Qualifikation wie der Einsatz(abschnitts)leiter).
- 4 Führungsassistenten: S1/S4, S3/S6, S2/S5 und einer z. b. V. (zur besonderen Verwendung).
- Lagekartenführer/Melder (ideal Gruppenführer).
- Einsatztagebuchführer/Dokumentation.
- 2 Sprechfunker.
- Leiter der Führungsgruppe: vertritt den Einsatzleiter bei Abwesenheit, kontrolliert die Zielrichtung und steuert die Arbeit der Assistenten.
Fahrzeuge und Arbeitsplatz
Welches Fahrzeug für welche Einheit?
- KdoW (Brandschutzeinheiten Brandenburg): geländefähig, zum Erkunden und für (Unter-)Abschnittsleitung. Nimmt höchstens einen Führungstrupp auf, meist einen verkleinerten (-/1/1/2).
- ELW 1: Führung von Brandschutz- und Gefahrstoffeinheiten und Führungsfahrzeug der örtlichen Einsatzleitung ab Stufe B. Besatzung: Führungstrupp plus Einsatz(abschnitts)leiter. Mobile Befehlsstelle für bis zu zwei Bereitschaften.
- ELW 2: mobile Befehlsstelle für bis zu zwei Abteilungen, getrennter Fernmeldebetriebs- und Führungsraum, Führungsstaffel oder -gruppe plus Fachberater und Verbindungspersonen.
- Abwägung ELW 2: Größe der Einsatzstelle, erwartete Dauer, nötige Führungseinheit, technische Voraussetzungen.
- Ort der Befehlsstelle: Nähe zur Einsatzstelle abwägen, Hauptzufahrt, Funk- und Mobilfunkabdeckung, gegebenenfalls Gebäude oder weitere Fahrzeuge (MTW) nutzen.
Sitzordnung im KdoW (Beispiel)
- Sprechfunker/Fahrer: Beifahrerplatz, direkte Bedienung der Digitalfunkgeräte und Dokumentation.
- Lagekartenführer/Melder: zweite Reihe links, beschreibbare Trennwand (magnethaftend, bis DIN A2) für Lageeintrag und Kräfteübersicht.
- Führungsassistent: zweite Reihe rechts, direkter Austausch mit dem Lagekartenführer, schnelles Aussteigen.
- Einsatz(abschnitts)leiter: kein fester Platz, wählt nach Bedarf (Blick auf die Wand, Kontakt zum Führungsassistenten).
- Bei guter Witterung kann die Lagedarstellung außerhalb stattfinden, das Fahrzeug dient dann dem Funkverkehr.
Typische Fehler
Was bei Führungseinheiten schiefgeht
- Keine klaren Aufgaben: Jeder macht alles, niemand fühlt sich zuständig.
- Meldung nur mündlich, nichts dokumentiert.
- Lagekarte nicht aktuell.
- Der Führungsassistent hat nicht die Qualifikation des Einsatzleiters und kann ihn nicht vertreten.
- Zu viele Fachberater im Fahrzeug, kein Platz zum Arbeiten.
Weiterführend
Die Landesschule stellt die Publikation bereit: Fachinformation „Führungsunterstützung“ der Landesschule (LSTE).