Das Wichtigste in Kürze
- Vordrucke und Hilfsmittel beschleunigen Erfassen und Verarbeiten von Informationen. Sie sind Angebote, keine starren Vorgaben, und dürfen den Einsatz nicht selbst zum Zweck machen.
- Nachrichtenvordruck (zwei- oder vierfach): stille Informationsweitergabe, Fragen Wo, Wann, Was, Wie, Wer, Merkschema MELDEN.
- Fernmeldeformular und Melde-/Vermerkkarte dokumentieren Gespräche und anrückende Einheiten.
- Einsatztagebuch ab Stufe C intensiv, in Stufe D unverzichtbar. Es ist eine Urkunde: Seiten nummerieren, unterschreiben, nichts entfernen oder unleserlich machen.
- Aufträge eindeutig zuweisen: Wer? Was? Bis wann? Das schützt vor „Man müsste mal …“.
- Nachrichtenvordruck zweifach
- weißes Blatt (Laufzettel zum Leiter) und rotes Blatt (zum Führungsassistenten S2/S5 für die Lagekarte)
- Merkschema MELDEN
- Meldender, Einsatzstelle/-abschnitt, Lage, Durchgeführte Maßnahmen, Eingesetzte Kräfte/Mittel, Nachforderungen
- Einsatztagebuch
- ab Stufe C intensiv, in Stufe D unverzichtbar, Aufbewahrung 10 Jahre, wenn nichts anderes vorgegeben ist
- Auftragsüberwachungsliste
- Auftrag, Auftraggeber, Erledigung, Bearbeitungsstand in Viertelschritten (25/50/75/100 %)
- Hinweis
- Die Publikation der LSTE „Einsatzführung mit Führungseinheiten in den Führungsstufen B und C“ (Version 1.0, März 2021) ist eine Empfehlung, ihre Umsetzung ist freiwillig. Maßgeblich bleiben die FwDV 100, die Erlasse des Landes und die Vorgaben deines Trägers. Die Vordrucke sind Anregungen und lassen sich regional anpassen.
Grundsätze
Wozu Führungsmittel?
- Der Informationsfluss wird strukturiert, Entscheidungen werden nachvollziehbar, Fehler durch mündliche Weitergabe werden weniger.
- Mit der Führungsstufe wächst die Detailtiefe, in Stufe A bis B genügen oft Lagekarte und wenige Vordrucke.
- Nicht Selbstzweck: Der Vordruck dient der Aufgabe, nicht umgekehrt. Zu aufwendig gewordene Vordrucke bremsen im ELW den Arbeitsfluss.
- Datendienste (E-Mail) können den Sprechfunk entlasten und Aussagen verbindlicher machen.
Nachrichten und Gespräche
Nachrichtenvordruck (zweifach oder vierfach)
- Zweck: stille Weitergabe zwischen Führungsassistenten, Hilfspersonal und Sprechfunkern (Schnittstelle zu Leitstelle, Abschnitten und anderen Stellen). Der Vordruck erlaubt eine chronologische Nachweisführung.
- Inhalt: Beantworte Wo? Wann? Was? Wie? Wer? Nutze das Schema MELDEN. Prüfe: Ist die Nachricht lesbar? Könnte ich damit selbst handeln?
- Vierfach-Vordruck (Empfehlung der AKNZ) ist im Führungsstab üblich. In ELW 1 und ELW 2 kann er den Ablauf bremsen, dann bietet sich der Zweifach-Vordruck mit gleichem Grundaufbau an, so lässt er sich bei Aufwuchs auf vierfach umstellen.
- Weg des Zweifach-Satzes: Weißes Blatt (durchschreibefähig) geht als Laufzettel zuerst an den Leiter der Führungseinheit. Dieser sieht alle Nachrichten und erkennt Abstimmungsbedarf. Das rote Blatt wird abgetrennt und geht an S2/S5, wo der Inhalt für die Lagekarte bewertet wird.
Fernmeldeformular
- Zweck: Kommunikationsverlauf festhalten, auch Gespräche außerhalb des Digitalfunks (Draht, Mobilfunk).
- Kopf: Einsatzstelle, Datum, Fernmelder, Rufgruppen (Führung, Abschnitte, Bereitstellungsraum) und Mobilfunknummer der Führungseinheit für Rückfragen.
- Tabelle: Taktische Uhrzeit, Weg, Gegenstellen (Leitstelle, Einsatzabschnitte, Bereitstellungsraum, sonstige), Inhalt, Kontrolle und erledigt um. Ein Punkt zeigt, wer das Gespräch begonnen hat, ein Strich mit Pfeil die Gegenstelle.
- Beispielnutzen: Aus Nachforderungen entsteht ein Auftragsbedarf, das Ausrufezeichen unter „Kontrolle“ erinnert, bis die Alarmierung erledigt ist.
Melde-/Vermerkkarte für anrückende Kräfte
- Zweck: Bei gestaffelt eintreffenden Einheiten schnell zuordnen, wer mit wie vielen Kräften wohin gehört, und Missverständnisse beim Auftrag vermeiden.
- Zweiteilung: Oberer Teil füllt die anrückende Einheit schon auf der Anfahrt aus (Funkrufname, Fahrzeuge, Stärke). Unterer Teil füllt die Führungseinheit oder der Meldekopf des Bereitstellungsraums aus (Einweisung, Auftrag, Einsatzinformationen).
- Durchschreibesatz: Beide Seiten behalten ein Exemplar. Als Blattfarbe wird Orange vorgeschlagen, weil Weiß und Rot schon für Nachrichtenvordrucke belegt sind.
- Herkunft der Idee: aus dem Führungsmittelportfolio des Landkreises Elbe-Elster, in der Publikation weiterentwickelt.
Übersichten und Lage
Kräfteübersichten (S1/S4)
- Zweck: Kräftebestand je (Unter-)Einsatzabschnitt und für die gesamte Einsatzstelle fortlaufend führen. So erkennt man früh, wann Kräfte ausgetauscht werden müssen, und kann Verpflegung planen (Fürsorgepflicht des Einsatzleiters).
- Inhalt: Fachdienst/Organisation, Einheit, Stärke, Führer, Einsatzbeginn und -ende, nicht einsatzbereit (mit Grund), Bemerkungen.
- Mindestens drei Vorlagentypen gehören zusammen: Einzelübersicht je Abschnitt, Gesamtübersicht und Übersicht der angeforderten und bereitstehenden Kräfte.
Lagedarstellung, Lagemeldung, Lagevortrag
- Analoge Lagedarstellung: Lagekarte oder Lageskizze mit den entscheidenden Informationen (siehe Seite „Lagedarstellung“).
- Lagemeldung: Meldet die Lage nach oben und seitlich. Bei Großschadenslagen verfasst die Führungseinheit sie selbst, nicht mehr die Leitstelle. Sie dient auch dem Lageüberblick der Abschnitte. Für Meldungen wichtiger Ereignisse gilt der jeweils gültige Erlass.
- Aufbau einer Vorlage: Kopf mit Absender, Empfängerkreis, fortlaufender Nummer, dann nummerierte Freitextfelder: Personenschäden (Tatsachen von Vermutungen trennen), Kräfte und Mittel nach BOS, Gefahrenlage, Maßnahmen, Beeinträchtigungen benachbarter Gebietskörperschaften, Nachforderungen (mit Ort und Zeit des Eintreffens), Kontaktdaten von Einsatzleitung und Bereitstellungsraum.
- Lagevorträge und -besprechungen: Kurz und strukturiert, am Ende Aufträge zuweisen und festhalten.
Schichtplanung und Alarmierung der Führungseinheit
- Planen, wer die Führungseinheit alarmiert und wann abgelöst wird. Lange Lagen erfordern Schichten, die Funktionen sind doppelt zu besetzen.
Dokumentation und Befehle
Einsatztagebuch
- Zweck: chronologische Aufzeichnung von Lageerkenntnissen, Planungen (auch Lagebeurteilung), besonderen Vorkommnissen, Aufträgen und Anordnungen.
- Wann: In Stufe A bis B genügen oft die anderen Führungsmittel. Ab Stufe C sollte alles inklusive Abwägungen dokumentiert werden, in Stufe D ist es unverzichtbar.
- Wert: Nachvollziehbarkeit während des Einsatzes, rechtlicher Nachweis der Letztinstanz nach dem Einsatz, Auswertung der Führungsarbeit.
- Regeln: Funktionsbesetzung mit Namen festhalten, Teilblätter fortlaufend nummerieren, bei Schichtwechsel oder Einsatzende vom Leiter der Führungseinheit und vom Einsatztagebuchführer unterschreiben. So wird es zur Urkunde.
- Nicht erlaubt: Blätter entfernen oder Einträge unkenntlich machen. Korrektur nur durch lesbare Streichung mit einem andersfarbigen Stift.
- Digital: Textprogramme sind nur zulässig, wenn die Einzelseiten zeitnah ausgedruckt und unterschrieben werden.
- Aufbewahrung: zehn Jahre, sofern eine Dienstanweisung oder Rechtsverordnung nichts anderes vorgibt.
Schriftlicher Befehl (Einsatz, Marsch, IuK)
- Bis etwa 9 bis 50 Kräfte reicht meist die mündliche Befehlserteilung. Mit mehr Kräften, größerer Einsatzstelle, langer Dauer werden schriftliche Befehle wichtig (Übersicht, Eindeutigkeit, Verbindlichkeit).
- Auftragstaktik: Bei großen Lagen gibt die Einsatzleitung das Ziel vor, die Abschnitte entscheiden über den Weg.
- Gliederung nach FwDV 100 (Lage, Auftrag, Durchführung und so weiter) mit Freitextfeldern, Kopf mit Hierarchie, Zeit, Nachweis-Nr., Lagekarte, Kommunikationsplan oder Führungsskizze als Anlage, am Ende Verteiler und Unterschrift.
- Vorteil: Der Aufwand ist kleiner als das nachträgliche Beheben von Umsetzungsfehlern in den Abschnitten.
Weitere Hilfsmittel
- Verpflegungs- und Betriebsstoffberechnung, Versorgungsmeldung: planen, was die Kräfte brauchen.
- Pressemitteilung: Abstimmung mit dem Träger des Brandschutzes, vorbereitete Vordrucke und Verteiler.
- Taktischer Organisations-/Kommunikationsplan (TOKP, nach FwDV 800): zeigt Aufbau der Führungsorganisation und verbindliche Kommunikationslinien mit Rufgruppen. Pflege durch S3 (und S6) in Absprache mit dem Leiter.
- Auftragsüberwachungsliste: Liste mit Auftrag, Auftraggeber, Zeitpunkt, Erledigung und Bearbeitungsstand (Viertelkreise 25/50/75/100 %), auch zur Lagebesprechung hilfreich.
Kommunikation
Aufträge eindeutig zuweisen
- Schlecht: „Man müsste die Wasserversorgung über die lange Strecke berechnen.“ Niemand fühlt sich zuständig.
- Gut: Eine Funktion, eine Aufgabe, ein Termin. Beispiel aus der Publikation, sinngemäß: Der Führungsassistent S3/S6 berechnet die Wasserversorgung von der Entnahmestelle über den Weg zur Übergabestelle bei 800 l/min an der Riegelstellung bis zum nächsten Lagevortrag, Kräfte und Mittel mit S1/S4 abstimmen.
- Leiter priorisiert am Ende jeder Besprechung, verknüpfte Aufträge kennzeichnen, Auftragsliste für alle sichtbar führen.
Typische Fehler
Was bei Führungsmitteln schiefgeht
- Vordruck als Selbstzweck: mehr Schreiben als Führen.
- Uhrzeit uneinheitlich: immer taktische Uhrzeit verwenden.
- Tatsachen und Vermutungen vermischt.
- Einsatztagebuch nachträglich geändert statt sichtbar korrigiert.
- Aufträge ohne Namen und Termin.
- Lagekarte und Kräfteübersicht nicht abgeglichen.
Weiterführend
Die Vorlagen (zum Beispiel Fernmeldeformular, Nachrichtenvordruck, Melde-/Vermerkkarte, Einheitenübersicht) stellt die Landesschule bereit: Fachinformation „Führungsunterstützung“ der Landesschule (LSTE).