Das Wichtigste in Kürze
- Die FwDV 100 kennt vier Führungsstufen: A (Führen ohne Führungseinheit) bis D (Führen mit Führungsgruppe oder Führungsstab). Dazwischen gehen B und C fließend ineinander über.
- Führungsstufe B: mindestens zwei Gruppen gleichzeitig bis etwa eine Bereitschaft (Verband I). Unterstützung durch Führungstrupp, auch Führungsstaffel, Fahrzeug KdoW bis ELW 1.
- Führungsstufe C: mindestens zwei Züge bis etwa fünf Bereitschaften (Verband II). Unterstützung durch Führungsstaffel oder Führungsgruppe, Fahrzeug ELW 1 bis ELW 2.
- Die Stufen sind fließend: Wächst die Lage, verschieben sich die Bezeichnungen der Führungsebenen (aus Gruppenführern werden Untereinsatzabschnittsleiter und so weiter).
- Regel: Eine Führungseinheit früh einzubinden ist besser als zu spät. Zurückbauen geht leichter als spät aufbauen.
- Stufe A
- Führen ohne Führungseinheit (Einsatzleiter mit Leitstelle, bis etwa zwei Gruppen mit gleichartigen Aufgaben)
- Stufe B
- mindestens 2 Gruppen (zum Beispiel 0/2/16/18) bis Verband I/Bereitschaft (5/10/80/95)
- Stufe C
- mindestens 2 Züge (2/4/32/38) bis Verband II/Abteilung (15/50/400/465)
- Stufe D
- Führungsgruppe oder Führungsstab, mehrere Einsatzstellen oder mehrere Technische Einsatzleitungen
- Führungsspanne
- je Führungsebene in der Regel nicht mehr als drei Trupps, zwei Gruppen oder drei bis fünf Züge oder Verbände
- Hinweis
- Die Publikation der LSTE „Einsatzführung mit Führungseinheiten in den Führungsstufen B und C“ (Version 1.0, März 2021) ist eine Empfehlung, ihre Umsetzung ist freiwillig. Maßgeblich bleiben die FwDV 100, die Erlasse des Landes und die Vorgaben deines Trägers.
Das System
Vier Stufen, fließende Übergänge
- A: Der Einsatzleiter führt allein mit der Leitstelle als rückwärtiger Führungseinrichtung. Das reicht für bis zu zwei Gruppen mit gleichartigen, routinierten Aufträgen.
- B und C: Der Einsatzleiter braucht Unterstützung, die größer wird, je mehr Kräfte, Aufgaben und Fläche dazukommen.
- D: mehrere taktische Verbände oder mehrere Einsatzstellen: Führungsgruppe oder Führungsstab, mit oder ohne eigene Fernmeldebetriebsstelle.
- Maßgeblich für die Stufe ist das Verhältnis aus Zeit, Größe der Einsatzstelle, verfügbaren Kräften und Mitteln und der Menge und Art der Aufgaben.
Führungsebenen und ihre Bezeichnungen
- Einsatzleitung (EL): gesamtverantwortliche Führung der Einsatzstelle (Letztinstanz).
- Einsatzabschnittsleitung (EAL) und Untereinsatzabschnittsleitung (UEAL): Führung eines räumlichen oder tätigkeitsbezogenen Abschnitts, einer anderen Stelle unterstellt.
- Technische Einsatzleitung (TEL): Führungsebene an der Schadenstelle mit Führungsstaffel bis Führungsgruppe bei ausgedehnten Lagen mit mehreren Abschnitten.
- Führungsstab: gewöhnlich erst in Stufe D, wenn mehrere TEL rückwärtig geführt werden (zum Beispiel bei Hochwasser oder Sturm).
Beispiel: Wie sich Bezeichnungen verschieben
- Ein Zug arbeitet mit zwei Gruppen an einer Einsatzstelle. Der Zugführer ist Einsatzleiter, die Gruppenführer sind (vorläufig) Einsatzabschnittsleiter.
- Der Einsatzleiter fordert zwei weitere Züge nach. Drei Zugführer sind jetzt gleichrangig verantwortlich, es braucht eine neue Ebene darüber.
- Die Zugführer werden Einsatzabschnittsleiter, die Gruppenführer Untereinsatzabschnittsleiter, die Einsatzleitung übernimmt ein Verbandsführer.
- Warum das wichtig ist: Alle müssen dieselbe Bezeichnung für dieselbe Aufgabe verwenden, damit niemand falsche Annahmen trifft.
Stufe B
Merkmale der Führungsstufe B
- Kräfte: mindestens zwei Gruppen gleichzeitig (jeweils 1/8/9 oder entsprechende Trupps und Staffeln) bis etwa fünf Züge (Bereitschaft). Dann braucht es eine Instanz über den Gruppenführern, damit sich Zuständigkeiten nicht überschneiden.
- Führungskraft: In der Regel Zugführer oder Verbandsführer. Sie entscheidet vor allem technisch-taktisch und führt meist durch Auftragstaktik. Sie ordnet Kräfte, Raum und Zeit.
- Unterstützung: mindestens ein Führungstrupp (0/1/2/3 oder 1/0/2/3), bei Zunahme eine Führungsstaffel (1/2/3/6).
- Kommunikation: Eine Stelle muss die Kommunikation bündeln und immer mit der Leitstelle verbunden sein. Mindestens Digitalfunk BOS (Netz- und Direktbetrieb). Mobilfunk als Ersatz empfehlenswert.
- Fahrzeug: KdoW bis ELW 1. Der ELW 1 bietet mehr Platz, Wetterschutz und Technik. Dann steht er nicht mehr zum Erkunden zur Verfügung, deshalb eignet sich der KdoW bei großen Flächen (zum Beispiel Waldbrand) allein zum Erkunden. Alternativ geländetaugliche Motorräder oder ATV.
- Befehlsstelle: schadensortnah und mobil.
- Typischer Ablauf: Aus der Einsatzleitung in Stufe B wird mit wachsender Lage oft eine Einsatzabschnittsleitung, über ihr entsteht eine neue Einsatzleitung (dann Stufe C).
Stufe C
Merkmale der Führungsstufe C
- Kräfte: mindestens zwei Züge gleichzeitig (2/4/32/38) bis etwa fünf Bereitschaften (Verband II/Abteilung, 15/50/400/465). Mehrere BOS und mehrere Ortsfeuerwehren oder benachbarte Gebietskörperschaften sind im Einsatz. Zum Vergleich: Eine Brandschutzeinheit im Land Brandenburg hat die Stärke 5/13/55/73.
- Einsatzleiter: mindestens die Qualifikation Verbandsführer, idealerweise zusätzlich Einführung in die Stabsarbeit. Mindestens eine weitere Kraft der Führungseinheit mit Verbandsführer-Ausbildung als Stellvertreter.
- Unterstützung: Führungsstaffel (1/2/3/6) bis Führungsgruppe (2/3/4/9).
- Aufgaben: Abschnitte bilden, Kräfte, Raum, Zeit und Informationen ordnen, Bereitstellungsräume und Sammelräume mit Lotsenstellen, Reserven, Logistikkonzepte (Verpflegung, Betriebsstoffe), Kommunikationslinien bündeln, gegebenenfalls Fernmeldebetriebsstelle.
- Entscheidungen: zunehmend operativ-taktisch, teilweise strategisch. Statt Detail tritt die Abstimmung über die gesamte Einsatzstelle in den Vordergrund.
- Fahrzeug: ELW 1 bis ELW 2. Praktisch eignet sich der ELW 2 (Arbeitsraum, Besprechungsraum). ELW 1 dienen eher als Anlaufstelle der Einsatzabschnittsleitungen.
- Befehlsstelle: meist schadensortnah bis rückwärtig, mobil oder ortsfest.
- Dreiteilung der Gesamtführung: Neben dem technisch-/operativ-taktischen Handeln kann administrativ-organisatorisches Verwaltungshandeln nötig sein (zum Beispiel Evakuierungsentscheidung). Die politische Gesamtverantwortung liegt beim Hauptverwaltungsbeamten.
Abschnittsbildung in Stufe C
- Räumlich (Nordabschnitt, Südabschnitt) oder nach Tätigkeit (zum Beispiel Medizinische Rettung gemeinsam mit dem Rettungsdienst, Wasserversorgung).
- Aufbau einer Abschnittsleitung nicht ohne Not ändern: Die Organisation, die ein unterstellter Abschnittsleiter entwickelt hat, wird nur in Ausnahmefällen neu gegliedert.
- Kommunikationsplan: Wege und Mittel müssen sich in einem Kommunikationsplan widerspiegeln (siehe Seite „Führungsmittel“).
In der Praxis
Wann die Führungseinheit eingebunden wird
- Früh entscheiden: Auch scheinbar harmlose aufwachsende Lagen brauchen frühzeitig eine Führungseinheit, um nachrückende Kräfte geordnet heranzuführen.
- Abwägung: Eine geordnete Zuteilung der richtigen Kräfte zum richtigen Auftrag ist wichtiger als die kurze Verzögerung, weil Kräfte in die Führung abgezogen werden.
- Vorplanung: In der Alarm- und Ausrückeordnung können Führungseinheiten bei bestimmten Stichworten gleich mitalarmiert werden (zum Beispiel Waldbrandschwerpunkte).
- Rückbau einer zu früh eingerichteten Führungseinheit ist einfacher als der verspätete Aufbau.
- Gemeinsames Bild: Alle in der Einsatzleitung müssen die gleiche Vorstellung von Aufbau und Aufgaben haben (gemeinsames mentales Modell), besonders in Hochstressphasen.
Typische Fehler
- Zu spät unterstützt, der Einsatzleiter versinkt in Einzelaufgaben.
- Zu viele direkt Unterstellte: Führungsspanne überschritten.
- Bezeichnungen nicht angepasst: Alle reden von „Abschnitt“, meinen aber Verschiedenes.
- Kommunikation nicht gebündelt: Jeder funkt mit jedem.
- Führungsfahrzeug als Erkunder und Befehlsstelle zugleich, beides leidet.
Weiterführend
Die Landesschule stellt die Publikation und Vorlagen bereit: Fachinformation „Führungsunterstützung“ der Landesschule (LSTE).