Das Wichtigste in Kürze
- Die FwDV/DV 810 regelt den Sprech- und Datenfunkverkehr, vor allem im Digitalfunk BOS (TETRA-Standard).
- Gruppenruf ist die Regel, der Einzelruf nur, wenn er taktisch unbedingt erforderlich ist.
- Ein Funkspruch folgt festen Bausteinen: Anruf – Anrufantwort – Nachricht – „Verstanden“ – „Ende“.
- Statusmeldungen (0 bis 9) verkürzen den Funkverkehr. Der Notruf ist nur bei Gefahr für Leib oder Leben erlaubt.
- Kommunikation auf das unumgängliche Maß beschränken: deutlich, nicht zu schnell, kurz und präzise.
- Titel
- Sprech- und Datenfunkverkehr
- Stand
- Ausgabe 2018 (14.09.2018), vom AFKzV am 14.03.2019 genehmigt
- Aufbau
- Teil I Digitaler Sprech- und Datenfunk (7 Kapitel), Teil II Analoger Sprechfunk, Anlagen (Abkürzungen, Fachbegriffe)
- Geltung
- Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz. Für die Polizei gibt es eine eigene Vorschrift.
- Wichtig für
- alle Einsatzkräfte, Sprechfunker, Führungskräfte
Digitalfunk BOS
Das Netz
Der Digitalfunk BOS ist ein bundesweit einheitliches Funknetz nach dem TETRA-Standard. Merkmale: Abhörsicherheit durch Verschlüsselung, bundesweite oder regionale Nutzung, Übertragung der Teilnehmerkennung, differenzierte Berechtigungen. Verantwortlich ist die BDBOS, in den Ländern gibt es Autorisierte Stellen (AS). Diese Aufgabe nimmt in Brandenburg die zuständige Stelle des Landes wahr.
Netzbetrieb und Direktbetrieb
- TMO (Netzbetrieb): Kommunikation über das Funknetz, zum Beispiel mit der Leitstelle.
- DMO (Direktbetrieb): Geräte sprechen direkt miteinander, ohne Netz. Das wird bei taktischer Notwendigkeit oder fehlender Versorgung genutzt, zum Beispiel in Gebäuden.
- Die Kommunikation erfolgt vorzugsweise im Netzbetrieb.
Gruppen- und Einzelkommunikation
Gruppenkommunikation erreicht alle Teilnehmer einer Rufgruppe gleichzeitig. Einzelkommunikation erfolgt zwischen zwei Teilnehmern. Im DMO belegt ein Einzelruf die ganze Rufgruppe, er kann nur durch einen Notruf unterbrochen werden.
Gateway, Repeater, Rückfallbetrieb
Ein Gateway verbindet eine DMO-Rufgruppe mit einer TMO-Rufgruppe, ein DMO-Repeater vergrößert die Reichweite im Direktbetrieb. Beide nur in Abstimmung mit der Einsatzleitung beziehungsweise zuständigen Stelle und nicht während des Betriebs verschieben. Im Rückfallbetrieb (Fallback) ist nur noch lokale Kommunikation möglich, zur Leitstelle geht dann nichts mehr.
Grundsätze für den Funkverkehr
Wie man funkt
- Gruppenkommunikation vorrangig nutzen.
- Kommunikation auf das unumgängliche Maß beschränken. Deutlich, nicht zu schnell, in angemessener Lautstärke.
- Kurz und präzise. Abkürzungen, Personennamen und Amtsbezeichnungen vermeiden.
- Zahlen unverwechselbar aussprechen, Eigennamen und schwer verständliche Wörter buchstabieren.
- Keine Höflichkeitsformen, Ansprache mit „Sie“.
- Beim Eintritt in und Verlassen einer Rufgruppe an- und abmelden (Statusmeldungen vereinfachen das).
- Rufgruppenwechsel während eines Einsatzes vermeiden. Wenn nötig, nur auf Weisung und mit Ankündigung, die alle bestätigen.
Der Funkspruch
Anruf und Antwort
Anruf: Rufname der Gegenstelle – „von“ – eigener Rufname – gegebenenfalls Ankündigung der Nachricht – „Kommen“. Antwort: „Hier“ – eigener Rufname – „Kommen“. Danach folgt die Nachricht. Der Empfänger bestätigt mit „Verstanden“ und wiederholt die wesentlichen Inhalte. Der Anrufende beendet mit „Ende“.
- Beispiel: „Florian X von Florian Y – kommen.“ – „Hier Florian X – kommen.“ – „Hier Florian Y – Neuer Einsatzauftrag: Fahren Sie zum Wohnungsbrand an der Rosenstraße 10 – kommen.“ – „Hier Florian X – verstanden – wir fahren zum Wohnungsbrand, Rosenstraße 10 – kommen.“ – „Hier Florian Y – Ende.“
- Bei Blitz oder Sofort wird die Vorrangstufe dreimal angekündigt („Blitz, Blitz, Blitz – …“).
- Anrufe an mehrere: „Hier <Rufname> an alle“, „… an alle außer …“.
Besondere Wendungen
- „Warten“ statt „Kommen“, wenn man nicht sofort aufnehmen kann. „Ich rufe zurück“, wenn es länger dauert.
- „Ich buchstabiere“ mit der Buchstabiertafel der DV 800.
- „Ich berichtige“ bei Fehlern, dann mit dem letzten richtig gesprochenen Wort neu beginnen.
- „Wiederholen Sie …“ bei Unklarheit, die Antwort beginnt mit „Ich wiederhole …“.
- Jede Frage beginnt mit „Frage …“, zum Beispiel „Frage Standort – kommen“.
- Bei eingespieltem Funkverkehr sind verkürzte Abläufe möglich.
Spruch (formgebundene Nachricht)
Beginnt mit „Spruchanfang“ und enthält Spruchkopf, Adressbereich, Inhalt und Absender, getrennt durch „Trennung“, und endet mit „Spruchende – Kommen“. Zeitangaben nach dem Muster Tag + Uhrzeit (zum Beispiel 271904).
Status, Notruf, Alarmierung
Statusmeldungen
Sie verkürzen den Sprechfunk und werden im Einsatzleitsystem dokumentiert: 0 priorisierter Sprechwunsch, 1 einsatzbereit Funk, 2 einsatzbereit Wache, 3 Einsatzübernahme, 4 Einsatzort, 5 Sprechwunsch, 6 nicht einsatzbereit, 7 einsatzgebunden, 8 bedingt verfügbar, 9 Quittung/Fremdanmeldung. Die Leitstelle sendet Meldungen wie „Aufmerksamkeitsruf an alle“, „Melden für Einsatz“, „Eigensicherung“, „Standort durchgeben“, „Aus Einsatz entlassen“ oder „Sonder- bzw. Wegerechte möglich“.
Notruf
Ein Notruf darf nur ausgelöst werden, wenn Gefahr für Leib oder Leben von Einsatzkräften besteht und unverzügliche Unterstützung nötig ist oder eine erhebliche Gefahr für die eigenen Einsatzkräfte vorliegt. Er wird mit der Notruftaste ausgelöst, der Grund und Zusatzinformationen werden mitgeteilt. Das Notrufverfahren nach FwDV 7 (Mayday) bleibt davon unberührt. Im Netzbetrieb wird dabei eine Sprachverbindung zur Leitstelle aufgebaut, laufende Gespräche werden verdrängt, die Teilnehmerkennung und zuletzt erfasste Position werden übertragen. Der Notruf ist derzeit ohne Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.
Alarmierung und Kurznachrichten
Die Alarmierung erfolgt als stiller Alarm (Meldeempfänger) oder lauter Alarm (Sirene). Kurznachrichten (SDS) dienen zum Beispiel für Einsatzaufträge, Patienten-, Orts-, Gefahrstoff- und Wetterinformationen.
Technik, Datenschutz, Übung
Sicherheit und Verlust
Endgeräte werden mit der BOS-Sicherheitskarte verschlüsselt. Bei Verlust eines Geräts oder bei Störungen sind die vorgesehenen Maßnahmen und Meldewege einzuhalten (Kapitel 6). Datenschutz beachten: Auf Geräten und Zubehör können schützenswerte Daten gespeichert sein.
Übung
Bei Funkübungen weist man zu Beginn, regelmäßig und am Ende darauf hin, dass die Rufgruppe für Übungszwecke genutzt wird. Ein Schlüsselwort (zum Beispiel „Tatsache“) wird vereinbart, mit dem die Übung für einen Echteinsatz unterbrochen werden kann.
Analoger Sprechfunk
Teil II beschreibt den analogen Funk (Kanal statt Rufgruppe, Relaisbetrieb, Funkalarmierung, Feuerwehrgebäudefunkanlagen, abweichende Statusmeldungen). Der analoge Notruf wird mit der Taste „0“ ausgelöst.
Einführung in Brandenburg
- Genehmigung: Die FwDV/DV 810 (Fassung September 2018) wurde vom AFKzV auf der 44. Sitzung am 13. und 14. März 2019 in Saarlouis genehmigt und den Ländern zur Einführung empfohlen.
- Einführung: Das Ministerium des Innern und für Kommunales hat sie mit Erlass vom 4. April 2019 für das Land Brandenburg verbindlich eingeführt. Die nichtpolizeilichen BOS werden aufgefordert, bei Einsätzen und in der Aus- und Fortbildung danach zu verfahren.
- Rechtsgrundlage: § 2 Abs. 2 Satz 1 BbgBKG in Verbindung mit dem Runderlass über die Einführung der Feuerwehrdienstvorschriften im Land Brandenburg vom 23. November 1992.
- Siehe auch die Fachinformation „Digitalfunk“ der Landesschule.