Das Wichtigste in Kürze
- Druckluftbaustellen (Schildvortrieb, Caisson) halten mit Überdruck das Grundwasser draußen. Wer hinein will, geht durch eine Schleuse, und wer hinaus will, muss lange ausschleusen, sonst droht die Dekompressionskrankheit („Taucherkrankheit“).
- Einsatzkräfte brauchen eine gültige G31-Untersuchung (jährlich) und dürfen nicht erkältet sein, auch Rettungsdienst und Notarzt. Deshalb Feuerwehrtaucher nachalarmieren.
- Der Druckluftarzt ist ständig eingeteilt, aber oft nur auf Rufbereitschaft. Ihn von der Polizei zur Einsatzstelle bringen lassen. Er ist Berater für den Notarzt, meist kein Notfallmediziner.
- Bei Brand: Menschenrettung und Brandbekämpfung sind praktisch nicht möglich, gelöscht wird von außen durch Druckabsenkung oder Vollpumpen mit Bentonit.
- Pro Meter Tiefe steigt der Druck um 0,1 bar, wie beim Tauchen.
Baustellentypen
- Schildvortriebsmaschine: Der Überdruckbereich reicht nur bis kurz hinter das Schneidrad.
- Caissonbaustelle: Die spätere Tunnelröhre wird an der Oberfläche gebaut, dann wird unter dem Caissonboden das Erdreich entfernt, sodass der Caisson nach und nach versinkt. Der Einstieg erfolgt über das Dach, Drehleiter transportiert Personen und Material, im Caisson liegt eine verkürzte Schleifkorbtrage.
- Tunnelbohrmaschine (TBM): bis über 100 m lang, 10-kV-Versorgung, Trafoöl und Hydrauliköl als Brandlast, oft Löscheinrichtungen und Wassernebelanlage hinten, Fluchtrettungsgeräte und eine Rettungskammer (24 Stunden Frischluft, nur gegen Rauch, nicht gegen Hitze).
Maßnahmen
- Ausdehnung der Baustelle klären: weite Anmarschwege möglich. Realistische Einsatzdauer der Trupps abschätzen.
- Lange Ausschleuszeiten auf dem Rückweg einplanen. Bei kritischen Patienten gegebenenfalls Notausschleusung mit Dekompressionskrankheit als Preis.
- Hohe Temperaturen, Dehydration: Marscherleichterung, Getränke ohne Kohlensäure schon beim Anmarsch mitgeben.
- Alle Geräte direkt mitnehmen, Nachschub dauert sehr lange. Einsatz- und Zeitdokumentation (wird für das Ausschleusen gebraucht), Anwesenheitstafel der Arbeiter nutzen.
- Kabine am Kran für Personen- und Materialtransport.
Auswirkung auf die Taktik
- Kürzere Atemschutzeinsätze: bei 1 bar Überdruck etwa die Hälfte, bei 3 bar etwa ein Viertel der normalen Zeit. Enge Zugangsleitern machen Atemschutz nahezu unmöglich, der Druckausgleich mit angelegter Maske ist schwierig.
- Regenerationsgeräte sind nicht einsetzbar (toxische Sauerstoffkonzentration).
- Pulverlöscher halten nur etwa halb so lange.
- Abgedichtete Geräte (Handlampen, Funkgeräte) können mit, müssen auf dem Rückweg wegen Berstgefahr getrennt ausgeschleust werden.
- Funk funktioniert eventuell nicht, vor Ort gibt es Telefone. Totmannwarner am Atemschutz können sich von selbst einschalten.
- Hebekissen gehen fast uneingeschränkt (etwas mehr Luftverbrauch). Dicht schließende Koffer lassen sich eventuell nicht öffnen, schon in der Schleuse belüften.
Besondere Gefahren
- Schwierige Orientierung.
- Anderes Brandverhalten unter Druck: höhere Brandgeschwindigkeit, niedrigere Zündtemperatur, mehr Hitze.
- Brandlast im fertigen Tunnel (Material, Geräte), Druckgasbehälter (Acetylen), veränderte Wirkung von Gefahrstoffen.
- Ausbläser (Hohlräume oder Löcher nach außen): der Überdruck geht schnell verloren, Dekompressionskrankheit und Grundwassereintritt drohen.
- Methanansammlungen (Anbohren von Faulgaskammern), Kampfmittel (bei Caisson eher), unbekannt verlaufende Leitungen, Ortsbrust bei TBM (kann umstürzen), nicht vorgesehene gelagerte Stoffe.
- Brand an der TBM: Die Lutten der Belüftung halten dem Feuer nicht stand, die Baugrube kann verrauchen, während der Trupp drin ist, massive Betonabplatzungen. Wärmebildkamera mitnehmen.
Medizinische Besonderheiten
- Sauerstoff wirkt ab etwa 1,4 bis 1,8 bar Partialdruck toxisch.
- Keine automatischen Beatmungsgeräte, normaler Beatmungsbeutel. Kein Defibrillator (Funken als Zündquelle).
- Beim Verlassen des Überdrucks: Vakuummatratze wird weich, pneumatische Bandagen drücken die Extremität ab, der Cuff am Tubus wird größer und kann platzen (mit Kochsalzlösung füllen), bei Infusionen die Nadel über dem Flüssigkeitsspiegel stecken lassen (Druckausgleich).
- Physik: Boyle-Mariotte (Volumen sinkt bei steigendem Druck), Dalton (Teildrücke ändern sich), Henry (bei zu schnell fallendem Druck gast Stickstoff aus dem Gewebe aus).
- Krankendruckkammer ist ab 0,7 bar Überdruck an der Baustelle vorgeschrieben, kann entfallen, wenn ein entsprechendes Krankenhaus in der Nähe ist.
Druckkammern
- Druckkammern dienen nach Tauchunfällen, Kohlenmonoxidvergiftungen und Unfällen auf Druckluftbaustellen, um Folgen gering zu halten. Die Behandlung heißt hyperbare Sauerstofftherapie (HBOT).
- Kontakte: Listen führt die Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin (nach Dienstbereitschaft sortiert), außerdem der Verband Deutscher Druckkammerzentren. Hilfe bei der Auswahl gibt die Leitstelle.
Was heißt das für dich?
- Nicht selbst hinein: nur mit G31 und Schleusenerlaubnis. Taucher nachalarmieren.
- Zeit und Druck rechnen: kürzere Atemschutzzeit, lange Ausschleuszeit.
- Zündquellen und Geräte unter Druck bedenken: kein Defibrillator, Geräte getrennt ausschleusen.
Siehe auch: Pressluftatmer, Höhen- und Tiefenrettung, Kohlenmonoxid-Einsätze.
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- Druckanstieg
- 0,1 bar je Meter Baustellentiefe
- Atemschutzdauer
- Bei 1 bar Überdruck etwa halb, bei 3 bar etwa ein Viertel
- Voraussetzung
- Gültige G31-Untersuchung und keine Erkältung
- Krankendruckkammer
- Ab 0,7 bar Überdruck an der Baustelle vorgeschrieben
- Sauerstoff
- Wird ab etwa 1,4 bis 1,8 bar Partialdruck toxisch
- Defibrillator
- Nicht einsetzen, Funken sind Zündquelle