Das Wichtigste in Kürze
- H:Flugzeugunfall klein: Zug mit 2 LF, 2 THL-Sätze, MZF oder ELW 1. H:Flugzeugunfall groß: 2 Züge mit 2 LF und 2 RW, 4 THL-Sätze, MANV-Stufe möglich.
- Erst informieren, dann nähern: Flugzeugtyp, Personenzahl, Fracht erfragen. Dann Luftfahrtbundesamt verständigen.
- Kerosin von 25 bis 220.000 Litern, CFK-Fasern, Rettungsfallschirme mit Raketenantrieb: Bei Ultraleichtflugzeugen ohne sichtbar geöffneten Schirm 50 m Gefahrenzone, Auslösekabel durchtrennen.
- Löschen mit Schaum, von vorne vortragen, Flammen vom Rumpf wegdrängen. Wrackteile nur bewegen, wenn es zur Rettung nötig ist (Spurensicherung).
- Sicherheitsabstände: Triebwerke 4 m, hinter dem Flugzeug 100 m, Passagierflugzeug 300 m, Frachtflugzeug 500 m, Militärflugzeug mit Munition bis 2.500 m.
- Stichwort
- H:Flugzeugunfall klein (Nr. 11 im Katalog)
- Beispiele laut Katalog
- Absturz Kleinflugzeug
- Taktische Einheit
- Zug
- Löschmittel
- 2.000 l
- Fahrzeuge
- 2 LF
- Besondere Einsatzmittel
- 2 THL-Sätze
- Führungskomponente
- MZF oder ELW 1
- Rettungsdienst-Stichwort
- ja
- Rettungsmittel
- ohne Personen in Gefahr: RTW; mit Personen in Gefahr: RTW + NA
- Stichwort
- H:Flugzeugunfall groß (Nr. 12 im Katalog)
- Beispiele laut Katalog
- Unfall mit Großflugzeug
- Taktische Einheit
- 2 Züge
- Fahrzeuge
- 2 LF, 2 RW
- Besondere Einsatzmittel
- 4 THL-Sätze
- Rettungsmittel
- ohne Personen in Gefahr: RTW; mit Personen in Gefahr: RTW + NA; zusätzlich: MANV-Stufe
- Hinweis
- Welche Kräfte für das Stichwort ausrücken, steht in der Alarm- und Ausrückeordnung deiner Wehr, die Katalogwerte sind nur Hinweise. Vor Ort entscheidet der Einheitsführer. Die Handgriffe übst du praktisch in der Wache.
Hinweis zur Tabelle: Stand der Katalogdaten: Juli 2015. Die Angaben sind Hinweise für mögliche Einsatzmittelketten. Maßgeblich ist die örtliche Alarm- und Ausrückeordnung.
Lage und Gefahren
Informationen und Zuständigkeiten
- Erste Maßnahme: Flugzeugtyp, Anzahl der Passagiere, zusätzliche Fracht erfragen. Erst nach Klärung der Ladung nähert sich ein Trupp dem Flugzeug.
- Luftfahrtbundesamt sofort verständigen (leitet Ermittlung).
- Deutsche Flugsicherung und SAR liefern Informationen zu Typ und Registrierung.
- Polizei übernimmt Spurensicherung und Verkehrssicherung. Absturzstelle ist ein Untersuchungsort.
Gefahren
- Kraftstoff: Kerosin in großen Mengen (25 bis 220.000 Liter), schnelle Brandausbreitung.
- Materialien: Aluminium und Kohlefaser (CFK), schneller Durchbrand der Kabine. Beim Brand entstehen gefährliche Fasern: Atemschutz und Dekontamination.
- Rettungssysteme (Gesamtrettungssysteme): Ultraleichtflugzeuge haben Fallschirme mit Raketenantrieb. Nicht ausgelöst heißt Verletzungs- und Lebensgefahr. Bei Kleinflugzeugen ohne sichtbar geöffneten Schirm unausgelöstes System annehmen, 50 m Gefahrenzone, Auslösekabel mit Bolzenschneider (möglichst am Raketenmotor) durchtrennen, Auswurfrichtung freihalten.
- Triebwerke und Propeller: 4 m Radius um die Einlassöffnung, hinter dem Flugzeug 100 m. Kampfflugzeug: nie von vorne nähern.
- Sauerstoffflaschen, Pyrotechnik (Schleudersitze), Munition bei Militärflugzeugen.
Absperrbereiche (Richtwerte)
- Passagierflugzeug: etwa 300 m.
- Frachtflugzeug: etwa 500 m.
- Militärflugzeug mit Munition: bis 2.500 m, mit Evakuierung.
- Kampfflugzeug: mindestens 100 m.
- Die Werte sind Richtwerte aus Fachliteratur, Vorgaben der Flughafen- und Luftfahrtbehörden gehen vor.
Vorgehen Schritt für Schritt
Ablauf
- Anfahrt aus Windrichtung, Lage melden, Rettungsdienst und MANV-Stufe anfordern.
- Informationen holen (Typ, Passagiere, Fracht), weiträumig absperren, Zufahrt freihalten.
- Brandschutz: Schaum (AFFF) als Löschmittel, Pulver nur in Ausnahmen. Tanks, Fahrwerk, Frachtraum besonders beachten.
- Löschangriff von vorne vortragen, Flammen vom Rumpf wegdrängen.
- Menschenrettung: Eindringen zur Rettung und Restablöschung, dabei belüften.
- Verletztensammelpunkt, Triage, Landeplätze für Rettungshubschrauber vorbereiten (siehe Seite „H:Hilfeleistung“).
- Absperren: Neugierige fernhalten, Polizei einbinden.
- Spuren erhalten: Wrackteile nur bewegen, wenn es zur Menschenrettung notwendig ist. Flugdatenschreiber suchen und markieren (nicht berühren).
Militärische Luftfahrzeuge: Hinweise der Bundeswehr
Die DFV-Broschüre „Hilfe bei Flugunfällen“ (Bundeswehr) gibt Rettungskräften folgenden Ablauf nach GAMS:
- G, Gefahr erkennen: Militärische Luftfahrzeuge können Munition tragen. Im Brand sind immer gefährliche Stoffe (Dämpfe, Fasern) zu erwarten. Auslaufender Kraftstoff kann an heißen Triebwerksteilen jederzeit zünden.
- A, Absichern: Mindestabstand 300 m, je nach Wind und Gefahr größer, bei Munition bis 1.500 m (die Seite oben nennt als Richtwert 2.500 m, das letzte Wort hat der Einsatzleiter).
- M, Menschenrettung: Eigenschutz (Atemgifte, scharfe Bruchkanten von Verbundwerkstoffen). Verletzte schnell aus dem Gefahrenbereich oder in Deckung bringen. Die Besatzung kann sich mit dem Schleudersitz gerettet haben, deshalb Fläche absuchen.
- S, Spezialkräfte: Weitere Einheiten anfordern, den Unfalldienst der Bundeswehr informieren, den Ort im Originalzustand erhalten, Tote und Teile nicht bewegen (abdecken), Personalien von Zeugen und Einsatzkräften notieren, Schaulustige und Handyvideos verhindern. Bilder können sicherheitsrelevante Informationen verraten.
Verbundwerkstoffe:
- Glasfasern schmelzen bei normalen Brandtemperaturen und sind kein großes Problem.
- Aramidfasern überstehen Feuer und sind lungengängig, aber nicht scharf.
- Kohlefasern überstehen Feuer, sind lungengängig, starr und scharf. Die Fasern selbst sind nicht giftig, können aber Giftstoffe in den Körper tragen. Besonders viele lungengängige Partikel setzen dem Feuer ausgesetzte und zersplitterte Fasern frei.
- Staub ist das größte Risiko beim Einatmen und Verschlucken. Bruchstücke sind scharfkantig wie Glas, Staub reizt Haut, Augen und Atemwege. Brandgase können unsichtbar in Bodenvertiefungen sammeln.
Weitere Gefahren an der Unfallstelle:
- Batterien (Säuren, Laugen), Hochdrucksysteme (stehen eventuell noch unter Druck), konzentrierter Sauerstoff (heftige Verbrennungen), Kühlflüssigkeiten (in hoher Konzentration narkotisierend), Hydraulikflüssigkeit, Öle, Schmiermittel (zum Teil krebserregend), Metalloxide im Staub und in der Asche, Fracht (oft nicht richtig deklariert), Toilettenabfall und Leichenteile (Krankheitserreger), Radioaktives wird im Brand zu giftigem Staub.
- Hydrazin (UN 2030) kommt als Notenergie-Kraftstoff bei einem Kampfflugzeugmuster vor. Ätzend, giftig, kann sich selbst entzünden. Bei jedem Flugunfall so handeln, als sei der Tank beschädigt: Schutzhandschuhe, Schutzkleidung, Atemschutz, 30 m absperren, Abwindbereich bis 100 m frei, Fachpersonal holen. Bei Augenkontakt mindestens 15 Minuten spülen.
Munition:
- Auch Schleudersitze und Teile der Rettungsanlage enthalten Kartuschen, Treibsätze und Sprengschnüre. Dazu kommen Bomben, Raketen, Scheinziele (Flares), Bordwaffenmunition.
- Nie berühren, verschieben oder aufheben, schon ein Anstoßen mit dem Fuß ist lebensgefährlich. Größtmögliche Abstände halten, nur Fachpersonal beurteilt den Zustand.
Rettung der Besatzung:
- Am schnellsten gelangt man durch die gekennzeichneten Türen und Notausstiege, bei Strahlflugzeugen die gekennzeichneten Öffnungen der Kabinendächer. Druckkabinen vorsichtig öffnen. Gurtschlösser (bis Fünf-Punkt-Gurt) tragen meist einen Bedienhinweis.
- Atemmaske immer abnehmen (Erstickungsgefahr), mit Rücksicht auf die Halswirbelsäule. Schlauch und Sprechkabel lassen sich meist mit einem Handgriff lösen.
- Flugdatenschreiber sind meist orange, teils klein wie ein Tennisball. Nicht berühren, markieren.
- Bei laufenden Triebwerken Abstand halten, der Bereich vor den Triebwerken nur mit Seilsicherung.
- Schutz: reißfeste Schutzkleidung, Atemschutz bei Staub und Brandrückständen (auch nach dem Löschen), von der windzugewandten Seite arbeiten, kein Essen, Trinken oder Notdurft an der Unfallstelle, Kleidung außerhalb abstauben und sammeln.
Typische Fehler
- Näherung vor Klärung der Ladung.
- Wrackteile unnötig bewegt oder geöffnet.
- Zu geringe Abstände.
- Rettungsfallschirm übersehen.
- Befreiungsversuche an Besatzung von Kampfflugzeugen.
- Flughafenflächen ohne Freigabe befahren.
Lizenz und Quellenhinweis
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