Das Wichtigste in Kürze
- Hydraulische Rettungsgeräte retten eingeklemmte Personen: Spreizer (spreizen, drücken, ziehen, heben), Schneidgerät (Metall trennen), Rettungszylinder (drücken, abstützen, Vorderwagen abklappen).
- Immer: erweiterte PSA (Augen- und Gesichtsschutz, bei Bedarf Gehörschutz, Infektionsschutzhandschuhe), Fahrzeug sichern und unterbauen, ESG-Scheiben im Arbeitsbereich kontrolliert entfernen, Patienten- und Kantenschutz.
- Steuern darf nur der Gerätführer. Er steht so, dass er nicht eingeklemmt werden kann (nicht zwischen Gerät und Last).
- Schneiden: keine gehärteten Teile (Lenksäule, Achsen, Scharniere), rechtwinklig und nah am Drehpunkt ansetzen, freie Enden gegen Wegschnellen sichern.
- Maximale Öffnungsweite und Arbeitsdruck nutzen (dauert bis zu 10 Sekunden). Nach dem Einsatz nicht auf Anschlag fahren (Druckaufbau).
- Spreizer
- Spreizen, Drücken, Ziehen, Heben; Türen öffnen, Dächer hochdrücken
- Schneidgerät
- Trennen von Türpfosten, Dachholmen; keine gehärteten Teile
- Rettungszylinder
- Bewegen von Lasten durch Druck (und Zug), Abstützen, Aussteifen
- Antrieb
- schlauchgebunden (Hydraulikpumpe mit Motor, Hand oder Elektro) oder Akku
- Personal
- Staffel (Gerätführer, Unterstützung, innerer Retter)
- Hinweis
- Die Grundsätze stammen aus der bundeseinheitlichen FwDV 1 und aus Ausbildungsunterlagen. Typ, Bedienung und Zubehör deiner Geräte (Hersteller, Akku oder Schlauch, Druckwerte) lernst du praktisch in der Wache an den vorhandenen Geräten. Die Bedienungsanleitung des Herstellers geht vor.
Grundlagen
Wozu welches Gerät?
- Spreizer: Türen aufspreizen, Dächer hochdrücken, Karosserieteile auseinanderdrücken, Lasten heben, mit Zugketten auch ziehen. Der Spreizer arbeitet mit zwei Armen, die sich öffnen (Spreizen) oder schließen (Quetschen, Ziehen).
- Schneidgerät: Türpfosten, Dachholme, Blech trennen, um Platz zu schaffen. Nicht für gehärtete Teile (Lenksäule, Achsen, Maschinenteile).
- Rettungszylinder: drückt (oder zieht) in gerader Linie, zum Beispiel beim Abklappen des Vorderwagens oder zum Abstützen und Aussteifen.
- Einsatzzweck insgesamt: Befreien eingeschlossener oder eingeklemmter Personen aus Fahrzeugen. Die Geräte werden nach den Wünschen der Rettung eingesetzt: Wie sieht der Patient aus, welche Verletzungen, welche Öffnung braucht der Rettungsdienst?
Welche Geräte auf welches Fahrzeug? (Gerätetypen nach EN 13204)
Die europäische Norm EN 13204 beschreibt angetriebene Rettungsgeräte und teilt sie in Typen ein. Die DFV-Empfehlung von 2025 sagt, welche Geräte auf welches Fahrzeug gehören. Die Mindestausstattung der vfdb-Richtlinie 06/01 („Technisch-medizinische Rettung nach Verkehrsunfällen“) bleibt davon unberührt.
Für alle Fahrzeuge gilt:
- Akku- und schlauchgebundene Geräte sind gleichwertig.
- Bei Schlauchgeräten gehört an jeden Anschluss ein Schlauch von mindestens 10 m nutzbarer Länge.
- Es müssen mindestens zwei Rettungsgeräte gleichzeitig mit den Aggregaten des Fahrzeugs laufen können.
- Bei Akkugeräten: mindestens ein Akku je Gerät und zusätzlich ein Reserve-Akku mit Ladegerät, der zu allen Geräten passt.
Fahrzeuge ohne vorgeschriebene Rettungsgeräte (zum Beispiel TSF, MLF, LF 10)
Wenn sie aus örtlichen Gründen Geräte für erweiterte Erstmaßnahmen mitführen, genügt ein Kombigerät (Typ CT3): Spreizweite mindestens 350 mm, Spreizkraft mindestens 35 kN, Öffnungsweite mindestens 280 mm. Dazu Unterbaumaterial für mindestens drei Punkte und ein Verkehrsunfallkasten.
- Es braucht in jedem Fall ein nachrückendes Fahrzeug mit der größeren Beladung.
- Ausnahme: Der Erfolg ist mit dem Kombigerät sicher einschätzbar, zum Beispiel das Öffnen einer einzelnen Tür ohne eingeklemmte Person.
HLF 10 und HLF 20
Die Einheit muss einzelne eingeklemmte Personen selbstständig befreien können. Ausstattung:
- Spreizer (Typ SP3): Spreizweite mindestens 720 mm, Spreizkraft mindestens 40 kN.
- Schneidgerät (Typ CU2): Öffnungsweite mindestens 180 mm. Es soll das stärkste zum Beschaffungszeitpunkt verfügbare Gerät dieses Typs sein.
- Rettungszylinder: Variante 1 mit einem Zylinder (650 bis 1.500 mm) oder Variante 2 mit zwei Zylindern (540 bis 1.500 mm). Mindestdruckkraft 60 kN (kleiner Zylinder) und 100 kN (großer Zylinder). Variante 1 braucht immer die Zusammenarbeit mit einem Fahrzeug mit zwei oder drei Zylindern.
- Der eingefahrene größere Zylinder muss etwa 10 % kürzer sein als der ausgefahrene kleinere, damit sich die Bereiche überlappen. Rettungszylinder müssen nur drücken können.
- Bei Akkugeräten eine dauerhafte Stromversorgung für mindestens ein Gerät mitführen.
Rüstwagen (RW)
Der RW deckt alle Szenarien an Pkw, Lkw, Schienen- und Luftfahrzeugen ab. Er hat Spreizer SP4 (800 mm, 60 kN, Öffnung 200 mm), Schneidgerät CU3, Kombigerät CT3, Kleinschneidgerät CU1 (35 mm) sowie zwei oder drei Rettungszylinder.
- Bei Schlauchgeräten sind mindestens zwei unterschiedliche Antriebsarten der Aggregate nötig (Verbrennungsmotor, Akku, Elektromotor).
- Mindestens einer der Zylinder muss auch ziehen können.
- Empfohlen zusätzlich: zwei Stabilisierungsstützen (je mindestens 25 kN, bis 2.500 mm verstellbar, für Kleintransporter und Lkw), Kettensatz für den Spreizer, Kettensatz für die Kettenrettung (vier Hochleistungsketten, je 3 m, Güteklasse 12), funkenarmes Schneidwerkzeug für große Zugangsöffnungen (Busse, Züge, Lkw-Aufbauten), Spreizkeil mit geringer Einschubhöhe und ein hydraulisches Türöffnungswerkzeug.
Aufbau und Inbetriebnahme
- Hydraulikpumpe so abstellen, dass die Hydraulikschläuche Bewegungsfreiheit haben.
- Steckkupplungen der Hydraulikleitungen verbinden (Zulauf und Rücklauf). Staubschutzkappen der Kupplungen miteinander verbinden, bevor sie abgelegt werden. Kupplungen nicht verschmutzen, nie unverbunden und ohne Kappe auf dem Boden ablegen.
- Bei Elektroantrieb zwischen Pumpe und Stromerzeuger eine Leitung aufbauen (siehe Seite „Stromerzeuger und Beleuchtung“).
- Akku-Geräte: Akku einsetzen, Gerät einschalten, Funktion prüfen.
- Erkennbar defekte Geräte (undicht, Totmannschaltung ohne Funktion) sofort außer Betrieb nehmen.
Einsatz Schritt für Schritt
Vorbereitung am Fahrzeug und am Patienten
- Fahrzeug gegen Wegrollen sichern und unterbauen (siehe Seite „Verkehrsunfall Pkw: Erstmaßnahmen“).
- Persönliche Schutzausrüstung plus erweiterte PSA: Augenschutz (Schutzbrille), Gesichtsschutz am Helm, bei Bedarf Gehörschutz, Infektionsschutzhandschuhe.
- ESG-Scheiben (Einscheibensicherheitsglas) im Arbeitsbereich kontrolliert entfernen oder zerstören, damit sie nicht plötzlich zerspringen.
- Patienten- und Kantenschutz einsetzen (Decke, Spezialplane).
- Innenverkleidung bei Bedarf abnehmen. Der innere Retter hält Kontakt zum Patienten und gibt Rückmeldung.
- Einheitsführer markiert die Ansatzpunkte (zum Beispiel für das Schneidgerät) am Fahrzeug.
- Gerät und Schlauch vorbereiten: Schlauch komplett abrollen, Arbeitsbereich einrichten, Hydraulikaggregat starten oder Akku-Gerät einschalten.
Gerätführer: Haltung und Position
- Position: nicht zwischen Gerät und Last oder Fahrzeug, damit er bei wegrutschendem Gerät nicht eingeklemmt wird.
- Haltung: ergonomisch und kräfteschonend: hinknien, Gerät auf Schulter oder Oberschenkel auflegen oder in „Baby-Haltung“ halten.
- Steuerung: nur der Gerätführer. Weitere Einsatzkraft unterstützt (Schlauch nachführen, halten, stützen). Nicht auf Hydraulikschläuche treten.
- Sobald das Gerät im Material greift: gegebenenfalls einen Schritt zurücktreten für bessere Übersicht.
Spreizen
- Abrutschen an den Ansatzpunkten ausschließen. Beim Ansetzen unnötige Stöße vermeiden, sie übertragen sich auf den Patienten.
- Öffnung vorbereiten, wenn die Spitzen sonst nicht ansetzen können (Türfalz mit der Brechstange oder durch Spreiztechnik).
- Nur die Spreizerspitzen mit Außenriffelung zum Spreizen verwenden.
- Arme nicht verkanten.
- Maximale Öffnungsweite und maximalen Arbeitsdruck nutzen (dies kann bis zu 10 Sekunden dauern). Nicht abbrechen, solange sich noch etwas bewegt.
- Mehrere Geräte am selben Objekt dürfen sich nicht gegenseitig negativ beeinflussen (Reihenfolge und Wirkung mit dem Einheitsführer abstimmen).
Schneiden
- Ansatzpunkt des Einheitsführers beachten.
- Möglichst nah am Drehpunkt der Schneidmesser ansetzen.
- Rechtwinklig zum Schneidgut ansetzen. Je nach Messerform das Gerät überdreht ansetzen oder um 180° drehen.
- Nicht verkanten.
- Keine gehärteten Teile (Lenksäule, Achsen, Maschinenteile, Scharniere) schneiden.
- Freie Enden vor dem Abtrennen gegen Wegschnellen sichern.
- Maximale Öffnung und Arbeitsdruck abwarten, auch hier kann es bis zu 10 Sekunden dauern.
Rettungszylinder und Zugketten
- Fuß und Kopf sicher an Last und Festpunkt ansetzen, nicht verkanten. Kolbenstange und Zylinderrohr nicht auf Biegung belasten, Querbelastung der Kolbenstange ausschließen, Beschädigungen der ausgefahrenen Kolbenstange vermeiden.
- Abstützen am Schweller: Unterbau setzen, damit die Kraft in den Boden abgeleitet wird.
- Zugketten: Spreizer oder Zylinder (wenn dafür ausgerüstet) ziehen mit zwei Zugketten. Verbindungselemente an den geöffneten Armen befestigen, eine Kette am Festpunkt, eine an der Last, Länge verkürzen, Ketten nicht verdrehen, sicher anschlagen. Der Zug erfolgt durch Schließen der Arme (Spreizer) oder Einfahren (Zylinder).
Nach dem Einsatz und Fehler
Einsatzbereitschaft wiederherstellen
- Hydraulische Geräte nicht auf Anschlag fahren, anschließend verlasten (Druckaufbau möglich).
- Spreizerarme nicht vollständig schließen.
- Akku-Geräte laden.
- Sichtprüfung aller eingesetzten Geräte auf Beschädigungen. Beschädigte Ausrüstung dem Einheitsführer melden und gegebenenfalls aussondern. Wurde ein Gerät nicht bestimmungsgemäß eingesetzt (Notfall), prüft man danach über die Gefährdungsbeurteilung, ob es entsorgt oder nur geprüft wird.
- Eingesetztes Material wieder auf dem Fahrzeug verlasten.
Typische Fehler
- Gerätführer zwischen Gerät und Fahrzeug positioniert.
- Gehärtetes Teil geschnitten (Messer beschädigt, Teile springen weg).
- Ohne Patienten- und Kantenschutz gearbeitet.
- Gerät verkantet angesetzt.
- Abgerissene Kupplungen durch Treten oder Ziehen am Schlauch.
- Zu früh abgebrochen (nicht auf Anschlag gewartet).
- Hydraulikschlauch nicht nachgeführt.
- ESG-Scheibe nicht kontrolliert entfernt.
Rechtsrahmen (Eigenschutz)
Nach DGUV Vorschrift 49 § 15 dürfen im Feuerwehrdienst nur Maßnahmen getroffen werden, die ein sicheres Tätigwerden ermöglichen. Zur Rettung von Personen aus Lebensgefahr kann im Einzelfall unter Beachtung des Eigenschutzes von den Unfallverhütungsvorschriften abgewichen werden. Danach wird beurteilt, ob das Einsatzmittel geprüft oder entsorgt wird.