Verdacht auf Straftat: Spuren erhalten und Tatort schützen

Technische Hilfeleistung

Das Wichtigste in Kürze

  • Wo Menschen verletzt oder getötet wurden, geht man grundsätzlich von einem Tatort aus. Die Rettung geht vor, danach gilt: so wenig wie möglich verändern.
  • Nichts anfassen, nichts verschieben, nichts wegräumen. Wo du etwas anfassen musst, Handschuhe tragen und die Veränderung merken oder dokumentieren.
  • Nicht befragen: Beteiligte, Angehörige und Zeugen werden nicht zum Tathergang befragt. Fragen stellst du nur für deine Aufgabe, zum Beispiel medizinische.
  • Nicht fotografieren, die Einsatzstelle abschirmen. So bleibt Täterwissen (nicht öffentlich bekannte Einzelheiten) geschützt.
  • Auffälliges melden: zum Beispiel, ob eine Tür verschlossen war, ob der Schlüssel innen steckte oder ob eine Kette oder ein Riegel vorgelegt war.

Wann gilt das?

  • Verdacht auf ein Verbrechen: zum Beispiel Gewalt, Tötung oder ein Fund mit Hinweisen darauf. Wurden Menschen verletzt, ist grundsätzlich von einem Tatort auszugehen.
  • Beim Türöffnen: Auch hier lohnt sich der Blick auf Hinweise (Schloss, Schlüssel, Riegel, Fenster). Siehe H:Türnotöffnung.
  • Bei Bränden: Hinweise auf Brandstiftung gibt es auch dort, siehe Nach dem Brand.
  • Menschenrettung geht vor. Wenn du jemanden retten musst, rettest du und merkst dir, was du verändert hast.

Während des Einsatzes beobachten

  • Ungewöhnliches melden. Den Angriffstrupp vorher dafür sensibilisieren.
  • Bei einer Türöffnung festhalten: War die Tür abgeschlossen? Steckte der Schlüssel von innen? War sie zusätzlich gesichert (Kette, Querriegel)? Waren Fenster geöffnet?
  • Eigene Beobachtungen aufschreiben und die Notizen aufbewahren, denn die Ermittler fragen später nach.

Spuren erhalten

  • Grundsätzlich nichts anfassen. Untersuchungshandschuhe tragen und im gesamten möglichen Tatort anbehalten.
  • Türklinken am äußeren Ende mit zwei Fingern betätigen. Entriegelte Türen mit dem Fuß öffnen.
  • Mitgebrachte Gegenstände nicht auf Möbel legen, sondern an unauffälliger Stelle auf den Boden. Die Polizei darauf hinweisen.
  • Nicht hinsetzen in der Einsatzstelle, notfalls ins Treppenhaus gehen. Das gilt auch für Personen, die sich sonst nicht in der Wohnung aufhalten.
  • „Tatort-Tourismus“ vermeiden: Einsatzkräfte ohne Auftrag schickt man hinaus.
  • Trampelpfad: hintereinander gehen, immer denselben Weg, nachfolgende Kräfte einweisen.
  • Keine Blutlachen durchqueren und nicht auf Gegenstände treten.
  • Mögliche Tatwerkzeuge, Waffen und Patronenhülsen nicht bewegen. Die Lage notfalls dokumentieren.
  • Keinen Ausweis und keine Versichertenkarte der Person suchen, weder bei Toten noch bei Verletzten. Die Ausnahme sind medizinische Gründe, dann sucht und dokumentiert die Polizei.
  • Nur eigene Telefone benutzen, sonst wird zum Beispiel die Wahlwiederholung überschrieben.
  • Fenster nicht öffnen, außer bei Brand oder wenn eine Person schlecht Luft bekommt.
  • Spuren des Rettungsdienstes (zum Beispiel Spritzenverpackungen) nicht wegräumen.
  • Müll nicht in den Mülleimer der Wohnung entsorgen.
  • Nicht essen, trinken oder rauchen, auch nicht direkt vor der Absperrung, denn der Untersuchungsbereich kann sich ausweiten.

Verhalten gegenüber Beteiligten

  • Nicht zum Tathergang befragen: weder Verletzte, noch Angehörige oder Zeugen. Fragen nur für die eigenen Aufgaben, zum Beispiel medizinische.
  • Nicht fotografieren. Die Einsatzstelle abschirmen, damit Täterwissen (nicht öffentlich bekannte Sachverhalte) geschützt bleibt. Siehe auch Betroffene an der Einsatzstelle und Pressearbeit.
  • Polizei einbinden: Die Polizei ermittelt. Ihr gibst du deine Beobachtungen, keine Schlussfolgerungen. Siehe Polizei: Schnittstellen zur Feuerwehr.

Bei Brandstellen zusätzlich

  • Keine Aussagen zur Brandursache, auch nicht gegenüber der Schutzpolizei. Du schilderst Beobachtungen, keine Vermutungen.
  • Polizei auf Zeugen und auffällige Personen hinweisen.
  • Löschmittel moderat einsetzen, damit Spuren nicht weggespült werden.
  • Sicherungen und Schalter (zum Beispiel Licht- oder Herdschalter) nicht betätigen. Falls nötig, vorher den Originalzustand dokumentieren.
  • Möbel und Gegenstände möglichst nicht verschieben oder heraustragen. Andernfalls dokumentieren.
  • Kettensägen können Kraftstoffspuren im Brandschutt verursachen. Den Einsatz dokumentieren.

Was heißt das für dich?

  • Menschen retten kommt zuerst. Alles andere kommt danach und wird aufgeschrieben.
  • Handschuhe an, Hände weg. Was du nicht anfassen musst, lässt du liegen.
  • Sag dem Einsatzleiter, was dir auffällt, und halte deine Notizen bereit. Siehe Einsatzdokumentation.
  • Maßgeblich sind die Vorgaben der Polizei und deiner Einsatzleitung. Die Seite fasst die Seite „Verhalten an Einsatzstellen“ im Einsatzleiterwiki (Quelle LKA Berlin, CC BY-SA 4.0) zusammen. Sie ersetzt keine Unterweisung durch die Polizei.
Grundregel
bei verletzten oder getöteten Menschen grundsätzlich vom Tatort ausgehen
Handschuhe
Untersuchungshandschuhe im gesamten möglichen Tatort anbehalten
Türklinken
am äußeren Ende mit zwei Fingern bedienen, entriegelte Türen mit dem Fuß öffnen
Laufweg
Trampelpfad: hintereinander, immer derselbe Weg
Telefone
nur eigene benutzen, die Wahlwiederholung der Wohnung nicht überschreiben
Fenster
nicht öffnen, außer bei Brand oder wenn jemand schlecht Luft bekommt
Fotos
nicht fotografieren, Einsatzstelle abschirmen

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