Silobrand: Staubexplosion und Inertisierung

Brandeinsätze

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Silo droht die Staubexplosion. Jedes Lagergut staubt durch Abrieb, in Schüttungen können bis zu 40 % Luft stecken. Alles, was Staub aufwirbelt, ist verboten.
  • Ohne Zeitdruck arbeiten, Explosionsschutz beachten: Silo abdichten, Produktion stoppen, so wenige Einsatzkräfte wie nötig, Trümmerschatten mindestens die doppelte Höhe des Silos absperren.
  • Löschmittel nur drucklos oder indirekt aufbringen, nie mit Vollstrahl. Erst die Umgebung der Brandstelle benetzen, dann den Brandherd.
  • Niemand fährt in ein brennendes Silo ein. Der Aufenthalt auf einem brennenden Silo ist Lebensgefahr.
  • Fachberater holen: ortskundige Fachleute, Sicherheitsingenieur der Anlage, Berufsgenossenschaft, Gaslieferant für das Schutzgas.

Erkunden

  • Wärmebildkamera, Fernthermometer und Gasmessgeräte nutzen.
  • Siloaufbau und Öffnungen, Lagergut und seine Eigenschaften, Stadium der Erwärmung oder des Brandes, vorhandener Explosionsschutz und ob er funktioniert.
  • Innenliegende Silos sind oft nur von oben und über Förderwege erreichbar.
  • Alarmplan des Betriebs nutzen. Strom nur beibehalten, wo er unbedingt nötig ist, die Arbeitsbereiche ausleuchten.
  • Absturzsicherung nicht vergessen. Angrenzende Räume auf Sauerstoff, Kohlendioxid und Kohlenmonoxid kontrollieren, bei Bedarf umluftunabhängiger Atemschutz.

Besondere Gefahren

  • Staubexplosion und explosive Gemische durch Schwelgase.
  • Einsturz des Silos durch Versagen der Statik, Einsturz von Hohlräumen im Lagergut.
  • Füllstandsmessung mit radioaktiven Strahlern ist möglich.

Löschmittel

  • Wasser: nur als Netzwasser, niedriger Druck, über Sprühdüsen oder Brauseköpfe, nie Vollstrahl. Nur bedingt bei quellfähigem Lagergut oder Stoffen, die mit Wasser gefährlich reagieren. Ausspülen nur, wenn Lagergut, Bauwerk, Ablauf und Auffangen es zulassen.
  • Schaum: Mittelschaum für offene Brände und zum Abdecken, Schwerschaum und Druckluftschaum (höchstens 1:3) auch aus größerer Entfernung. Nur indirekt auftragen.
  • Pulver: für Entstehungs- oder Anlagenbrände (zum Beispiel Trockner), wirkt nicht nachhaltig, danach Schaum. Möglichst drucklos (Pulverbrausen).
  • Gel: haftet am Brandgut und kühlt, läuft nicht ab wie Wasser, geeignet in Hohlräumen, zum Abdecken und für Nachbarschutz. Auch drucklos auftragen.
  • Abdecken inertisiert nicht, wenn Lagergut nachrutscht, die Deckschicht kann aufreißen.

Taktik

  1. Staubexplosion verhindern: Luftzug vermeiden, Förderwege und Öffnungen schließen, die einen Kamineffekt begünstigen.
  2. Offene Brände sofort löschen, von außen nach innen, von unten nach oben, mit Mittelschaum oder druckarmem Netzwasser.
  3. Glimm- und Schwelnester bedeckt halten (Schaum, Gel, Gesteinsmehl, Löschpulver).
  4. Ausräumen nur mit Fachberatung, möglichst unter Schutzgas und nur, wenn Staubaufwirbelung ausgeschlossen ist. Kein Personal in das Silo.
  5. Länger dauernde Einsätze: Brandwache, Nachbarzellen leeren, Personal wechseln, lückenlos dokumentieren (Bilder, Messprotokoll).
  6. Bei unvermeidbarer Arbeit im Ex-Bereich: Atmosphäre mit Sprühwasser benetzen, gegen statische Aufladung.

Inertisieren

  • Ziel: Luft im Silo durch Schutzgas verdrängen, bis der Sauerstoff unter 8 Vol.-% (organische Stoffe) oder unter 4 Vol.-% (Metallstäube) liegt. Das verhindert die Primärexplosion.
  • Selbstinertisierung: Das Silo erzeugt über den Eigenstickeffekt selbst Kohlendioxid. Dafür kommt eine unbrennbare Abdeckung darauf (Gel, Gesteinsstaub, Löschpulver, Salz), keine wasserreaktiven Stoffe wie Zement oder Kalk. Nur bis etwa 550 °C, nur wenn das Lagergut keine Brücken oder Pfropfen bildet.
  • Fremdinertisierung: wenn Selbstinertisierung nicht möglich oder nicht erwünscht ist (Produktrettung). Stickstoff bevorzugen: farb- und geruchlos, wirkt erstickend (umluftunabhängiger Atemschutz). Er kann nur von unten durchströmen, Lieferung tiefkalt (etwa −198 °C), mit Verdampfer erwärmen, Druck höchstens 2 bar. Beim Einbringen kann der Brand angefacht werden.
  • Kohlendioxid nur, wenn Stickstoff nicht rechtzeitig verfügbar ist und das Silo unter 550 °C hat. Es ist rund 50 % schwerer als Luft, Nervengift (akute Gefahr ab 6 Vol.-%, tödlich bei etwa 20 Vol.-%). Bei Glutbränden entsteht immer auch Kohlenmonoxid. Elektrostatische Aufladung bei Entspannung: leitfähige Schläuche, Erdung. Messungen außerhalb des Silos.
  • Edelgase sind nur bei reaktiven Metallstäuben vertretbar.
  • Grenzen: bei exothermen Reaktionen und bei Stoffen, in denen Sauerstoff gebunden ist.
  • Taktik: Silo kühlen, nicht nötige Öffnungen verschließen, nie Kopfraum und Auslauf gleichzeitig öffnen, kontinuierlich inertisieren, bis das Silo restlos geräumt und staubfrei ist. Räumen erst, wenn die Atmosphäre nicht mehr zündfähig ist.

Was heißt das für dich?

  • Silobrand ist ein Explosionsschutz-Einsatz. Staub vermeiden, Zeit nehmen, Fachleute holen.
  • Drucklos, indirekt, von außen nach innen.
  • Kein Personal im oder auf dem Silo, Schutzgas rechtzeitig einplanen.

Siehe auch: Brand im Holzpelletlager, Explosion, B:Sonderobjekt.

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Trümmerschatten
Mindestens die 2-fache Höhe des Silos absperren
Sauerstoff nach Inertisierung
Unter 8 Vol.-% (organische Stäube), unter 4 Vol.-% (Metallstäube)
Selbstinertisierung
Nur bis etwa 550 °C Schweltemperatur
Stickstoff
1 kg flüssig ergibt etwa 840 l Gas, Druck beim Einbringen nicht über 2 bar
Kohlendioxid
1 kg flüssig ergibt etwa 540 l Gas, etwa 50 % schwerer als Luft
Schutzgasmenge
Zur Erstinertisierung etwa das Silovolumen, dann Reserve für Verluste

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