Das Wichtigste in Kürze
- Ist die Wasserstelle weit weg, bauen mehrere Pumpen hintereinander eine Förderstrecke auf. Jede Pumpe gibt den Druck weiter, der durch Reibung und Steigung verloren geht.
- Faustwerte: Pumpenausgangsdruck 10 bar, Eingangsdruck an der nächsten Pumpe mindestens 1,5 bar, also 8,5 bar nutzbar. 10 m Steigung kosten 1 bar.
- Effizientester Förderstrom in einer B-Leitung: 800 l/min (Reibungsverlust etwa 1,2 bar je 100 m).
- Geschlossene Schaltreihe: schnell, aber Druckstöße wirken auf die ganze Strecke. Offene Schaltreihe: mit Faltbehälter als Puffer, ruhiger, aber mehr Aufwand.
- Mit Funk, Streckenaufsicht und Einsatzplan vorbereiten: Pumpenabstände vorher ermitteln und üben.
- Pumpen EN 1028
- FPN 10-1000, 10-2000, 10-3000: Nennförderdruck 10 bar (seit 2002)
- Pumpen DIN 14 420
- FP 8/8, 16/8, 24/8: Nennförderdruck 8 bar, davon nur 6,5 bar nutzbar (bis 2002 gebaut)
- Saughöhe
- Nennwerte der Pumpe gelten bei mindestens 3 m Saughöhe; höher sinkt die Leistung
- Strahlrohrdruck
- etwa 6 bar am Hohlstrahlrohr, etwa 5 bar bei BM-/CM-/DM-Strahlrohren
- Hinweis
- Die Zahlen sind Richtwerte für gummierte B-Schläuche. Brandenburger Einsatzpläne und Weisungen des Trägers der Feuerwehr gehen vor.
Planen und rechnen
Einsatzplan vorbereiten
Für Objekte und Bereiche mit weit entfernter Wasserstelle (zum Beispiel Aussiedlerhöfe, Betriebe im Außenbereich) einen eigenen Teil im Einsatzplan anlegen, den man dem Einsatzabschnittsleiter übergibt. Er enthält:
- Kartenausschnitt mit Höhenlinien oder Lageskizze
- unerschöpfliche Entnahmestelle, Pumpenabstände und Aufstellplätze der Pumpen (am besten mit Schildern oder Bodenmarkierung)
- Bedarf an Material und Reserven: Pumpen, Kraftstoff, B-Schläuche, 5-m-B-Schläuche, Schlauchbrücken, Verkehrswarngeräte, Beleuchtung, Verteiler, Druckbegrenzungsventile, Handfunkgeräte
- eingesetzte Feuerwehren, Einsatzabschnittsleiter, Lotsen, bei Pendelverkehr Pendelstrecke, Ausweichstellen und Einbahnregelung
Den Plan bei der Ortsfeuerwehr, den besonderen Führungsdienstgraden und den beteiligten Feuerwehren hinterlegen. Regelmäßig üben und dabei den Plan prüfen.
Löschwasserbedarf senken: Netzmittel und Druckluftschaum verringern die benötigte Wassermenge deutlich.
Begriffe
- Förderstrom: Wassermenge je Minute (l/min). Er ergibt sich aus den Durchflussmengen aller Strahlrohre zusammen. Mehr Förderstrom heißt mehr Reibungsverlust und kürzere Pumpenabstände.
- Förderstrecke: vom Wasserentnahmeort bis zum Verteiler vor der Pumpe der Strahlrohrstrecke (Einsatzstellenpumpe). Sie ist in Teilabschnitte gegliedert.
- Reibungsverlust: Druckverlust durch das Strömen im Schlauch. Er steigt mit Förderstrom und Länge.
- Druckhöhenverlust: je 10 m Steigung sinkt der Druck um 1 bar, je 10 m Gefälle steigt er um 1 bar.
- Pumpeneingangsdruck: Druck, der an der nächsten Pumpe ankommt. Er darf 1,5 bar nicht unterschreiten.
Richtwerte zum Durchfluss
Bei 6 bar Ausgangsdruck:
- C-Mehrzweckstrahlrohr: 130 l/min mit Mundstück, 235 l/min ohne Mundstück
- B-Mehrzweckstrahlrohr: 415 l/min mit Mundstück, 785 l/min ohne Mundstück
- C-Hohlstrahlrohr: bis 235 l/min
- B-Hohlstrahlrohr: unter 400 l/min
Beispiel: Bei 800 l/min Förderstrom sind höchstens zwei B-Hohlstrahlrohre möglich.
Reibungsverlust in der B-Leitung
Schätzwerte für gummierte B-Druckschläuche, je 100 m (je einzelnem 20-m-Schlauch in Klammern):
- 600 l/min: 0,7 bar (0,14 bar)
- 800 l/min: 1,2 bar (0,24 bar)
- 1000 l/min: 1,7 bar (0,34 bar)
- 1200 l/min: 2,4 bar (0,48 bar)
Mehr als 1000 l/min besser auf zwei Leitungen verteilen: Der Verlust ist dann kleiner und die Reichweite der Pumpe größer.
Pumpenabstände in der Ebene
In der Ebene geht der nutzbare Druck nur für Reibung drauf. Richtwerte für gummierte B-Schläuche:
- 600 l/min: ca. 1210 m bei 10 bar, ca. 930 m bei 8 bar
- 800 l/min: ca. 700 m bei 10 bar, ca. 540 m bei 8 bar
- 1000 l/min: ca. 500 m bei 10 bar, ca. 380 m bei 8 bar
- 1200 l/min: ca. 350 m bei 10 bar, ca. 270 m bei 8 bar
(Beispiele für 10 bar: FPN 10-1000, für 8 bar: FP 8/8.)
Die Durchflussmengen aller Strahlrohre addieren und auf 800 oder 1000 l/min aufrunden.
Pumpenabstände bei Höhenunterschied
- Schätzverfahren: Strecke in 20-m-Abschnitte (ein B-Schlauch) teilen, Höhen in Stufen von 1,6 m (Visieren mit Wasserwaage auf Latte in 1,6 m Höhe) oder 5 m (Höhenmesser) zählen. Mit dem Schätzlineal und zwei Büroklammern wird mitgezählt: Treffen sich beide, steht dort eine Pumpe. Danach beginnt der nächste Abschnitt.
- Apps und GPS-Systeme: Wasserentnahmestelle, Wegpunkte, Objekt, Drücke und Förderstrom eingeben, die App setzt die Pumpenstandorte. Vorher üben, Ergebnisse stichprobenartig prüfen.
- Digitale Karten zeigen Höhenprofile. Streckenmessrad und Höhenmesser (auch Smartphone-Apps) prüfen die Werte.
- Graphisches Verfahren: Länge (x-Achse) und Gelände (y-Achse) in ein Koordinatensystem eintragen, Wasserentnahme als Nullpunkt, dann die Pumpenabstände einzeichnen.
- Letzte Pumpe so nah am Objekt, dass die Strahlrohrstrecke Bewegungsfreiheit hat und der Strahlrohrdruck stimmt.
Aufbauen und schalten
Aufbau der Förderstrecke
- Wasserentnahme: möglichst unerschöpflich (Fluss, Bach, See). Saugschutzkorb benutzen, bei Fließgewässern die Öffnung in Fließrichtung. Ausnahmsweise leistungsfähige Hydranten, dann Systemtrenner vorgeschrieben.
- Leistungsfähigste Pumpe an die Wasserentnahmestelle.
- Schlauchleitung: gerade am Rand von Straße oder Weg, gut sichtbar, kontrollierbar. In der Ebene von beiden Seiten aufbauen, bei Höhenunterschied bergab. Durchlässe nutzen, damit man Straßen nicht queren muss.
- Pumpen: Tragkraftspritzen oder mittlere Löschfahrzeuge bevorzugen. Wasserführende Fahrzeuge mit mehr als 1000 l nur im Ausnahmefall einbauen, sie sind die bewegliche Reserve. Für je 3 Pumpen eine Reservepumpe, für die Strecke mindestens ein Löschfahrzeug. Zwei B-Schläuche Reserve je Pumpe.
- Letzte Pumpe am besten ein Löschfahrzeug: Gerät und Ausrüstung sind nah am Objekt. Der Ausgangsdruck muss mindestens 6 bar am Strahlrohr sichern.
- Je Pumpe ein Feuerlöscher am Standort.
- Wasserverbrauch darf den berechneten Förderstrom nicht überschreiten.
- Kraftstoff: Tragkraftspritzen haben meist nur für mindestens eine Stunde Betrieb Vorrat. Reserve einplanen. Während des Betriebs nicht betanken (Ausnahme: Dreiwegehahn mit externem Tank). Beim Betanken aus dem Kanister die Pumpe abschalten.
Geschlossene Schaltreihe
Das Wasser läuft von jedem Pumpenausgang ununterbrochen zum Eingang der nächsten Pumpe.
- Vorteil: wenig Zeit- und Materialaufwand.
- Nachteile: mehr Abstimmung nötig, Druckstöße beim Öffnen und Schließen der Strahlrohre wirken auf die ganze Strecke, kürzere Pumpenabstände (Eingangsdruck nötig), kein Löschwasserpuffer.
Offene Schaltreihe
Die Strecke ist an mindestens einer Stelle unterbrochen, zum Beispiel durch einen Faltbehälter als Puffer, am besten vor der Einsatzstellenpumpe. Davor sind Verteiler und Druckbegrenzungsventil nötig, um den Wasserstand zu steuern. Der Förderstrom sollte konstant sein, kein freier Auslauf.
- Vorteile: Der Behälter überbrückt Schlauch- und Pumpenwechsel, Strahlrohre wirken nicht auf die Strecke zurück, vor dem Behälter sind größere Abstände möglich, der Inhalt dient als Reserve für die Brandwache.
- Nachteil: mehr Zeit- und Materialaufwand.
Druckbegrenzungsventil
- Aufgabe: schützt Schläuche, Armaturen und Pumpen vor Druckstößen (zum Beispiel beim schnellen Schließen von Strahlrohren) und leitet sie ab.
- Einstellung in der Förderstrecke: etwa 0,5 bar über dem angezeigten Eingangsdruck der nachfolgenden Pumpe.
- Vorhanden? Es gehört nur noch zur Normbeladung des LF 20 KatS (drei Stück). Sonst nachrüsten oder vorhalten, besonders bei geschlossener Schaltreihe.
- Nur eines vorhanden: vor den Verteiler der Strahlrohrstrecke einbauen, eingestellt auf den Ausgangsdruck der Einsatzstellenpumpe.
Betreiben und führen
Absichern, in Betrieb nehmen, wechseln
- Einsatzabschnittsleiter „Wasserversorgung“ für die Strecke einteilen (am besten mit Führungsfahrzeug).
- Verkehrsabsicherung bei Straßenquerungen mit Posten, nachts beleuchten. Schlauchbrücken statt Überführungen (hohe Fahrzeuge).
- Streckenaufsicht je Teilabschnitt von der eigenen Pumpe bis zum nächsten Verteiler.
- Inbetriebnahme: Teilabschnitt für Teilabschnitt bis zum Verteiler, freien Abgang öffnen, bis Wasser austritt. Druck langsam steigern, mit den anderen Maschinisten abgestimmt. Strahlrohre und Verteiler nicht ruckartig bedienen. Druckmesser beobachten. Eingangsdruck mindestens 1,5 bar, sonst Ausgangsdruck senken.
- Schlauchwechsel: Ausgangsdruck aller Pumpen senken, Meldung an den Einsatzabschnittsleiter, „Wasser halt“, Verteiler vor und hinter dem defekten Schlauch schließen, abkuppeln (ggf. entwässern), Schlauch tauschen, auf Befehl weiterfördern.
- Pumpenwechsel: gleiches Vorgehen: Druck senken, melden, Verteiler vor und hinter der Pumpe schließen, Schläuche abkuppeln, Pumpe tauschen, auf Befehl fortsetzen.
Kommunikation
Ständige Verbindung zwischen Einsatzabschnittsleiter, Maschinisten und Meldern ist unerlässlich. Empfohlen: Netzbetrieb (TMO) mit einer Sondergruppe für die Förderstrecke (mit der Leitstelle absprechen), damit die Reichweite reicht. Ohne ausreichenden TMO-Betrieb Direktbetrieb (DMO), bei Bedarf mit Repeater. Melder, zum Beispiel mit Fahrrad, können die Strecke kontrollieren. Funk vorher prüfen.
Organisation an der Einsatzstelle
Eine lange Förderstrecke braucht einen eigenen Einsatzabschnitt Wasserversorgung unter der Einsatzleitung, mit Untereinheiten je Teilstrecke. Pendelverkehr mit Tanklöschfahrzeugen, Personalverpflegung und Nachschub laufen im Abschnitt Logistik. Einheiten des Katastrophenschutzes mit Schlauchwagen oder LF 20 KatS können Teilstrecken schnell verlegen.